Erinnerungen mit Tiefgang
23.01.2008 | 20:17 Uhr 2008-01-23T20:17:30+0100Kira Schmidt las aus dem Buch "Unter Tage"ihres verstorbenen Vaters Alfred Schmidt
Leichter Nieselregen färbt die Zechenhäuser der Bergmannsglückstraße in ein schmutziges Grau. In den Räumen der Alfred-Schmidt-Galerie ist von diesem Grau allerdings nichts zu spüren. "Der besondere Reiz liegt darin, durch das Buch, meinen Vater selbst sprechen zu lassen", sagt Kira Schmidt stolz und blickt in den Kreis der Zuhörer, die zu dieser ersten Lesung in die Galerie des Alfred-Schmidt-Hauses gekommen sind.
Die junge Journalistin liest aus dem Buch "Unter Tage - Bilder und Texte aus einer Grube" vor, das ihr Vater Alfred Schmidt bereits im Jahr 1977 veröffentlicht hat. Jetzt, 15 Jahre später, haben Kira Schmidt und ihre Mutter Monika Schmidt-Brockmann die letzten 700 Exemplare aus den Beständen des Verlages der Sternbuchhandlung Marl aufgekauft, um ein weiteres Stück der Geschichte von Alfred Schmidt zu erhalten.
Die 144 Seiten des Buches sind eine Sammlung aus 28 frühen Zeichnungen und einer Auswahl an Gesprächen, die der Künstler zwischen 1975 und 1977 auf der Marler Zeche Augusta Victoria mit den Bergleuten geführt hat. Von "Gesprächen über den ersten Strich" handelt auch der Abschnitt, den Kira Schmidt vorliest. Besonders die philosophische, bildstarke Sprache, mit der Alfred Schmidt das Erlebte beschrieb, beeindruckt die Zuhörer.
"Dabei war es zu Beginn gar nicht so einfach, das Vertrauen der Kumpel zu gewinnen", erzählt Monika Schmidt-Brockmann. Anfänglich hätten die misstrauischen Kumpel angenommen, Alfred Schmidt sei der Neffe des Arbeitsdirektors und habe von diesem den Auftrag bekommen, sie auszuspionieren. "Ein halbes Jahr lang hat es gedauert, bis das Vertrauen dann hergestellt war", sagt sie weiter. Später wurde der Künstler zu einem wichtigen Vertrauten der Kumpel. Kira Schmidt, selbst Autorin ("Kicker, Kumpel, Kohlrouladen. Ein Buersches Bergbau-Lesebuch") möchte mit dem Verkauf und der Lesung des Buches die Menschen der Region an das Leben und die Arbeit ihres Vaters erinnern. Weitere Aktivitäten rund um das Alfred-Schmidt-Haus sind bereits in Planung.
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