Gelungene Integration durch Bildung

Nachdem 66 Jugendliche und junge Erwachsene zum Ende der ersten Hälfte des Schulhalbjahres 2014/2015 bereits ihr Abschlusszeugnis von der Volkshochschule (VHS) erhalten hatten, bekamen jetzt noch vier weitere Teilnehmende den mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife) attestiert. „Ihnen fehlte noch das Ergebnis der Sprachfeststellungsprüfung in ihrer Muttersprache“, erläutert Alexander Cornelius, an der VHS Gelsenkirchen zuständig für die Lehrgänge des Zweiten Bildungsweges.

Jeder dieser Teilnehmenden hat seine eigene Lerngeschichte. Hatice Olgur und Nesibe Han, mittlerweile 30 und 32 Jahre alt, hatten sich vor einigen Jahren bei einem Sprachkurs in Bottrop kennengelernt und beschlossen, gemeinsam ihren Schulabschluss nachzuholen.

Doch die Bildungsvoraussetzungen der jungen Frauen waren denkbar ungünstig. Denn in ihren türkischen Heimatdörfern hatten sie jeweils nur fünf Jahre lang die Schule besucht. Nach intensiven Beratungsgesprächen bei der VHS Gelsenkirchen wurde ihnen nahe gelegt, zunächst Grundbildungskurse zu besuchen, die auf einen späteren erfolgreichen Besuch eines Hauptschulabschlusslehrganges vorbereiten sollten.

Beide verzeichneten dort erhebliche Lernfortschritte, so dass sie bereits nach wenigen Monaten einen solchen Lehrgang aufnehmen konnten. Sie beendeten ihn erfolgreich mit der Erlangung des Abschlusses nach Klasse 9. Trotz der Mehrfachbelastung durch Kinder und Familie entschieden sie sich, weiter die VHS zu besuchen. Sie bekamen dort jetzt das Zeugnis des Mittleren Schulabschlusses.

Beide haben auch schon ganz konkrete Zukunftspläne. Derzeit nehmen sie an einer Bildungsmaßnahme teil, die sie zur Betreuungsassistentin für Demenzkranke ausbildet.

Auch Vasyl Derevyanchenko – 24 Jahre alt – bekam jetzt sein Zeugnis des Mittleren Schulabschlusses. Er verließ Ende 2003 mit seiner Familie die Ukraine. Haupt- und Förderschule verließ er ohne Abschluss. Jetzt erlangte er den Mittleren Schulabschluss. Auch er kann nun schon seine Zukunft planen. Vor einigen Tagen bekam er eine feste Zusage für einen Ausbildungsplatz als Sozialassistent.

Seit zwölf Jahren in Gelsenkirchen

Auch Nadja Arngoldt war erfolgreich. Sie kommt ursprünglich aus Kasachstan und lebt seit zwölf Jahren in Gelsenkirchen. In einem anderen Lehrgangssystem erreichte die 24-jährige an der VHS zunächst den Abschluss nach Klasse 9, dann denjenigen nach Klasse 10. Nach einen weiteren Jahr bekam sie jetzt den Mittleren Schulabschluss attestiert.

Nadja Arngoldt plan für die Zukunft: Sie will sich zunächst um ihre Familie kümmern. Mitten in der Phase der Abschlussklausuren brachte sie nämlich ihr drittes Kind zur Welt.

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