Eine weiße Linie teilte den Schulhof
02.04.2009 | 18:19 Uhr 2009-04-02T18:19:00+0200I-Männchen der heutigen Regenbogenschule treffen sich 60 Jahre nach der Einschulung.
In der Regenbogenschule wundern sich die Kinder über ihre „neuen” Mitschüler: Irgendwie sind sie nämlich deutlich älter als alle, die sonst die Klassenräume bevölkern. Kein Wunder, denn die rund 30 Erler, die am Mittwochnachmittag die alte Wirkungsstätte besichtigten, wurden vor genau 60 Jahren eingeschult.
„Wir hatten vor zwei Jahren unser Treffen zur Gold-Konfirmation”, berichtet Hans von der Forst, der das Revival gemeinsam mit Margret Dietz organisierte. „Und da dachten wir: Hey, in zwei Jahren jährt sich der Tag unserer Einschulung, und ein I-Männchen-Treffen zum 60-Jährigen hat bisher noch niemand gemacht.”
Um die alte Wirkungsstätte noch einmal zu begutachten, nahmen die gebürtigen Erler mitunter lange Anfahrtswege in Kauf, da es einige der Mitschüler mittlerweile in alle Winde verstreut hatte. Die größte Distanz brachte eine Erlerin, die mitlerweile in Stuttgart lebt, auf sich. Andere kamen aus Wetzlar, Hamm, Pulheim, Düsseldorf, Neheim-Hüsten und vom Möhnesee an die Schulstraße. Da wurden natürlich Erinnerungen wach. Einige hatten alte Klassenfotos mit, und los ging das Ratespiel, wer wer ist. „Das hier ist die, äh, Höffner, glaube ich, aber wie der hier heißt... keine Ahung”, rätselt eine Ex-Schülerin.
Verdenken kann man den Erlern gewisse Gedächnislücken in Bezug auf die ehemaligen Klassenkameraden nicht, schließlich waren vor sechzig die Klassen ungleich größer als heute. „Als wir nach der achten Klasse entlassen wurden, waren wir zuletzt mit 54 Leuten in einer Klasse”, erinnert sich Hans von der Forst. „Das wäre heute völlig undenkbar.”
Aber auch die Schule selbst hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kräftig verändert, wie alle sofort feststellen. Damals zierte das gebäude nämlich kein Regenbogen, keine muschelförmige Bühne stand auf dem Schulhof.
„Stattdessen verlief hier eine weiße Line quer über den Asphalt”, so von der Forst. „Die teilte das Schulgelände in einen Bereich für Katholiken und einen for Protestanten.” Fast irische Verhältnisse könnte man meinen, zumal „Grenzüberschreitungen” rigide bestraft wurden. „Die Katholiken mussten damals dann immer zehn Vater Unser und fünf Ave Maria beten”, lacht von der Forst.
Im Anschluss an die Schulbesichtigung saß die 30-köpfige Gruppe noch auf dem Wolterhof bei Kaffee und Kuchen zusammen, um über alte Zeiten und das, was in der Zwischenzeit passiert ist, zu plauschen. Gesprächsstoff dürfte es genug gegeben haben.
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