Glücklich über Ende der Leidenszeit

Das Gericht beendete die Geschichte mit der Firma Lobenstein.
Das Gericht beendete die Geschichte mit der Firma Lobenstein.
Die 21-Jährige Nadine F. erkrankte während der Ausbildung bei Intersport Lobenstein in Gelsenkirchen-Buer. Jetzt wurde vor dem Arbeitsgericht ein Vergleich geschlossen. Das Arbeitsverhältnis wurde rückwirkend zum 31. Januar 2015 aufgehoben, Kündigungen und Abmahnungen sind vom Tisch

Nadine F. verlässt erleichtert das Arbeitsgericht. Sie stritt mit ihrem Arbeitgeber Intersport Lobenstein in Buer um die Berechtigung zahlreicher Abmahnungen und Kündigungen durch den Arbeitgeber (wir berichteten). Mit einem Vergleich endete jetzt der Rechtsstreit. Das Arbeitsverhältnis wurde rückwirkend zum 31. Januar 2015 aufgehoben, Kündigungen und Abmahnungen sind vom Tisch.

Die junge Frau hatte 2012 eine Ausbildung zur Verkäuferin im Einzelhandel begonnen. Die Ausbildungsinhalte entsprachen allerdings kaum ihren Vorstellungen. Sie beklagte sich unter anderem darüber, Kaugummi vom Boden abkratzen, den Müll heraustragen und putzen zu müssen. Als ihre Mutter die WAZ über die Ausbildungspraktiken informierte, erhielt Nadine eine Abmahnung, die Mutter Hausverbot. Das Argument der Geschäftsleitung: Das Unternehmen werde diskreditiert.

Abmahnungen ausgestellt

Die Mitarbeiter trugen zur Verdeutlichung der Sympathie zur Deutschen Nationalmannschaft bei Spielen öfter ein Trikot der deutschen Elitekicker. Als Nadine nach Aufforderung des Filialleiters eines anzog, das ansonsten ein Kollege trug, mahnte sie der Arbeitgeber auch für dieses angebliche Vergehen ab.

Auch für eine verspätete Krankmeldung und Nichtabgabe des Berichtsheftes waren jeweils Abmahnungen fällig. Nadine erkrankte dauerhaft, die Ausbildung wurde verlängert. „Die Atmosphäre und die Behandlung dort hat mich seelisch und körperlich krank gemacht“, sagt die junge Frau. Sie magerte ab, war verzweifelt, weil sie keine Lösung sah. Auch Schlichtungsgespräche bei der Kammer führten nicht zum Erfolg. Schließlich kündigte Nadine zum 31. Januar 2015 selbst.

Kein verbindlicher Tarifvertrag

Vor Gericht ging es nur noch um die Modalitäten der Trennung. So standen Urlaubsabgeltung und anteiliges Urlaubsgeld zur Diskussion. Die großzügigen Rechnungen der Vorsitzenden stellten sich schnell als Makulatur heraus. Nadine F. erhält nur 1320 Euro an Urlaubsabgeltung, weil das Gericht anstelle von ursprünglich 30 kalkulierten Tagen nur den gesetzlichen Mindestanspruch von 20 Tagen berücksichtigen konnte. Und tariflich geregelte Urlaubsgeldansprüche fielen schließlich ganz unter den Tisch. Im Berufsausbildungsvertrag hatte der Arbeitgeber die Rubriken Urlaubstage und Tarifvertrag nicht ausgefüllt. Er ist nicht an einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag gebunden.

Bei aller Bitterkeit über ihre Leidenszeit ist Nadine F. heute überglücklich. Sie recherchierte im Internet und fand einen Arbeitgeber in Recklinghausen. In der Bäckerei überzeugte sie den Chef schon bei der Probearbeit. Er schloss zum 1. Februar 2015 einen Ausbildungsvertrag zur Fachverkäuferin mit ihr ab. Für Nadine F. ist die Berufswelt wieder in Ordnung, sie geht lächelnd zur Arbeit. Die Chefs seien sehr zufrieden mit ihr, in der Berufsschule erhalte sie durchweg gute Noten. Psychische Probleme scheinen sie nicht mehr zu belasten. Sie spüre jetzt, wie wohltuend sich ein angenehmes Betriebsklima und eine vorbildliche Ausbildung auf ihr seelisches und körperliches Befinden auswirkten. Nadine: „Ich bin super zufrieden, darf jetzt endlich auch selbstständig arbeiten.“

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