Ein Leben für die Natur
02.07.2010 | 17:51 Uhr 2010-07-02T17:51:00+0200
Buer.Es ist ein bisschen wie bei Peter Lustig. Vieles ist Marke Eigenbau, an etlichen Stellen laden handgearbeitete „Hotels“ tierische Untermieter zum Verweilen ein. Auch dort in Resse steht ein Bauwagen, aber die eigentliche Kulisse ist die frühere Kantine der Zeche Hugo Ost. Hier ist das Quartier des Pfadfinderstamms Wulfila. Und hier praktiziert und lebt dessen Leiter Dr. Hauke Holdefleiss.
Sein Leben hat der 42-Jährige ganz und gar der Natur verschrieben. Mit den Pfadfindern hegt und pflegt er den renaturierten Zechenstandort, bietet Igeln im Winter einen Schlafplatz im „Igelhotel“ und lädt wilde Bienen und Wespen ein, in löchrigen Baumscheiben zu verweilen. An der Wand des Quartiers sind etliche größere Nester aufgehängt. „Hier versuchen wir, Mehlschwalben anzusiedeln.“ Dabei ist allerdings Geduld gefragt. Und auch der Nistkasten für den Baumläufer am Stamm gleich gegenüber wird noch nicht ideal genutzt. „Es dauerte keine zwei Minuten, da saß eine Meise darauf und ist eingezogen.“
Links um die Ecke öffnet sich ein kleiner Garten. Eine Kellertreppe führt zur Kleintierpraxis von Hauke Holdefleiss. Denn der Mann mit dem Herz für die Natur ist Tierarzt. „Ich bin als kleiner Dötz schon im Wald unterwegs gewesen. Und meine Familie stammt von der Landwirtfamilie Schalke ab. Ich war häufig auf dem Bauernhof, früher. Und nach dem Abitur habe ich dann zwei Jahre Landwirt gelernt“, erinnert sich Holdefleiss, der danach seine Passion, die Tiermedizin, für sich entdeckte. Nach dem Studium behandelte er zunächst Kühe und Schweine, verlegte sich dann aber auf Kleintiere.
Gegenüber der Treppe zur Praxis steht ein Zaun. An ihm hängen etliche Blumenkästen. Doch blühen tut hier nur der Schnittlauch. Die Kästen dienen als Gemüsebeete im Miniaturformat. Hier zieht Hauke Holdefleiss Kohl, Karotten und Kräuter. „Das ist das Beste gegen Kaninchenfraß.“
Seit er ein kleiner Junge war, ist der Gelsenkirchener Pfadfinder. „Mein erstes Zeltlager war 1977“, weiß er heute noch auswendig. „Mit vierzehn habe ich für zwei Jahre ausgesetzt. Das ist normal, in der Pubertät. Und mit 16 Jahren habe ich diese Pfadfindergruppe gegründet.“ Damals war die noch Teil einer anderen Gruppe. Doch seit 1991 ist der Stamm Wulfila selbstständig. „Bis 1996 trafen wir uns in den alten Remisen von Schloß Berge. Als die abgerissen wurden, brauchten wir schnell etwas Neues.“ Weil der Vater einst Fahrsteiger auf Hugo Ost war, dachte Hauke Holdefleiss schnell an den Standort, der damals nur noch mit halber Kraft betrieben wurde. Das Kantinengebäude stand bereits leer. 1997 konnten die Pfadfinder das kleine Haus im Grünen übernehmen. Und der Tierarzt zog in die kleine Wohnung ein. „Denn nebenher habe ich hier die Hausmeisterfunktion. Ein solches Projekt funktioniert nur, wenn man ständig präsent ist.“
Seither bezuschusst Hauke Holdefleiss die Arbeit der Pfadfinder durch seine Tätigkeit als Tierarzt. Zudem gibt er Seminare für den Sachkundenachweis nach dem Landeshundegesetz und im Rahmen der Jungjägerausbildung. Alles greift hier, auf Hugo Ost, ineinander, ist aufeinander abgestimmt. „Eine Symbiose“, beschriebt Hauke Holdefleiss. „Das ist eine Frage des Lebensinhaltes. Beruf hat etwas mit Berufung zu tun, aber er ist nicht mein einziger Lebensinhalt.“ Einen großen Platz nimmt auch das Pfadfindertum ein. „Das ist nicht nur Idealismus, das ist auch ein Lebensweg.“
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