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Hassels neues Zentrum

11.08.2009 | 17:05 Uhr

Der Stadtteil Hassel bekommt ein Zentrum. Eines, in dem Gemeindeleben stattfindet. Und das aller Religionen. Im besten Fall zumindest. Beheimatet soll das Stadtteilzentrum auf dem Gelände der Lukas-Kirche am Eppmannsweg sein. Ab 2010 beginnt die Realisierung dieses Projektes.

Bild : Thomas Schmidtke / waz

Der Mittelpunkt des Zentrums wird eine Mensa sein. „Gemeinsames Essen stiftet Kommunikation”, erklärt Pfarrer Rolf Heinrich und lacht: „Und Gottes Liebe geht durch den Magen.” Daneben geht es aber auch um die Speisung Bedürftiger und eine Erziehung zur guten Ernährung. „Das ist wieder eine Bildungsaufgabe.”

Der ganze Platz zwischen Kirche, Kindergarten und Bonni, so ist die Idee, soll überdacht und somit nutzbar sein. Wie genau das aussehen soll, steht noch nicht fest. „Die Architektenwettbewerbe sind noch nicht gelaufen”, so der Pfarrer. Über die inhaltlichen Strukturen ist man sich in der Konzeptgruppe, wo Menschen aus verschiedenen Initiativen und Verbänden zusammen sitzen, einig.

Gudrun Leh (links) und Nuran Demir (rechts)

So teilt sich das Angebot des Stadtteilzentrums in folgende Bereiche auf. Unter dem Titel „Bildung” engagieren sich die Bildungsoffensive Hassel und die Stadt Gelsenkirchen für die Verknüpfung von schulischer und außerschulischer Bildung, in der Realisierung von Modellen interkultureller und interreligiöser Begegnung, aber auch für lebenslanges und generationsübergreifendes Lernen. Besondere Beachtung findet dabei die benachbarte Hauptschule am Eppmannsweg, mit der das Bonni bereits seit Jahren kooperiert.

Ein weiter Bereich ist die „Integration”. Hier soll weiterhin der interreligiöse Dialog gestärkt werden und die bestehende Zusammenarbeit der örtlichen Gemeinden soll ausgebaut werden. „Vernetzung” ist das Schlagwort, unter welchen sich auch die Stadtteilmensa und das Familienzentrum verbergen. Daneben sind Freizeit- und Bildungsangebote, Kulturangebote aber auch eine Anlaufstelle für haushaltsnahe Dienste angedacht.

Ein weiterer, wichtiger Bereich ist die „Arbeit”. Es entsteht etwa eine Fahrradwerkstatt. „Die wird in Zukunft die Werksfahrräder von BP warten”, ist Heinrich stolz auf einen ersten Erfolg. In diesem und anderen Projekten sollen Arbeitsplätze geschaffen werden. 1-Euro-Jobs werden von den Akteuren ausgeschlossen.

Zudem wird es am Eppmannsweg ein umfangreiches Beratungsangebot geben. Hier profitieren Gemeinde und Diakonie voneinander. „Denn bisher hörten unsere Beratungsangebote in Buer auf”, so Heike Lorenz, leitende Sozialarbeiterin des Diakoniewerks Gelsenkirchen Wattenscheid.

Wieviel das Stadtteilzentrum in dieser Form kosten wird, ist derzeit unklar. Das liegt daran, dass noch keine Baupläne existieren. Dennoch wurden bereits Förderanträge gestellt. Die Initiatoren hoffen auf Gelder aus zwei Töpfen, nämlich aus dem Landesprogramm „Initiative zeigen” und aus dem Programm „Soziale Stadt”. Im intergrierten interkommunalen Handlungskonzept sind hierfür 3,04 Millionen Euro ausgewiesen. Eine erste Summe von voraussichtlich 40 000 fließt bereits im nächsten Jahr. 2011, wenn es an die Bauphase geht, sind 3 Mio Euro angedacht. Dazu kommen Fördergelder für einen von drei Stadtteilläden, der sich auf dem Gelände des Zentrums befinden wird.

Allerdings, es gibt keine 100-Prozent-Förderung – die Eigenbeteiligung macht 20 Prozent aus. Doch die Gemeinde ist zuversichtlich. So will man das alte Pfarrhaus am Marktplatz für 280 000 Euro veräußern. Und wenn das nicht klappt, soll es beliehen werden. „Immerhin hat die Kirche eine eigene Bank”, so Heinrich. Die Bewirtschaftung des Zentrums soll auch eine noch zu gründende Bürgerstiftung unterstützen (anstelle des Verein Soziale Stadt - Stadtteilzentrum Hassel).

Heinrich betont, dass dieses Projekt an jahrelange Arbeit im Stadtteil anknüpft, denn mit der Struktur des Reviers und des Viertels änderte sich auch die Gemeinde. „Meine Amtsvorgänger”, schmunzelt er, „haben ein Jahr lang unter Tage gearbeitet, bevor sie diese Pfarrstelle antreten konnten.”

WAZ-Interview mit Pfarrer Rolf Heinrich

Seit mehr als dreißig Jahren ist Pfarrer Rolf Heinrich in der Lukas-Kirchengemeinde in Hassel. WAZ-Mitarbeiterin Kira Schmidt sprach mit ihm über das neue Zentrum.

Herr Heinrich, Sie sind seit 1977 in Hassel tätig und haben die Gemeinde und auch das Projekt „Stadtteilzentrum” geprägt. Woran machen Sie denn den Bedarf eines solchen Zentrums fest?

