Graburnen von Monika Simon, einzigartig wie die Menschen

Motive für jeden Geschmack: So individuell wie die Menschen, sollen auch die Graburnen sein, die Bildhauerin Monika Simon den Verstorbenen mit auf den Weg geben will.
Motive für jeden Geschmack: So individuell wie die Menschen, sollen auch die Graburnen sein, die Bildhauerin Monika Simon den Verstorbenen mit auf den Weg geben will.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
So einzigartig wie jeder Mensch sollten auch die Graburnen sein: Dieses Prinzip setzt die Bildhauerin Monika Simon aus Buer bei ihrem neuen Projekt um – sie fertigt Terracotta-Unikate für den letzten Weg an.

Gelsenkirchen-Buer..  Wenn jeder Mensch einzigartig ist und so lebt wie sonst kein anderer, warum sollte er sich dann nach dem Tod mit einer Standard-Graburne zufrieden geben? Bildhauerin Monika Simon aus Buer hat ihre eigene Antwort auf diese Frage gefunden: Seit November experimentiert sie mit den unterschiedlichsten Formen, Größen, Deckeln und Ornamenten von Tonbehältnissen für den letzten Weg. Jetzt „endlich“, sagt die dreifache Mutter, ist sie zufrieden – und kann mit der Serienproduktion von Urnen-Unikaten aus Terracotta beginnen.

„Ich kann mein Baby laufen lassen“, freut sie sich, „nach vielen Fehlversuchen“ den richtigen Prototypen entwickelt zu haben. „Die ersten Urnen waren viel zu klein. Ich habe erst später erfahren, dass die Kapsel für die Überreste 17 Zentimeter breit und 22 Zentimeter hoch ist. Dieser Norm musste ich meine Arbeiten erst anpassen“, erzählt sie, während sie in ihrer Werkstatt ein kantiges Stück schlammbraunen Tons in vier Scheiben schneidet: Ihre Urnen entstehen Stück für Stück als Aufbaukeramik. Die erste Schicht wird in eine runde Gipsform eingestrichen, die zweite darauf gesetzt. Kein Wunder, dass jedes dieser konisch zulaufenden Gefäße anders aussieht. „Das ist Handarbeit“, schätzt sie es, eben keine Stücke von der Stange zu produzieren.

Vielfalt bei den Ornamenten

Den Deckel zu gestalten, ist immer wieder eine Herausforderung. „Er muss rund sein, darf sich nicht verkanten oder überstehen. Schließlich wird die Urne an Bändern ins Grab herabgelassen, ein zu großer Deckel würde da nur stören“, sagt sie und zeigt auf die Löcher in den 26 Zentimeter hohen und 23 Zentimeter breiten Gefäßen, durch die das Band gezogen wird.

Sonst aber setzt die studierte Bildhauerin (51), die ihr Handwerk bei Professor Alfred Hrdlicka und Prof. Rolf Szymanski an der Hochschule der Künste in Berlin lernte, auf Vielfalt in Farbe und Ornamentik: Mal ziert ein plastisches Gingko-Blatt die Urne, mal eine Jakobsmuschel – Symbol der Pilger –, dann eine Lilie, ein Kreuz oder ein Fisch. „Ich möchte Motive für jeden Geschmack anbieten, für den überzeugten Christen ebenso wie für den Atheisten“, sagt sie.

Tod kein Tabuthema

Die meisten ihrer Urnen sind zurückhaltend ein- oder zweifarbig, aber auch farbige mit grafischen Mustern hat die Bueranerin im Programm, zumindest in kleinerer Ausführung. „So können sich Interessenten die Originale besser vorstellen. Wer mag, kann sie als Erinnerung zu Hause platzieren.“

Der Tod – für sie selbst ist er alles andere als ein Tabu. „Wenn man die Mitte des Lebens überschritten hat, kommt man um dieses Thema nicht herum“, nähert sie sich der Endlichkeit des Lebens auf ihre ureigene, künstlerische Weise. Dass ihr Vater, der Architekt Hans Simon, vor Kurzem starb, trug sicher auch dazu bei, sich verstärkt damit auseinanderzusetzen.

Für welche Urne sie sich entscheiden würde? „Ich nähme wahrscheinlich die weiße mit der Spirale. Dieser Kreis, der nach innen, in die Mitte führt: Das passt ganz gut zu mir.“