Elisabeth Finke hilft beim Trauern

Will Denkanstöße geben und helfen, trotz des Verlusts weiterzuleben: Elisabeth Finke aus Erle, ehrenamtliche Trauerbegleiterin bei den Johannitern.
Will Denkanstöße geben und helfen, trotz des Verlusts weiterzuleben: Elisabeth Finke aus Erle, ehrenamtliche Trauerbegleiterin bei den Johannitern.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Tod und Sterben gehören zu ihrem Alltag als Krankenschwester auf der Intensivstation. Trotzdem beschäftigt sich Elisabeth Finke (59) auch in ihrer Freizeit mit den großen Fragen des Lebens – als ehrenamtliche Trauerbegleiterin bei den Johannitern.

Gelsenkirchen-Erle..  Hoch hüpfen und tief fallen: Als Krankenschwester auf einer Intensivstation kennt Elisabeth Finke (59) beide Extreme. Da wäre es nur allzu nachvollziehbar, wenn sie in ihrer Freizeit mit den großen Fragen des Lebens nichts mehr zu tun haben wollte – fröhlich, wie sie eigentlich immer ist. Doch das Gegenteil ist der Fall: Sie betreut als ehrenamtliche Trauerbegleiterin bei den Johannitern Erwachsene, die ihren Partner oder ein Kind verloren haben. „Eine Entscheidung aus dem Glauben heraus; denn ich setze darauf, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht.“

2011 war es, als sie durch einen WAZ-Artikel auf ein Ausbildungsangebot der Johanniter zur Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen aufmerksam wurde. „Das Thema Tod und Sterben hat mich schon immer stark beschäftigt. Als Mutter von vier Kindern wollte ich einfach denen helfen, die mit der Endgültigkeit dieser Situation besondere Schwierigkeiten haben“, so ihre Motivation.

Kinder trauern anders

„Kinder trauern anders.“ Ihre Trauerarbeit bestehe oft aus Spielen, Malen, Schreien und Toben, nicht unbedingt aus Worten und Weinen. „Wichtig ist, die Kinder und deren Gefühle so anzunehmen, wie sie sind.“ Gelegenheit, dies in der Arbeit mit Kindern umzusetzen, bekam sie allerdings nicht. Ihre neue Pflegetochter, die sie seit zwei Jahren betreut, benötigte selbst die Hilfe der Lacrima-Trauergruppe der Johanniter. „Da verbot es sich natürlich, dass ich die Gruppe leite. Deshalb biete ich den Vätern oder Müttern dieser Kinder Trauergespräche an.“

Denn: „Um den Kindern das Herz nicht zusätzlich schwer zu machen, sprechen die Erwachsenen nicht über den Tod des anderen Elternteils oder des Geschwisterkindes. Umgekehrt machen das die Kinder genauso. So unterdrücken sie ihre eigene Trauer“, hat Elisabeth Finke festgestellt.

Ehrenamt erfüllt

Wie fühlt sich das Gefühl im Bauch an nach dem Tod, womöglich gar Suizid des Partners? Dominiert Fassungslosigkeit, Trauer oder Wut darüber, mit den Kindern jetzt alleine dazustehen? Während nebenan im Raum eine Kollegin mit den Kindern malt, Ausflüge wie Reiten- oder Kletter-Aktionen unternimmt, versucht Elisabeth Finke – eben keine klugen Ratschläge zu geben. Zuzuhören, Gedankenanstöße zu geben: Das ist ihr Part.

„Viele schämen sich zu weinen. Dabei schämt man sich ja auch nicht zu lachen“, sagt die 59-Jährige und betont: „Was belastet, muss raus. Es geht schließlich darum, das Leben weiterzuleben, ohne an diesem Verlust zu zerbrechen“, sagt sie und regt dazu an, schon Kinder mit dem Thema Tod und Sterben vertraut zu machen, sie etwa mit auf die Beerdigung von Oma oder Opa zu nehmen. „Wer schon früh mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert wird, dem fällt der Umgang damit auch als Erwachsener leichter.“

Was sie selbst von diesem Ehrenamt hat? „Es erfüllt mich ungemein und hilft mir, meine Erfahrungen zu reflektieren und auch mit eigenen Verlusten besser umzugehen.“