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Einmal volltanken, bitte!

18.02.2010 | 07:32 Uhr
Einmal volltanken, bitte!

Im Zentrum der spirituellen Kulturtankstelle St.-Urbanus-Kirche steht der „Nothelfer“ Bruder Jordan Mai. Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Vorhaben in der St.-Mariä-Himmelfahrtskirche wurde allerdings zurückgezogen.

Und da waren’s nur noch zwei: Nachdem die katholische Mariä-Himmelfahrts-Gemeinde Buer aus dem Projekt „spirituelle Kulturtankstellen“ im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres Ruhr.2010 ausgestiegen ist, verbleiben im Stadtnorden die Siebenschmerzenkapelle im Westerholter Wald (WAZ berichtete) und die Propsteigemeinde St. Urbanus mit ihren Angeboten, geistig und geistlich aufzutanken.

„Wir sind aus zeitlichen Gründen ausgestiegen“, erläutert Pater Christian Böckmann. Die Gemeinde will ihre rund 700 Jahre alte Pietà-Figur aus der heimischen Klosterkapelle besser präsentieren und sie dafür von ihrem bisher eher unscheinbaren Standort an der Wand mehr ins Zentrum des Raums rücken – auf einer (noch zu fertigenden) Sandsteinstele. „Um an der Kulturtankstellen-Aktion mitzuwirken, hätten wir die Pietà bereits im Herbst 2009 an ihrem endgültigen Standort platzieren müssen, damit rechtzeitig Fotos für die Flyer vorgelegen hätten. Wir wollten unser Vorhaben aber nicht übers Knie brechen“, so Pater Christian.

Ein Problem wäre auch die Notwendigkeit erweiterter Öffnungszeiten gewesen, sagt der Geistliche. Bislang ist die Klosterkapelle der Serviten nur mittwochs für die heilige Messe um 19 Uhr geöffnet.

Angesichts der „ungeheuren Dichte von fünf Kulturtankstellen in Gelsenkirchen“, so Böckmann, sei der Ausstieg von Mariä Himmelfahrt allerdings „nicht allzu bedauerlich“, zumal das Projekt nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sei: In einigen Wochen soll die Stele fertiggestellt sein und der Mutter-Gottes-Figur mehr Aufmerksamkeit sichern. Die Propsteigemeinde St. Urbanus steckt derweil mitten in den Vorbereitungen für ihr Angebot im Rahmen der „spirituellen Kulturtankstellen“. Im Zentrum soll Bruder Jordan Mai (1866-1922) stehen, der in Buer geboren wurde und in Scholven aufwuchs, bevor er 1894 dem Franziskaner-Orden beitrat und als fürbittender „Nothelfer“ bekannt wurde.

„Schon seit Beginn des Jahres haben wir begonnen, in der Kirche Material zu Leben und Wirken Bruder Jordans auszulegen“, berichtet Magdalene Beer (68), die das Projekt mit ihrem Mann Gottfried (72) maßgeblich betreut. „In vier Wochen hatten wir bereits über 50 Bücher verkauft, die dort in Französisch, Englisch, Portugiesisch und Ungarisch ausliegen. Ein ungarisches Exemplar war als erstes verkauft“, freut sich die Bueranerin.

Am ersten Wochenende der Fastenzeit (20./21. Februar) ist zudem eine Reihe von Predigten zu Bruder Jordan Mai geplant. Dazu hat die Gemeinde den Franziskaner-Pater Dietmar Brüggemann aus Dortmund eingeladen, wo Bruder Jordan seine letzten Lebensjahre verbrachte und starb; er soll Gott nach einem Tabernakel-Raub durch Unbekannte sein Leben als Sühneopfer angeboten und seinen eigenen Tod vier Wochen später vorhergesagt haben. Dem Bueraner wurde 1991 vom Vatikan der offizielle Titel „verehrungswürdiger Diener Gottes“ verliehen. „Für die Seligsprechung fehlt nur noch ein Wunder“, sagt Magdalene Beer.

Pünktlich zum Start als „spirituelle Kulturtankstelle“ sollen auch die Kulturhauptstadt-Flaggen vor dem Haupteingang der Kirche und dem Eingang mit der Rampe wehen, so Magdalene Beer. „Wir denken darüber nach, die Kirche Samstagmittag zu öffnen und Passanten vor dem Gotteshaus anzusprechen und sie so auf die Aktion aufmerksam zu machen.“ Weitere Details für das ganzjährig geplante Projekt stehen noch nicht fest; der Gemeinderat von St. Urbanus soll mit in das Vorhaben eingebunden werden.

Kulturtankstellen: Schätze heben

Einmal volltanken bitte für Geist und Seele: Darum kreist das Angebot der „spirituellen Kulturtankstellen“ im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres Ruhr.2010. Ziel des ganzjährigen Angebots ist es, „spirituelle Schätze zu heben“, die sich auf den spezifischen Ort und die damit verbundene Geschichte beziehen, so die Veranstalter von Ruhr.2010. Die Projekte sollen über 2010 hinaus weitergeführt werden.

Christiane Rautenberg

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