Ein Kreuzweg markiert das Ende des Gemeindehauses

Ein letztes Mal kam die Gemeinde im Gemeindehause an der  Boeningstraße zusammen.
Ein letztes Mal kam die Gemeinde im Gemeindehause an der Boeningstraße zusammen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Zum letzten Mal kamen Mitglieder der Resser Paulusgemeinde am Gründonnerstag im Gemeindehaus zusammen. Feierlich zogen sie aus und in die Kirche ein. Der Abriss des Gemeindehauses beginnt am 13. April.

Wer in den Saal des Gemeindehauses der Pauluskirche kommt, der muss erstmal schlucken. Die Aura des Abrisses ist bereits zu spüren. Der Saal ist leer, eine Fliese bereits kaputt. Und doch, ein letztes Mal trifft sich hier die Gemeinde um zu beten und zu gedenken.

„Wir haben das Haus schon in den letzten Tagen ausgeräumt und die Teile, die wir erhalten wollen, eingelagert“, so Pastor Peter Schmidt, für den der heutige Abend auch sehr emotional ist. „Natürlich beenden wir dieses Kapitel mit Traurigkeit - aber auch mit der Hoffnung und Zuversicht, dass wir einen Raum finden in der Pauluskirche, wo weiterhin gute Gemeindearbeit möglich ist.“

Immer mehr Menschen kommen an den Ort, wo bislang das Tischabendmahl zu Gründonnerstag stattfand. Ein Gang, der Rosemarie Zurek schwer fällt. „Das ist ganz schrecklich. Wir trauern alle. Das ist als ob wir zu einer Beerdigung gingen“, sagt sie. „Wir sind hier groß geworden, man trifft sich hier. Ob sich die Menschen so intensiv auch in der Kirche treffen, ist fraglich. Das Theaterleben fällt weg. Kein Gemeindemitglied war für den Abriss.“

Die Kirche wieder mehr beleben

Unter den jüngeren Gemeindemitgliedern finden sich dann aber doch welche, die hinter der schweren Entscheidung stehen. „Wir sehen der Veränderung positiv entgegen“, sagt Gerlinde Zelmer. „Das Gemeindehaus ist ja mittlerweile doch marode und alt. Wenn die Kirche jetzt umgebaut wird, wird sie mit der neuen Nutzung mehr belebt.“

Dem pflichtet auch Angelika Kleina bei. „Wenn die Türen dann offen sind, kommt vielleicht auch die Jugend. Natürlich ist es schade, dass das Gemeindehaus abgerissen wird. Aber mit ist lieber, das Haus wird abgerissen und die Kirche wird verstärkt genutzt, als dass man die Kirche verfallen ließe.“

Abriss nach einem guten halben Jahrhundert

Dann beginnt der offizielle Abschied. In einer Ecke des Saales steht ein metallenes Kreuz. Davor ein Tisch mit Brot und Weintrauben darauf. Daneben steht Peter Schmidt und spricht: „Seit der Einweihung im Jahr 1962 hat sich die Gemeinde hier versammelt und getroffen. Und nun müssen wir das Gemeindehaus schließen. Wir wollen Gott um Stärkung und Zuspruch bitten, wollen Danke sagen für die vielen schönen Stunden, die er uns hier geschenkt hat.“

Wenig später zieht sie los, die kleine Karawane. Das Kreuz wird vorweg getragen, Brot und Weintrauben hinterher. Es folgt die Gemeinde. Sie alle gehen heute ihren kleinen, eigenen Kreuzweg. Einen Weg, der erzählt von einem schmerzhaften Ende und einem hoffnungsvollen Neubeginn - immer im Zeichen des Kreuzes, im Zeichen Gottes.