Horst: Essener Straße kurz vor der Öffnung

Die Blindenleitstreifen sind fertig verlegt; jetzt fehlen noch die Querungshilfen auf der Fußgängerzone Essener Straße.
Die Blindenleitstreifen sind fertig verlegt; jetzt fehlen noch die Querungshilfen auf der Fußgängerzone Essener Straße.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Darauf haben viele Bürger, Immobilien-Besitzer und Kaufleute seit Jahren hingearbeitet: Ende Juni wird die Fußgängerzone zwischen Industrie- und Bottroper Straße in Ost-West-Richtung als Einbahnstraße mit Tempo 10 für den Pkw-Verkehr freigegeben.

Gelsenkirchen-Horst..  Es war ein Drama mit Höhen und Tiefen, das Engagement für die Öffnung des fußläufigen Teils der Essener Straße in Horst. Nach rund 15 Jahren findet es nun das Ende, auf das viele Bürger, Immobilieneigentümer und Vertreter der Werbegemeinschaft hingearbeitet haben: Ende Juni wird die Fußgängerzone zwischen Industrie- und Bottroper Straße in Ost-West-Richtung als Einbahnstraße mit Tempo 10 für Pkw- und Radverkehr freigegeben. Die auf acht Wochen veranschlagten Umbauarbeiten liegen im Plan.

„Es ist schon klasse, dass das Thema nach so langer Zeit endlich vom Tisch ist. Wir hoffen, dass die Öffnung tatsächlich zu einer Belebung des Einzelhandels beitragen und die Zahl der Leerstände reduzieren wird – wenn schon nicht durch klassischen Einzelhandel, dann doch durch die Ansiedlung von Büros und Dienstleistern“, freut sich Bernd Strickling, Vorsitzender der Horster Werbegemeinschaft, über das Happy-End.

Dass es eines geben würde, war über viele Jahre völlig unklar. Dabei war das Problem für die Befürworter der Öffnung offensichtlich: Immer mehr Geschäfte gaben auf, weil die Frequenz zu gering war, darunter auch Kundenmagnet Aldi. „Die Fußgängerzone war zum Sterben verurteilt“, so Bezirksbürgermeister Joachim Gill (SPD).

Skepsis gibt es immer noch

Die Politik zu überzeugen, nachdem sie in den 1990ern für einen kostspieligen Umbau zur Fußläufigkeit votiert hatte – es kostete einen langen Atem. Anfang 2014, nach etlichen Bürgerinformationen, gab die Bezirksvertretung West grünes Licht, nachdem sich auch Einzelhandelsverband, Industrie- und Handelskammer sowie die Wirtschaftsförderung dafür ausgesprochen hatten. Schon Ende 2013 hatte sich eine Interessen- und Standortgemeinschaft (IG) mit 25 Mitgliedern gegründet, die über einen Monatsbeitrag von 20 Euro Sauberkeit, Leerstandsmanagement, Weihnachtsbeleuchtung und Veranstaltungen finanzieren wollte.

Vermietung schwierig

„Die zentrale Vermittlung von Lokalen war leider nicht so erfolgreich wie erhofft, weil sich nicht alle Immobilieneigentümer gemeldet haben. Und Interessenten war die Frequenz wegen der Fußläufigkeit zu gering“, setzt IG-Mitglied Strickling darauf, dass sich die Vermietbarkeit nun erhöht.

Gill jedenfalls ist zuversichtlich, „dass sich die Essener Straße nun endlich entwickeln kann.“ Dass es Widerstände gab und immer noch Skepsis gibt, verschweigt er nicht. „Besonders Senioren fürchten, nicht mehr in Ruhe über die Essener Straße spazieren zu können. Aber Autos sind ja schon vorher dadurch gerast, wenn auch verbotenerweise. Nun verläuft der Verkehr wenigstens in geordneten Bahnen.“

Rund vier Wochen nach Beginn der Umbauarbeiten ist das durchgehende Blindenleitsystem auf der nördlichen Straßenseite von Industrie- bis Bottroper Straße mittlerweile verlegt. Auf der südlichen Seite ist, so die Stadt, kein taktiler Leitweg möglich, weil die Gehwegbreite zu gering ist. Deswegen hatte der Beirat für Menschen mit Behinderungen gegen die Öffnung votiert. Geplant sind noch Querungshilfen an der Vogelsang-, Bottroper und Industriestraße.