Ellen Schostok lernt unbeschwerter lachen in Ghana

Loser Familienanschluss inlusive: Ellen Schostok (2.v.r.) mit Mitgliedern ihrer Gastfamilie und ihrer Mit-Freiwilligen.
Loser Familienanschluss inlusive: Ellen Schostok (2.v.r.) mit Mitgliedern ihrer Gastfamilie und ihrer Mit-Freiwilligen.
Foto: ANB
Was wir bereits wissen
Kein fließendes Wasser, alle paar Tage Stromausfall: Ein Fünf-Sterne-Hotel sieht anders aus. Und doch möchte Ellen Schostok (19) aus Erle gerade an keinem anderem Ort leben als eben dort: in Nankese in Ghana, wo sie ein Freiwilliges Auslandsjahr absolviert.

Gelsenkirchen-Erle..  Kein fließendes Wasser, alle paar Tage Stromausfall und Essen „von super lecker bis absolut eklig“: Ein Fünf-Sterne-Hotel sieht anders aus, sollte man meinen. Und doch möchte Ellen Schostok (19) aus Erle gerade an keinem anderem Ort leben als eben dort: in Nankese nahe Koforidua in Ghana, wo sie seit August 2014 ein Freiwilliges Auslandsjahr absolviert. Mangelnder Komfort hat sie nicht abhalten können, ihrem Traum ein Stückchen näher zu kommen – Entwicklungshelferin zu werden.

Nach dem Abi-Stress erstmal „abzuhängen“ im Grübeln über berufliche Perspektiven, kam für die Abiturientin des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums nicht in Frage. „Ich wollte mehr von der Welt sehen, mir über meine Zukunft Gedanken machen und etwas Gutes tun“, begründet sie ihre Motivation, sich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Mecklenburg-Vorpommern um einen Auslands-Freiwilligendienst zu bewerben. Vor Ort ist die ghanische Organisation Agricultural and Rural Development Association (ARA) für die Freiwilligen verantwortlich.

Als Weiße in der Minderheit

„Hier ist es die meiste Zeit eher tropisch und sehr schwül“, berichtet sie von dem ersten – klimatischen – Kontrastprogramm, um dann von einem zwischenmenschlichen zu erzählen: „Man erfährt hier am eigenen Leib, wie es ist, die Minderheit zu sein und sich auch manchmal diskriminiert zu fühlen“, berichtet sie über ihren Alltag als „Obruni“, als Europäer eben.

Ellen Schostok ist mit einer weiteren Freiwilligen als Lehrerassistentin in einem Komplex aus Schule und Waisenheim in Suhum eingesetzt, wo sie gemeinsam sieben-, achtjährigen Vorschülern bei ihren Aufgaben helfen oder diese im Anschluss korrigieren.

Große Hilfsbereitschaft

„In den Pausen gehe ich dann in die Krabbelgruppe, wickle, füttere die Kinder oder spiele mit den Ein- bis Dreijährigen.“ Nach Schulschluss basteln oder malen die jungen Frauen mit den Waisenkindern oder helfen der Heimmutter bei der Hausarbeit.

„Abendessen gibt’s um 17 Uhr, ins Bett gehen wir um 20 Uhr, dazwischen wird gelesen, Tagebuch geschrieben oder auf dem Laptop ein Film geguckt.“ Am Wochenende geht’s an den Strand oder zum Sightseeing in Nachbarstädte – das genießt die 19-Jährige besonders. Untergebracht sind die Zwei im selben Zimmer bei einer Gastfamilie.

Dass der Kontakt zu dieser eher lose ist, sie sich ihre Arbeit oft selbst suchen muss und von vielen Ghanaern als Weiße gerne nicht nur bestaunt, sondern auch mal angefasst wird: „Damit komme ich ziemlich gut zurecht.“ Worüber sie sich immer wieder freut, ist die „wahnsinnige Hilfsbereitschaft“ der Menschen dort, „die einem einfach mal ein Essen schenken; generell wird hier viel mehr gelacht als in Deutschland“, schätzt sie den Grundoptimismus der Ghanaer.