Pfarrer Rolf Heinrich / Lukaskirche in Gelsenkirchen - Hassel 07.08.2009 / Photo: Cornelia Fischer/ Honorarpflichtig

Rolf Heinrich: An der Lebenssituation der Menschen im Stadtteil. Hier treffen sich Menschen, die eigentlich einen anderen Bedarf haben. Vielleicht Kaffeetrinken oder Kuchen essen. Dabei wird über Probleme gesprochen. Und wir in Lukas haben uns immer schon gefragt, was macht eine Gemeinde damit? Wir haben immer versucht, nicht nur zuzuhören, sondern zu helfen. Und wir erfahren nur von den Problemen der Menschen, wenn sie dezentral in einer überschaubaren Gruppe zusammenkommen. Das geschieht hier.

Das Stadtteilzentrum soll ökumenisch sein. Kann man das auch als Rückzug verstehen im Bereich der eigenen Schwachstellen?

Wir geben keine Arbeitsfelder ab. Es geht nicht um Rückzug. Es geht um die Vertiefung der sozialen Arbeit, weil man Partner hat auf Augenhöhe. Verantwortung zu teilen, Geld zu teilen, das ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach und eine echte Herausforderung.

Welche Folgen hat denn dieser ökumenische Gedanke und der gleichzeitige Ausbau der Lukas-Kirche zur Multifunktionshalle?

Was heißt Kirche denn? Versammlungsraum. Da kommen Menschen zusammen. Es muss im Stadtteilzentrum eine spirituelle Mitte geben. Das ist die Lukas-Kirche. Sie versteht sich aber nicht konfessionell. Ein Problem fragt nicht, bist du evangelisch oder katholisch, oder bist du gar aus der Kirche ausgetreten.

Das heißt, es wird künftig vermehrt ökumenische und interreligiöse Gottesdienste geben?

Ja. Und das machen wir ja schon. So gehen Muslime und Christen bald wieder zum ersten Mal in die Schule. Der Ansatz, den wir verfolgen, ist zu sagen, das ist doch eine gemeinsame Lebenssituation. Und seit Jahren machen wir einen gemeinsamen Gottesdienst, mal in der Moschee, mal in der evangelischen und mal in der katholischen Kirche. Das kann man ausweiten auf andere Bereiche.

Aber diese gemeinsamen Einschulungsgottesdienste finden auch Kritiker. Wie gehen Sie damit um?

Man muss Menschen ernst nehmen, die eine andere Meinung haben. Damit muss ich sensibel umgehen. Denn sonst verstärken sich Feindbilder und Aggressionen. Und genau das muss verhindert werden.

Mangelt es nicht punktuell an genau dieser Sensibilität in der Kommunikation? Ein Beispiel ist die Debatte über das Schalker Vereinslied ...

Je weniger sich jemand respektiert fühlt, desto größer ist bei ihm die Neigung, andere auszugrenzen. Der größte Beitrag zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit ist die Stabilisierung der eigenen Lebenslage.

Gilt diese Theorie nicht hüben wie drüben, also bei islamistischen Extremisten wie auch bei rechten Gruppierungen?

Ja. Im Moment ist mein Eindruck, dass es kein rechtsradikales Potenzial rund ums Bonni gibt. Aber der Dialog darf nicht abbrechen. Es gibt ja Gründe, dass so etwas stattfindet. Das ist häufig die soziale Ausgrenzung. Ich habe oft mit Jugendlichen gesprochen, die mir berichteten, sich in diesen Kreisen zum ersten Mal geborgen und anerkannt gefühlt zu haben.

Das heißt, die Ursache für Extremismus ist gesellschaftliches Versagen?

Ja. Und politisches. Wir leben nicht in einer Zeit der gegenseitigen Wertschätzung.

Kira Schmidt

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Kommentare
13.08.2009
17:25
Hassels neues Zentrum
von buwi | #5

Hallo,

mir und mit Sicherheit vielen anderen ist die Abkürzung IIHK nicht geläufig. Wer oder was ist IIHK?
Ich kenne die IHK, das ist die Industrie- und Handelskammer. Ist die IIHK dann die Internationale Industrie- und Handelskammer?

Gruß

Buwi

13.08.2009
17:13
Hassels neues Zentrum
von buwi | #4

Hallo,

da nicht jeder die Abkürzung IIHK kennt: Wer oder was ist IIHK? Ich kenne nur die IHK (Industrie- und Handelskammer). Ist IIHK nun die Internationale IHK?

Gruß

Buwi

13.08.2009
15:37
Hassels neues Zentrum
von Hometown-Glory | #3

@ buwi: Das Stadtteilzentrum ist doch nicht das alleinige Projekt des Pfarrer!

Übrigens wird ein Großteil über das IIHK finanziert!


http://agenda21.gelsenkirchen.de/agenda21_texte/ak_zukunft_in_hassel.htm

13.08.2009
14:24
Hassels neues Zentrum
von buwi | #2

Hallo,
ich bin für einen interreligiösen Dialog, aber können dafür nicht vorhandene (Kirchen-) Gebäude genutzt werden? Ich denke, in Zeiten des knappen Geldes könnten damit andere wichtige Projekte unterstützt werden.

Oder möchte Pfarrer Dr. Rolf Heinrich sich ein Denkmal setzen - ohne an die Folgekosten bzw. an die dauerhafte Finanzierung zu denken? Das geht nicht über einmalige Zuschüsse und gelegentliche Spenden.

Damit kann die Selbständigkeit der Lukas-Gemeinde nicht untermauert werden. Ich bin statt dessen fest davon überzeugt, dass das Projekt nur nach Anschluss an eine Großgemeinde eine Chance hat.

12.08.2009
12:57
Hassels neues Zentrum
von Karl-Heinz75 | #1

Viel Erfolg mit dm neuen Projeckt Herr Pastor.
Sie sind in diesen Sachen Unschlagbar.
Gut das wir sie haben.
Karl-Heinzz Urbainski

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