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Historischer Kohlenpfad wird zur Kunstmeile

19.11.2009 | 10:00 Uhr
Historischer Kohlenpfad wird zur Kunstmeile

Gelsenkirchen. Vor 240 Jahren ging der Gahlensche Kohlenweg in Betrieb. Er wurde teils auf uralten Pfaden durch das Emscherbruch gebaut. Im Kulturhauptstadtjahr möchten Künstler die historische Straße mit ihren Werken erfahrbar machen und ins Rampenlicht setzen.

Teile des Weges nutzten schon die alten Römer, um ihre Legionen an der Lippe mit Wildpferden aus dem Emschertal zu versorgen oder um gegen die Germanen in den Krieg zu ziehen: Der Gahlensche Kohlenweg, der im nächsten Jahr während des Kulturhauptstadtjahres von der „Kunststraße” zur „Straße der Kunst” mutiert, ist eine uralte Wegeverbindung, die Ruhr und Emscher mit der Lippe verbindet und mitten durch Buer führte und führt.

Auch bekannt als Kohlendamm

Berühmt wurde die 29 Kilometer lange Straße als Kohlentransportweg. Erstmals erwähnt schon 1683 als „Kohlendamm”, wie Erles Heimatforscher Hubert Kurowski herausfand. Seine Blütezeit hatte der Weg im 18. Jahrhundert, als Kohlenhändler mit Pferd und Wagen das schwarze Gold vom Tagebau an der Ruhr zur Verschiffung nach Gahlen an der Lippe schafften. Die Initiative dazu war vom Königreich Preußen ausgegangen, wie Heimatforscher Carl Heinrich Lueg schreibt. Preußen hatte Mitte des 18. Jahrhunderts bereits die Grafschaft Mark und das Herzogtum Kleve an sich gebracht. Dazwischen lag aber das zum Kurfürstentum Köln gehörende Vest Recklinghausen.

Preußen war sehr daran gelegen, so Lueg, die auf märkischem Terrain geförderte Kohle (in Weitmar und Stiepel) durch das kurfürstliche Vest ins Klevische zu transportieren, um dort vor allem die aufblühenden Handwerksbetriebe mit Energie zu versorgen. Nach langen Verhandlungen einigte sich Preußen mit dem Kurfürsten darauf, einen Kohlentransportweg, eine künstlich angelegte Straße („Kunststraße”), zu bauen - unter Einbeziehung der uralten Wege im Emscherbruch.

1766 ging die Straße, deren Bau wohl 180 000 Taler kostete und von den Preußen finanziert wurde, in Betrieb. Buersches Gebiet erreichte die Straße östlich von Haus Grimberg, wo sie per steinerner Brücke über die Emscher kam und über die noch heute erhaltene Fleuthebrücke führte. Weiter ging es über die heutige Cranger Straße Richtung Buer, wo sie über die Hochstraße und dann wieder über Dorstener und heutige Ulfkotter Straße Richtung Norden verlief.

Wegezoll an der Tagesordnung

Trotz des Ausbaus - es war für die Fuhrleute ein schwieriges Unterfangen, sie zu befahren, vor allem im feuchten Emscherbruch. Oft steckten die Wagen im Morast fest. Sie waren mit Bohlen und Reisigzweigen auf Knüppeldämmen gebaut, musste aber immer wieder mit Steinen und Buschwerk ausgebessert werden. Die Klagen der Fuhrleute nahmen zu, und 1770 erfolgte eine „Vollendung” des Baus, der sich 2010 zum 240. Mal jährt.

50 Schlagbäume zählte man an der Straße, an denen Wegezoll zu entrichten war. Auch bei ihrem Weg durch das Dorf Buer wurde am Torhaus abkassiert („Pflastergeld”). Bis zu 200 Wagen benutzten den Kohlenweg pro Woche - eine lukrative Angelegenheit für die Anrainer. Gasthöfe, Fuhrstationen und Zollhäuser eröffneten. Streng waren die Sitten: Nicht mehr als fünf Schritte durfte sich ein Fuhrmann unter Androhung von Strafe von seinem Pferd entfernen; Fußwege durften nicht befahren werden, auch hier drohte Strafe, heißt es in einer entsprechenden königlichen Landstraßenordnung.

1848 - 1853 wurde der Gahlensche Kohlenweg chausseeartig ausgebaut. Noch heute ist die Straße von überörtlicher Bedeutung, führen doch die B 226 im Süden und die B 224 im Norden über ihre Trasse.

Die 2010-Kultur-Aktionen

Zum Kulturhauptstadtjahr wollen hiesige Künstler die historische Straße mit ihren Werken erfahrbar machen und mit Mitteln der Kunst ins Rampenlicht setzen. Zu dem Spektrum an Kunst, die man entlang des ehemaligen Gahlenschen Kohlenweges finden wird, zählen laut Kunstverein Gelsenkirchen, dem Initiator dieser 2010-Aktion, Skulpturen und Objektgestaltungen aus Holz und Erde, Flächenarbeiten aus Holz und Gras, Installationen aus Holz und Rasen sowie Naturmalereien. Schon in diesem Jahr machte man mit einem Kunstflug über der Trasse und mit einem Brandmarke-Wegezeichen vor der Matthäuskirche auf das Projekt aufmerksam.

Georg Meinert

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