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Gefühl für die Dose entwickeln

03.08.2008 | 14:34 Uhr
Gefühl für die Dose entwickeln

Im Alfred-Schmidt-Haus, wo Graffiti-Künstler Fabian Hörl ausstellt, konnten sich Besucher am Sonntag selbst in Sachen Sprayen versuchen

Mehr als Dutzend Menschen scharen sich um ein Tor am Alfred-Schmidt-Haus an der Bergmannsglückstraße. Wenige Meter neben dem Eingang zu seiner Ausstellung lässt der Graffiti-Künstler Fabian Hörl Jung und Alt den Umgang mit den Spraydosen ausprobieren. Der Lack stinkt, so dass meist nur Hörl und ein „Sprayer” in der Garage stehen.

Draußen raten die übrigen Besucher, was der Akteur gestalten will. Gerade steht Hardy Tannenberg an der Leinwand, die bestimmt drei Meter breit und einen Meter hoch ist. Tannenberg ist selbst Künstler, hat im Februar noch selbst im Alfred-Schmidt-Haus ausgestellt. Offensichtlich entsteht ein Vogel an der Leinwand, so erraten es auch die Umstehenden schnell. Denn Tannenberg hat ein Faible für die Tiere, die durchaus phantastisch anmuten. Hühnergötter nennt er sie, erklärt Kira Schmidt, die Hörls Ausstellung gemeinsam mit ihrer Mutter Monika Schmidt-Brockmann kuratiert.

Graffiti - Workshop im Alfred - Schmidt - Haus Fabian Hörl zeigt Ingrid Ebert die richtige Technik. foto: Nils Aders/HG Buer

Zehn Minuten ist Tannenberg zugange, etwas hektisch sind seine Bewegungen, denn die Farbe kann schnell verlaufen. Ihm hat Hörl – wie jedem anderen – kurz die Grundlagen erklärt: „Wenn du nah mit der Dose 'rangehst, werden die Linien schärfer, aber du musst schneller sprühen.”

„Wie läuft's, Hardy”, kommt die Frage aus der Zuschauerschaft, die staunt, wie gekonnt er Linien zieht. „Es läuft”, antwortet der doppeldeutig. Die Schwerkraft macht vor dem Lack nicht halt.

Nachdem die Eltern anfangs die Kinder vorgeschickt hatten, trauen sie sich nun auch. Ein Frosch, der sich offenbar auch über ein Ende des Rauchverbots freut, eine Sonne und ein Auge entstehen neben dem Hühnergott. Nun bin ich dran. In Ermangelung einer besseren Idee entscheide ich mich, einen Smilie zu sprayen.

Doch zunächst muss ich die „Schutzkleidung” anlegen: ein Hemd, eine Schürze voller Farbe und Handschuhe. „Von der Haut ist der Lack mit viel Schrubben noch abzubekommen”, sagt Hörl, „aber bei der Kleidung ist's fast unmöglich, die Farbe 'rauszukriegen.”

Immerhin ist meine Technik offenbar nicht zu schlecht: Die Linie ist scharf und verläuft nicht. Etwas übermütig setze ich ein Haus mit Apfelbaum daneben. Nicht schnell genug los gelassen: Zu viel Farbe landet auf der Leinwand – und läuft auf den Hühnergott zu. Allerdings ist nicht alles verloren, sagt Hörl und reicht mir die Dose mit Weiß. Ich verschlimmbessere meine Arbeit.

Es macht Spaß – und stinkt. Ich muss erst einmal frische Luft schnappen.

Wie's weiter geht

Aus den ganzen einzelnen Kunststücken gestaltet Hörl demnächst ein Gesamtwerk. „Schließlich gehören die Elemente nicht zusammen und sind unabhängig entstanden. „Ich lasse mich von der Leinwand inspirieren”, sagt Hörl, der sich bisher noch keine Gedanken dazu gemacht hat. „Ich habe ja die ganze Zeit instruiert.” Wenn das Werk aber fertig ist, soll es die Außenausstellung am Alfred-Schmidt-Haus erweitern.

Alexander Becker

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