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Zu Besuch im Kleingarten

Frühling ist Arbeits-Zeit

14.04.2010 | 10:52 Uhr
Frühling ist Arbeits-Zeit

Für Kleingärtner hat nun die anstrengendste Phase des Jahres begonnen. Gemüse muss gepflanzt, der Rasen vertikutiert werden und vieles mehr. Ein Besuch im KGV „Erholung-Buer“ .

Glück muss man haben, zumindest im Unglück. Da sieht Wolfgang Anhuths Garten aus wie ein Flickenteppich, die Maulwürfe sind schuld. Doch sein Nachbar hilft: Der hebt in seinem Garten nämlich gerade einen Teich aus, und Anhuth kann den ausgestochenen Rasen haben, um damit die Spuren „seiner“ Maulwürfe zu beseitigen.

Der Frühling ist da und somit auch die Arbeits-Zeit für die vielen Kleingärtner nördlich des Kanals. Ein Besuch in der Garten-Anlage „Erholung-Buer“ zeigt: Ausruhen is’ nicht.

Erich Kölbl etwa steht jeden Tag in seinen Beeten und zupft Unkraut. „Sobald es wärmer wird, exlodiert alles“, sagt der der ehemalige Bergmann, der sich zwischen Hülser und Vinckestraße ein Kleinod geschaffen hat. Bald wird er Gemüse anpflanzen, „die Kartoffeln habe ich schon reingemacht.“ Kölbl freut sich auf den ersten selbstgezogenen Salat, der kommt in drei bis vier Wochen auf den Teller. Auch für Tereija Wedinger ist das eine der schönsten Seiten des Frühjahrs: „Mein eigener Salat schmeckt viel besser als der aus dem Supermarkt. Ich weiß ja, dass in meinem garantiert nichts gedüngt und nichts gespritzt ist.“ Seit 30 Jahren bewirtschaftet sie ihren Garten, sie mag die frische Luft, das Klönen mit den Nachbarn, „was soll man zuhause sitzen?“ Nur auf eines ist sie nicht gut zu sprechen: Gärtnern sei Männerarbeit, sagen die Machos im Kleingartenverein. Von wegen, findet Wedinger: „Die Männer verlegen die Steine und so, aber alles andere mache ich auch. Frauen können genauso gut arbeiten wie Männer auch.“ Frühling und Herbst, das sind für Gärtner die mühevollen Monate. Wedinger wartet auf den Sommer, ihre persönliche Entspannungs-Phase. Doch die meisten fühlen sich erst dann richtig lebendig, wenn sie im Beet hocken. „Für mich ist das Erholung pur“, sagt Wolfgang Anhuth. Er bringt seinen kompletten Garten auf Vordermann, letztes Jahr hat er das Häuschen gestrichen, jetzt die Zäune. Er sei froh, dass es nun wieder losgehe: „Den ganzen Winter habe ich darauf gewartet.“

Wenn all das Gemüse gepflanzt ist, der Rasen vertikutiert und die letzten Reminiszenzen des Winters beseitigt wurden, sind schon die ungebetenen Gäste im Anmarsch. Schnecken sind bekanntlich die Feinde eines jeden Gärtners, denn Löcher stehen Blättern schlecht. Über Lösungen des schleimigen Problems diskutieren sie auch in diesem Jahr wieder, in „Erholung-Buer“ wie anderswo. Erich Kölbl räumt mit Schnecken und Gerüchten gleichermaßen auf: „Die Bierfalle bringt überhaupt nichts. Der Geruch lockt nur die Viecher aus den Nachbargärten an.“ Wirksamer sei Tereija Wedingers Methode: Die sammelt die Tiere von Hand auf, wirft sie in einen ausrangierten Blumenpott und kippt Salz drauf: „Dann bleibt von den Schnecken nichts übrig.“

Natürlich sind die Gärtner nicht nur zum Malochen, sondern auch zwecks Erholung in ihrer Parzelle. Wolfgang Anhuth etwa stößt mit seinen Helfern und Kumpels nach getaner Arbeit an - in der eigenen Privat-Kneipe. Die hat er sich in seine Laube eingebaut, Theke, Musikanlage und Fernseher inklusive. Das Bier kommt zwar aus der Flasche, ist aber gut gekühlt. Wenn WM ist, sitzen sie hier zusammen, schauen Fußball und grillen dabei. Manchmal ist die kleine Terasse brechend voll. Das, sagt Anhuth, ist kein Widerspruch: Party und Kleingarten. „Die Älteren fahren alle abends um acht nach Hause. Die stören sich also nicht an lauter Musik.“

Jonas Erlenkämper

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