Ein ganz eigenes Erfolgsrezept
10.05.2007 | 00:44 Uhr 2007-05-10T00:44:47+0200Die Buersche Alte Apotheke wird in diesen Tagen 200 Jahre alt. Der heutige Inhaber Gerhard Daniel erzählt, wie stark sich sein Arbeitsplatz verändert hat
Die Buersche Alte Apotheke wird in diesen Tagen 200 Jahre alt. Und mit den Jahren hat sich nicht nur das Inventar, sondern auch der Apothekerberuf gewaltig gewandelt, wie Gerhard Daniel (60), der heutige Inhaber des Traditionsunternehmens, bestätigt.
"Den gravierensten Wandel hat es in den vergangenen 50 Jahren gegeben", sagt er und denkt zurück an die Zeit, in der er seinen Vater Erich an den Arbeitsplatz begleitete. Erich Daniel war 1927 als Mitarbeiter ins Geschäft eingestiegen und hatte die Apotheke später übernommen. "Als ich 1966 hier nach dem Abitur ein Praktikum absolviert habe, wurden noch über 60 Produkte selbst hergestellt, nach hauseigenen Rezepten. So etwas ist heute gar nicht mehr machbar, weil es inzwischen so hohe Auflagen gibt: Wer eigene Produkte herstellt, muss beispielsweise einen Herstellungsleiter einstellen. Das lohnt sich jedoch nur, wenn man in ganz großem Stil produziert", erklärt Daniel und zeigt alte Gefäße, Mörser und Waagen, die damals verwendet wurden.
Ein deutlicher Wandel des Arbeitsalltags habe sich 1958 mit dem Wegfall der Niederlassungsbeschränkung ergeben. "Davor hatten die Apotheker am Ort eine Monopolstellung. Zudem wurde darauf geachtet, dass auch wirklich nur Medikamente verkauft wurden. Als das Bundesverfassungsgericht 1958 die Niederlassungsbeschränkung kippte, schossen Apotheken plötzlich wie Pilze aus dem Boden", erinnert er sich.
"Der nächste gravierende Einschnitt kam mit der Gesundheitsreform 1978. Damals wurden Festpreise bestimmt. Die Apotheker können sich seither nur noch am Markt halten, wenn sie auch noch andere Dinge verkaufen, denn irgendwie müssen sie ihre Apotheken und ihr Personal ja finanzieren." Überhaupt, die Personalzahlen seien deutlich gesunken mit den Jahren. "Diese Alte Apotheke war mit 49 Mitarbeitern mal die viertgrößte Apotheke in Deutschland. Als ich 1976 den Laden von meinem Vater übernahm, arbeiteten hier noch 39 Leute. Heute habe ich nur noch 11 Angestellte, anders ist das Unternehmen nicht mehr zu finanzieren. Denn Medikamente dürfen nur von Apothekern oder Pharmazeutisch technischen Assistenten verkauft werden. Und weil das Personal speziell ausgebildet ist, ist so ein Unternehmen eben sehr kostenintensiv."
Viel verändert habe sich übrigens auch bei der Technik. "Heute sagt einem der Computer sofort, wenn sich zwei Medikamente nicht miteinander vertragen, oder welche Nebenwirkungen es geben kann. Das ist für unsere Arbeit natürlich sehr wichtig. Denn eines ist im Laufe der Jahre konstant geblieben: Wir verstehen uns als Berater unserer Kunden."
Genau damit will Daniel auch in Zukunft punkten. "Es drängen ja immer mehr Internetapotheken oder Filialketten auf den Markt. Da haben traditionelle Apotheken nur noch eine Überlebenschance, wenn sie gezielt auf gute fachmännische Beratung und angenehmes Ambiente setzen.""Früher haben wir viele Produkte selber hergestellt"
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