Holland in Not
29.06.2009 | 19:40 Uhr 2009-06-29T19:40:00+0200
In der Siedlung „Johanneshof” in der Resser Mark hängt seit einigen Monaten der Haussegen schief - wegen fehlender und untersagter Spielmöglichkeiten. Während einige Mieter schimpfen, sieht der Verwalter die Situation ganz anders.
Als familienfreundliche Siedlung wurde sie gepriesen, 32 Familien mit 76 Kindern fanden denn auch ab 2006 ihr neues Zuhause in der kleinen Siedlung am Johanneshof in der Resser Mark. Sie entstand dort, wo einst die evangelische Johanneskirche stand. Noch vor Jahresfrist wurde allseits das nachbarschaftliche Klima gelobt - inzwischen hängt aber der Haussegen schief.
Einige der Familien knubbeln sich seit Wochen mit dem Vermieter und Verwalter der Mietreihenhäuser, mit der Firma Baubetreuung Potthoff - wegen fehlender und, was für noch mehr Aufregung sorgt, untersagter Spielmöglichkeiten der Kleinen. „Uns wurde eine familien- und kinderfreundliche Siedlung angekündigt, aber es wird nicht danach gehandelt”, ärgert sich Wolfgang Schindler. Es gebe nicht eine Spielmöglichkeit am Johanneshof, nicht einen Sandkasten, und nun untersage der Vermieter das Fußball- und Hockeyspielen in der ganzen Wohnanlage. Auch das Tischtennisspielen habe man verboten. „Uns nervt tierisch, dass im Expose Kinderspielmöglichkeiten dargestellt, aber nicht realisiert wurden”, ergänzt Maiko Lukowski. „Stattdessen schickt der Vermieter unsere Kinder nun ans Ende der Warendorfer Straße, um dort direkt neben dem Seniorenstift Fußball zu spielen”, empört sich Anja Rydzewski, die in einem solchen Fall neue Komplikationen erwartet.
Wolfgang Schindler wurmt, dass Autos „rumstehen dürfen”, wenn aber Kinder mit Plastikbällen spielen, „ist Holland in Not”. Seine Frau Anja berichtet, dass es seit Wochen ein briefliches Hin und Her gebe, es aber bei den Verboten geblieben sei. Auch ein Mietertreffen habe keine Lösung gebracht. Die ev. Gemeinde, die Grundeigentümer und auch Vermieter sei, habe zugesagt, einen Platz zum Spielen ganz in der Nähe zu finden, bislang aber ohne Ergebnis. Unzufrieden ist Anja Schindler auch mit OB Frank Baranowski, dem sie die Situation in einer Bürgersprechstunde schilderte, der aber in einem Brief nur auf Spielplätze in der Resser Mark und in Resse verwies. „Das hilft uns nicht weiter.”
Als Ursache der Verbote sehen die Mieter Teile der Nachbarschaft, die sich über das Spielen beschwert hätten. Maiko Lukowski: „Es kann aber nicht sein, dass der Vermieter sich auf die Seite der Minderheit schlägt.”
Tue er nicht, sagt Ralf Potthoff, einer der Geschäftsführer der Hammer Firma, zur WAZ. Im Gegenteil: Seiner Einschätzung nach seien es zwei, drei Familien, „die uneinsichtig sind” und den Gemeinsinn nicht mittrügen. Richtig sei, dass sich Familien beschwert hätten, über Spielen „in massiver Form”. Potthoff: „Da ist über die Strenge geschlagen worden.” Auch Familien mit Kindern hätten ein Veto eingelegt. Es seien Großteile der Außenanlagen und Außenbeleuchtungen zerstört sowie Garagentore demoliert worden. Auch über Lärm sei geklagt worden. „Da reicht es nicht zu sagen, das ersetzen wir.” Alle Mieter müssten sich wohlfühlen, nicht einzelne.
Potthoff betont, dass nicht das Spielen generell untersagt wurde, sondern nur Fußball, Hockey und Tischtennis. Was einen Spielplatz anbelange, so sei dessen Bau stets ein Spagat zwischen Funktionalität und Wirtschaftlichkeit. Zugunsten einer „familienfreundlichen Miete” von 4,42 €/qm, was eine dichtere Bebauung bedinge, habe man auf einen Spielplatz verzichtet, der im übrigen in einer Wohnanlage mit Gärten gesetzlich nicht nötig sei.
Pfarrer Eckehard Biermann von der ev. Gemeinde Resser Mark sind die unterschiedlichen Interessen der Mieter bekannt, „die der Verwalter ausgleichen muss, wenn das auf Nachbarschaftebene nicht klappt.” Der Gemeinde seien die Probleme keinesweg egal, daher habe man Kontakt zur Politik aufgenommen, um die Möglichkeit nach Einrichtung eines Bolzplatzes auszuloten. Eine schnelle Lösung sei da aber nicht in Sicht.
Die Stadtverwaltung betonte, dass es sich im eine Privatsiedlung und eine Privatstraße handele. Da habe die Stadt wenig Einfluss auf die Schaffung von Spielmöglichkeiten.
Das sagt der Experte, der Jurist Arndt Kempgens
Nach Auffassung des Gelsenkirchener Rechtsanwaltes und Verkehrsrechtsexperten Arndt Kempgens darf der Vermieter das Fußball- und Hockeyspielen auf dem Johanneshof verbieten. Zwar gelte auf der Privatstraße mit der öffentlichen Zugänglichkeit die Straßenverkehrsordnung und damit die Regeln der Spielstraße. Aber wenn das Ausmaß der Nutzung - das Spielen - in „unzumutbarer Weise” Rechte einschränke, dürfe der Eigentümer einschreiten. Zum Schutze der anderen Mieter dürfe der Verwalter demnach „zumutbare Maßnahmen” einleiten. Das Untersagen von Fußball und Hockey sei zumutbar, weil nicht generell das Spielen untersagt sei, so Kempgens.
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14:47
Eine Spielstraße ist doch kein Fußballplatz!
22:37
Und was hat jetzt die bescheuerte Überschrift(titel) damit zu tun??
Einfach lächerlich!!
Mfg.
Von einen echte Holländer.