Fährunglück beendete einen fröhlichen Sonntag

Pastor Martin Lohoff segte zusammen mit Pfarrerin Elga Zachau den Gedenkstein, der am Fuß der Münsterstraßenbrücke steht.
Pastor Martin Lohoff segte zusammen mit Pfarrerin Elga Zachau den Gedenkstein, der am Fuß der Münsterstraßenbrücke steht.
Foto: Thomas Gödde
Was wir bereits wissen
  • 21 Menschen kamen 1946 ums Leben, als eine Kanalfähre kenterte
  • Daran erinnert ein Gedenkstein, der jetzt eingeweiht wurde
  • Idee dazu geht auf Steinmetz Konrad Herz zurück

Gelsenkirchen-Erle/-Bismarck..  21 Namen sind in den dunkelgrauen Gedenkstein geschlagen, der am Mittwochvormittag am Nordufer des Rhein-Herne-Kanal am Brückenfuß der Münsterstraße eingeweiht wurde. Sie stehen für 21 Kinder, Frauen und Männer, die am 7. April 1946 ihr Leben verloren. Gerade noch hatten sie die Behelfsfähre betreten, im nächsten Moment gerieten die Pontons in Schieflage und die Fahrgäste stürzten ins Wasser.

Es muss ein Sonntag mit Aussicht auf Freude und Ausgelassenheit gewesen sein. Der Krieg war vorbei, trotz aller Entbehrungen wollte man fröhlich sein. „Auf dem Wildenbruchplatz fand die Osterkirmes statt und auch ein Fußballspiel muss es gegeben haben“, erinnert sich Hasso Baetz (87), der damals als 17-Jähriger als Fährmann tätig war, am Tag der Katastrophe aber dienstfrei hatte.

Plötzlich trieben Menschen auf dem Wasser

„Wir kamen aus Erle, wollten nach Wattenscheid, um Verwandte zu besuchen“, berichtet Christel Klein (74). Aus den Erzählungen der Familie weiß sie, dass sie, die damals Dreijährige, mit Mutter, Schwester und Onkel unterwegs war, um das andere Kanalufer zu erreichen. Alles strömte auf die Fähre, ging nach hinten durch, ohne sich auf der Fläche gleichmäßig zu verteilen. Da neigte sich die Fähre zur Seite, die Katastrophe nahm ihren Lauf. Christel Klein: „Plötzlich hat alles geschrien, sah man Menschen auf dem Wasser treiben.“ Sie selbst hatte Glück: Sie wurde zwar unter Wasser gedrückt, aber der feste Griff ihrer Mutter bewahrte sie vor dem Ertrinken.

Unglück bleibt unvergessen

„Bis heute haben die Gelsenkircherinnen und Gelsenkirchener dieses Unglück nicht vergessen. Weil sie Augenzeugen waren und sich selbst nur mit Mühe retten konnten. Oder weil sie Opfer kannten“, sagte Oberbürgermeister Frank Baranowski bei der Einweihung des Gedenksteins. In seiner Rede machte er die historische Dimension dieses Ereignisses deutlich, das man als Folge des Zweiten Weltkrieges einordnen kann. Denn die Nationalsozialisten hatten „verbrannte Erde“ hinterlassen und Brücken über den Kanal gesprengt, um das Vorrücken der Alliierten zu verhindern. Wie wichtig die Fähre für die Verbindung zwischen Bismarck und Erle war, mag diese Zahl verdeutlichen: In den zweieinhalb Jahren ihres Betriebs beförderte sie acht Millionen Personen. „Rund um die Uhr, im Drei-Schicht-Betrieb“, wie Hasso Baetz weiß.

Dank an Konrad Herz

Dass die Erinnerung an das Unglück nicht verblasst, dafür hat Steinmetz Konrad Herz gesorgt, der die Idee von einem Gedenkstein auch in die Tat umsetzte. „Dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken“, so Baranowski.