Evangelische Beratungsstelle hilft beim Entschleunigen

Was wir bereits wissen
Wenn man Probleme hat, hilft es oft, darüber zu reden. Nicht immer reichen da Partner, Familie, Freunde aus. Hilfe bietet seit 40 Jahren die „Evangelischen Beratungsstelle für Ehe- und Lebensfragen sowie Schwangerschaftskonfliktberatung“.

Gelsenkirchen-Buer.. Wenn man Probleme hat, hilft es oft, darüber zu reden. Nicht immer aber reichen der Partner, die Familie, Freunde als Ansprechpartner aus. Eine Möglichkeit ist dann der Besuch der „Evangelischen Beratungsstelle für Ehe- und Lebensfragen sowie Schwangerschaftskonfliktberatung“. Seit nunmehr 40 Jahren sind die Mitarbeiter in Buer aktiv, haben in dieser Zeit beachtliche 90 000 Beratungen geleistet.

„Durch dieses umfassende Angebot haben wir es mit vielen Themen zu tun, können oftmals helfen – das macht einfach Spaß“, erklärt Pfarrer Ulrich Knudsen, einer der Berater. Auch wenn die Menschen sich natürlich in schwierigen Lebenslagen befinden, wenn sie sich an die Beratungsstelle wenden.

Weit mehr als Seelsorge

Sie ist zum einen Ansprechpartner für die Schwangerschaftskonfliktberatung. Dabei geht es nicht darum, die Frau mit allen Mitteln zu überzeugen, das Kind auszutragen. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, einen Schutzraum zu schaffen für die Frau, in dem sie eigenverantwortlich entscheiden kann. Unser Grundsatz ist: mit der Frau, nicht gegen sie.“ Heike Lorenz, die Einrichtungsleitung, ergänzt: „Die Beratung ist völlig wertfrei und offen.“ Das überrascht die Frauen oft, weiß Irmhild Grootens: „Die Frauen sind oft sehr erleichtert, dass genau dieser Druck, sie überzeugen zu wollen, nicht da ist.“

Situation klären

Zu welcher Entscheidung ein solches Beratungsgespräch geführt hat, wissen die Mitarbeiter selten. Es sei denn, die werdende Mutter kommt wieder, nimmt die Schwangerenberatung in Anspruch. Hier können etwa mit Hilfe der Berater Anträge auf finanzielle Unterstützung bei der „Bundesstiftung Mutter-und-Kind“ gestellt werden. Eine Hilfe, die viele Mütter in Gelsenkirchen benötigen. „Im vergangenen Jahr kamen 17 Prozent der Schwangeren mit der Bitte um Unterstützung zu uns. Das sagt schon viel aus über die sozialen Verhältnisse in unserer Stadt“, so Knudsen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit im Haus der Diakonie an der Urbanusstraße ist die Ehe- und Lebensberatung. Hier ist man quasi Ansprechpartner für alles. Auch wenn sich im Gespräch zeigt, dass eine Vermittlung an andere Stellen nötig ist. „Wir sehen im Erstgespräch ein Klären der Situation“, erklärt Knudsen.

Endlich durchatmen

Gerade in diesem Bereich sind die Fälle facettenreich. Mal sucht eine Mutter weiter Unterstützung, die schon in der Schwangerschaftsberatung war. „In einem Fall betreue ich die Mutter seit zwölf Jahren“, berichtet Irmhild Grootens. Dann liegen bei einem Paar um die 70 Jahre verschiedene Eheprobleme vor. Man will sich scheiden lassen. „Auch da sind wir Ansprechpartner“, versichert Ulrich Knudsen, der erklärt, man leiste mehr als früher, als man sich ratsuchend an den Pfarrer wenden konnte. „Das geht weit über die Seelsorge hinaus.“ Wobei diese, im Wortsinne, sehr wichtig ist. „Hier bei uns wird etwas entschleunigt. Hier kann man durchatmen und zu sich finden.“