Gesamtschule Horst: Reiten nach Stundenplan

Dilara (10) wird auf dem Pferderücken immer mutiger – ihre Angst ist Respekt und Vertrauen gewichten.
Dilara (10) wird auf dem Pferderücken immer mutiger – ihre Angst ist Respekt und Vertrauen gewichten.
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Was wir bereits wissen
Zahlen multiplizieren, Vokabeln pauken, Gedichte analysieren: Es ist viel Unterrichtsstoff, der in die Köpfe von Fünftklässlern gestopft werden soll. In der Reit-AG der Gesamtschule Horst lernen sieben Schülerinnen, dass im Schulalltag auch Haltung wichtig ist.

Gelsenkirchen-Erle..  Zahlenkolonnen multiplizieren, Vokabeln pauken, Gedichte analysieren: Es ist schon viel Unterrichtsstoff, der in die Köpfe von Fünftklässlern gestopft werden soll. Dass im Schulalltag auch Haltung zählt, ebenso wie Streicheln und Auskratzen, ist da für die sieben Schülerinnen der Gesamtschule Horst eine ganz neue Erfahrung. Die sie aber um nichts in der Welt missen möchten – hoch zu Pferd in der Reithalle: in ihrer Arbeitsgemeinschaft.

Seit Ende der Herbstferien haben sich Jasper, Lärche & Co gleichsam im Galopp einen Platz in den Stundenplänen der Mädchen erobert, vom Platz in ihren Herzen mal ganz abgesehen. „Am Anfang hatte ich schon Angst vor diesen großen Tieren. Aber es geht immer besser. Als ich vorhin im Sattel saß, war ich ganz ruhig“, berichtet etwa Dilara (10), nachdem sie in der Halle des Reitervereins Gelsenkirchens an der Willy-Brandt-Allee beherzt vom Pferd gesprungen ist. Nun ist ihre Mitschülerin Gizem (12) an der Reihe, auf dem Rücken des Tieres zu turnen.

Verantwortung übernehmen

Während Reitlehrerin Stefanie de la Porte das Pferd an der Longe immer im Kreis führt, erläutert Gesamtschul-Koordinatorin Anke Käding den Sinn der Reit-AG im Jahrgang 5: „Das Angebot bietet den Kindern nicht nur die Möglichkeit, neue Bewegungserfahrungen zu machen, sondern unterstützt gleichzeitig auch ihre geistig-seelische und körperliche Entwicklung.“ Wenn die Mädchen sich im Trab oder gar Galopp im Sattel halten oder turnen müssen, fördert das ihre gesamte Beweglichkeit und den Gleichgewichtssinn.

„Nebenbei wird durch den Umgang mit den Pferden auch die Sozialkompetenz trainiert, etwa das Veratwortungsbewusstein. Denn die Schülerinnen müssen die Tiere vor dem Reiten säubern, damit es unter dem Sattel keine Druckstellen gibt, und nachher geht’s ans Hufe-Auskratzen.“ Besonders die zwei Mädchen mit speziellem Förderungsbedarf profitierten von diesem inklusiven AG-Angebot. „In der Schule werden so oft kognitive Leistungen abgefragt. Hier spüren sie, dass andere Fertigkeiten gefragt sind. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein“, sagt Anke Käding.

Pferdeäpfe-Einsammeln gehört dazu

Dass auch das Einsammeln der Pferdeäpfel zum Reiten gehört – löst, nun ja, keine überbordende Begeisterung aus. Nicht nur Dilara rümpft angeekelt die Nase, als sie die dampfende Masse per Kehrschaufel zusammenklauben muss. Beim freihändigen Balancieren aber strahlt sie über das ganze Gesicht und nickt heftig, als Gizem vom Turnen auf dem Sattel schwärmt: „Ich habe einfach ein großes Vertrauen in das Pferd. Reiten ist toll!“