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Kinder und Tod

Garten erinnert Kinder an den Tod

11.05.2013 | 11:00 Uhr
Garten erinnert Kinder an den Tod
Gemeinsam betten die Kinder der evangelischen Kita in Erle, tote Tiere im Erinnerungsgarten zur letzten Ruhe.Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen-Erle. „Tschüss, ihr kleinen Mäuse!“ Mit ernstem Gesicht nimmt die fünfjährige Aviva ihre kleine Schaufel und bedeckt den Pappkarton mit Erde. Danach schmückt ein Stiefmütterchen die Stelle. Das kleine Mädchen hat soeben im Garten der evangelischen Kita an der Breite Straße drei tote Mäuse beerdigt. Gleichzeitig betten andere Jungen und Mädchen Goldie, den toten Vogel, mehrere tote Fliegen und Wespen im hinteren Teil des Kita-Freigeländes zur letzten Ruhe.

Die Erler Kita ist bereits die zehnte in der Stadt, die über einen „Erinnerungsgarten“ verfügt, in dem Jungen und Mädchen schon früh lernen, mit Tod, Trauer und den dazu gehörenden Ritualen umzugehen. Das Projekt „Kinder, Tod und Lebensfreude“ wurde schon vor gut fünf Jahren von den Gelsenkirchener Friedhofsgärtnern ins Leben gerufen, erklärt deren Geschäftsführer Andreas Mäsing, der den letzten Akt des Projektes, die Einweihung des einem Friedhof ähnlichen Erinnerungsgartens, selbst begleitet.

So feierlich und ernst es bei dem Begräbnis der toten Fundtiere zugeht, es wird auch gelacht. Und das ist für Mäsing ganz wichtig: „Ohne lachende Kinder ist ein Friedhof eigentlich nicht zu ertragen.“

Das Projekt, das in mehreren Wochen in der jeweiligen Kita von der Kultur-Pädagogin Birgit Mattern begleitet wird, hat es sich zum Ziel gesetzt, Kindern den Umgang mit dem Tod zu erleichtern und ihnen Wege zu zeigen, auch mit Trauer und Verlust umzugehen. Zu dem Programm gehört unter anderem ein gemeinsamer Besuch auf dem Friedhof, die Lektüre von Kinderbüchern, die sich mit dem Tod beschäftigen und natürlich die Einbeziehung der Eltern.

So sind auch viele Mütter und einige Väter zur Einweihung des Erinnerungsgartens gekommen. Am Zaun hängen von den Kindern gemalte Bilder, die meist den Friedhofsbesuch, aber auch das Buch „Leb wohl, du lieber Dachs“ verarbeiten. An einer anderen Stelle sind noch einmal die einzelnen Schritte des Projektes dokumentiert, vom ersten Gespräch bis zum Anlegen des Gartens.

Lachend und fröhlich wird das rote Flatterband zerschnitten - und so ist das Erinnerungsfeld offiziell eröffnet. In kleinen Teams werden die Löcher ausgehoben, in die dann die teilweise bunt geschmückten Pappschachteln mit den toten Tieren versenkt werden. Blumenschmuck ziert schließlich die kleinen Begräbnisstätten, an denen noch ein letztes gemeinsames Lied gesungen wird. Danach gibt es - passend zum Anlass – Streuselkuchen.

Peter Marnitz

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2013-05-11 11:00
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