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Entschleunigung im Unterricht

14.01.2012 | 08:00 Uhr
Entschleunigung im Unterricht
Bild : Thomas Schmidtke / waz

Gelsenkirchen-Buer. Turbo-Abitur hin oder her: Auch an einem Gymnasium können Schüler die Langsamkeit entdecken – wie am Max-Planck-Gymnasium (MPG) und Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium (AvD). Dort erproben Lehrer seit Beginn des Schuljahres 2011/12 die 90-Minuten-Unterrichtsstunde. Mit Erfolg: „Die Einführung der Doppelstunde hat zu einer echten Entschleunigung des Unterrichts beigetragen“, sagt MPG-Leiter Reinhard Linnenbrink.

Die große Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer ziehe in den letzten Wochen des ersten Schulhalbjahres eine positive Bilanz, erklärten Linnenbrink und Friedrich Schenk (AvD) auf WAZ-Anfrage. „Wir haben mehr Zeit für kooperative Arbeitsformen wie Gruppen- und Partnerarbeit, was die Qualität des Unterrichts deutlich steigert und ihn effizienter macht“, so Linnenbrink.

Ein großer Vorteil der 90- gegenüber der 45-Minuten-Stunde sei auch, dass die Lehrer nun mehr Möglichkeiten zur Binnendifferenzierung hätten, um etwa lernschwächere Schüler mit anderen Unterrichtsmaterialien zu versorgen als lernstärkere. „So können Schüler individueller gefördert werden.“

Etwas zurückhaltender in der Beurteilung seien Fremdsprachen-Lehrer, räumen Schenk und Linnenbrink ein. „Sie sehen die Gefahr, dass die geringere Häufigkeit des Unterrichts die Einübungsmöglichkeiten mindern könnte. Konnten sie früher vier Mal in der Woche Hausaufgaben aufgeben, so ist dies heute wegen des Doppelstunden-Rhythmus nur noch zwei Mal möglich“, so Linnenbrink.

Und die Schüler selbst? „Unser Eindruck ist, dass der neue Rhythmus auch bei ihnen besser ankommt. Sie können auf den Unterrichtsstoff gelassener zugehen“, meint der MPG-Leiter. Auf die bisherige 5-Minuten-Pause zwischen den 45-Minuten-Stunden müssten die Kinder und Jugendlichen auch nicht verzichten, so dass Ermüdungserscheinungen wegen 90-minütiger Dauerkonzentration nicht zu verzeichnen seien.

Beide Gymnasien wollen das Pilotprojekt auch im zweiten Halbjahr fortsetzen und kurz vor Ende der Sommerferien eine endgültige Entscheidung treffen. Das Experiment beruht auf Freiwilligkeit: Während das AvD das neue Zeitmodell nur im Jahrgang 5 erprobte – es hatten sich Lehrer in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathe, Kunst und Religion gemeldet –, hatte das MPG die Doppelstunde in verschiedenen Fächern der Klassen 5 bis 10 eingeführt; auch dort war die 90-Minuten-Stunde nicht verbindlich. Das letzte Wort hat die Schulkonferenz, zusammengesetzt aus Lehrern, Eltern und Schülern.

Christiane Rautenberg


Kommentare
16.01.2012
11:42
Reform der Pausenerholung nötig
von somjotien | #1

Die Erholung um für Neues aufnahmebereit zu sein, ist bei Kindern im Alter von 10 Jahren bereits nach 20 Min. nötig. Bei Heranwachsenden liegt die Zeit bei 30 Minuten. Das ist bereits seit über 30 Jahren bekannt. Auch sollte die Pause gezielter genutzt werden. Zum Beispiel so: "Atmen Sie dann tief durch. Schließen Sie auch gern die Augen. Legen Sie die Hände in den Schoß." Dass bewußtes (tiefes) Bauchatmen hilft, haben Konzepte im Zusammenhang mit Bewegter Schule eruiert. Auch das ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Umgesetzt wurde davon nichts. Die Schulen gleichen immer noch den Konzepten aus der Gründerzeit; egal, ob die Schulpolitik in CDU- oder SPD regierten Ländern verzapft wird.

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