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Sommertour

Höchste Konzentration in Resse

11.08.2012 | 11:11 Uhr
Höchste Konzentration in Resse
Verdammt eng: Auf der Ewaldstraße im Resser Zentrum müssen sich Rad- udn Autofahrer konzentrieren. Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen-Resse. Zugegeben: Mit dem Rad hinaus ins Grüne zu fahren, das ist selbst in einer Großstadt wie Gelsenkirchen schnell möglich. Aber mit dem Rad durch den Alltag? Das verlangt Konzentration und Rücksicht. Für diese Sommertour ist die WAZ zusammen mit Klaus-Dieter Lenz vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Gelsenkirchen von Buer nach Resse geradelt.

Kein spektakulärer Ausflug also, vielmehr eine Strecke, die man mal eben bewältigen könnte auf dem Weg von der Schule, zum Einkaufen, zum Besuch von Freunden. Klaus-Dieter Lenz tritt kräftig in die Pedale, gibt das Tempo vor, streckt den linken Arm aus und fährt auf die Kreuzung Hochstraße/Hagenstraße zu. Augen auf beim Abbiegen: Autos von links, Autos von rechts, Fußgänger aus Richtung Innenstadt, die im Schutz des Zebrastreifens die Straße überqueren wollen, dazu auf beiden Seiten der Hagenstraße Radfahrer. Der Blick nach rechts zeigt eine freie Hagenstraße, der untergeordnete Verkehr von links stoppt: Die Gelegenheit zum Abbiegen ist günstig.

Weg von der Hauptverkehrsstraße

Sofort geht’s nach rechts zur Domplatte. Über das neue Pflaster rollt Lenz zwischen Fußgängerüberweg und Zufahrt zur Tiefgarage auf die Freiheit, um dann über den separaten Rechtsabbieger auf die De-la-Chevallerie-Straße zu kommen: zwei verlorene Radfahrer mitten auf der Hauptverkehrsstraße, weit und breit kein sicherer Radweg in Sicht.

Die nächste Autolawine aus Richtung Norden rollt heran. „Vielleicht ist es doch besser, nach links in die Westerholter Straße abzubiegen“, schlägt Lenz vor. Eine richtige Entscheidung. Auf der Wohnstraße geht es ruhig und sicher zu. Je weiter aufwärts, desto weniger Verkehr. Am Ostring steht uns ein breiter Radweg zur Verfügung, der Parallelfahrt und damit auch Unterhaltung möglich macht. An der Goldbergstraße geht es sicher wegen der Ampeln und bequem wegen der Asphaltkleckse an den Bordsteinkanten rüber zur Ressestraße. Auch dort gibt es einen Radweg - mit etwas Farbe markiert auf dem breiten Bürgersteig. In sicherer Entfernung zum Autoverkehr rollen die Reifen über Asphalt in allen denkbaren Erscheinungsformen. Gerade noch auf einer Rüttelpiste, laufen die Räder fast laut- und reibungslos auf einem durchgängig ebenen Wegebelag. Flüsterasphalt für Radfahrer, eine luxuriöser, aber kurzer Moment in Höhe der Zufahrt zum Gelsendienste-Stützpunkt. Klaus-Dieter Lenz schwärmt von den Niederlanden und von Dänemark, wo Radwegenetze kein Stückwerk sind, wo das Rad wie selbstverständlich zum Alltag gehört. „Viele Fahrten innerorts sind kürzer als ein Kilometer und etwa die Hälfte der Pkw-Fahrten in unseren Städten beträgt maximal fünf Kilometer“, hat der ADFC festgestellt. Warum dann nicht öfter aufs Rad steigen?

Was Autofahrer denken

Auf der Ewaldstraße wird deutlich, warum der Umstieg so schwerfällt. Im Resser Zentrum bietet die Straße auf beiden Seiten einen Schutzstreifen – eine unterbrochene Linie, die einen Teil des ohnehin knappen Straßenraums den Radfahrern zugesteht. „Eine sichere Regelung, weil der Autofahrer den Radfahrer sieht“, erklärt Lenz. Im Gegensatz zu einem Radweg auf dem Bürgersteig: „Der Autofahrer achtet beim Abbiegen vor allem auf den Gegenverkehr und nicht auf den Radfahrer, den er an einer Kreuzung oder Einmündung dann nicht erwartet“, so Lenz’ Erfahrung. Was Autofahrer denken, wenn zwei Radfahrer vor ihnen stehen und die schnelle Weiterfahrt vermasseln, ist nicht bekannt.

Verdammt eng

Die Ampel an der Middelicher Straße zeigt Rot. Langsam bewegen wir uns auf die Kreuzung zu. Links von uns der rollende Verkehr, rechts die geparkten Autos. Verdammt eng, erst recht, wenn die Räder des Autos auf der gestrichelten Linie stehen. Lenz: „Dabei ist der Fahrstreifen für Autos breit genug.“ Direkt vor der Ampel erweitert sich der Schutzstreifen zu einer vorgelagerten Aufstellfläche für Radfahrer. Das erleichtert uns das Linksabbiegen. Wir haben das Zentrum erreicht, Gelegenheit also, um Einkäufe zu erledigen. Wo die Räder sicher abstellen? Das ist ein ganz anderes Thema...

Wolfgang Laufs



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