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Ruhr2010

Ein Fest in Gelb

02.03.2010 | 07:01 Uhr
Ein Fest in Gelb

An 13 Standorten in Buer, Horst und Westerholt sollen im Mai Schachtzeichen gesetzt werden - gelbe Ballons über den alten Bergwerksschächten. Davon gab es im Stadtnorden einstmals 28.

Ganz in Gelb - so sollen sich Mitte Mai die ehemaligen Zechenstandorte bei der „Schachtzeichen-Aktion“  der Ruhr 2010 geben. Im Gelsenkirchener Stadtnorden sind derzeit 13 knallgelbe Ballonstarts geplant.  Die Ballone, 3,70 Meter im Durchmesser groß, werden bis zu 80 Meter hoch schweben und ehemalige Schachtstandorte markieren. Rein theoretisch könnten es ein paar mehr sein.

Denn in Buer und Horst, wo vor über 150 Jahren das Zeitalter des Schwarzen Goldes begann, gab es einst elf Zechenstandorte mit insgesamt 28 Schächten. Da es sich allerdings oft um Doppelschachtanlagen oder sogar um Dreischachtanlagen handelte,   kann sich die Aktion auf 13 Standorte beschränken, wie die Organisatoren im städtischen Kulturreferat betonen. Immerhin werden für die neun Tage andauernde Aktion für jeden der Standorte Paten benötigt, die nicht nur den Ballon steigen lassen und ihn betreuen, sondern möglichst auch Feste und Aktionen durchführen. Und noch sind nicht alle Paten gefunden.

Zu den dreizehn Standorten zählen in Buer vier Hugo-Standorte: Hugo 2/5/8 am Brößweg, Hugo 1/4 an der Horster Straße, Hugo-Ost an der Ressestraße und  Hugo-Nord in Bülse (der ehemalige Wetterschacht Hugo 3 in Sutum ist für die Aktion nicht vorgesehen).

In Erle sind es drei ehemalige Bismarck-Dependancen:  Bismarck 2/6/9 an der Emscherstraße, Bismarck 3/5 an der heutigen Frankampstraße sowie Bismarck 7/8 auf dem Gelände der heutigen Zentraldeponie. In Resse ist es eine Ewald-„Filiale“: Die Schachtstandort Ewald 3/4 an der Ewaldstraße (Im Emscherbruch lag noch Ewald 6, ein Wetterschacht, nicht beteiligt).

In Horst gibt es zweimal Nordstern-Standorte: Nordstern 1/2  in Horst-Süd (jetzt Nordsternpark) und Nordstern 3/4  an der Koststraße (heute BP-Werk).  In Scholven und Hassel gab es drei Zechenstandorte: Scholven 1/2, heute Kraftwerk, Bergmannsglück 1/2 zwischen Biele und Bergmannsglückstraße sowie Westerholt 1/2 auf der Stadtgrenze  Hassel/Westerholt.

Die älteste Zeche im Stadtnorden ist Nordstern: 1855 begannen die Abteufarbeiten, allerdings  wurde erst 1868 wurde die erste Kohle aus der ersten Zeche nördlich der Emscher gefördert. 1873 begann das Abenteuer Kohle in Buer, als das Bergwerk Hugo gegründet wurde. Probebohrungen gab es schon 1850. Während Hugo im Jahr 2000 stillgelegt wurde, lief  Nordstern  nur bis 1993.

Die Bismarck-Zeit nördlich des Kanals begann 1882 mit dem Abteufen eines zweiten Schachtes an der heutigen Auguststraße. 1893 wurde weiter nordöstlich, an der Frankampstraße, ein weiterer  Schacht abgeteuft. Noch weiter Richtung Osten rückte Bismarck mit dem Bau der Schächte 7/8 an der Wiedehopfstraße vor. In Resse ging es mit Ewald 1895 los, die Schächte 3 und 4 wurden gleichzeitig abgeteuft, gingen 1897 in Betrieb, wurden 1996 und 1998 aufgegeben.

Mit dem Abteufen der beiden Bergmannsglück-Schächte begann 1903 die Zeit der Staatszechen: Westerholt 1/2 folgte 1907, Scholven 1/2 schließlich  1908. Während Scholven schon nach dem Krieg nicht mehr förderte und auf Bergmannsglück die Förderung  bereits in den 60er Jahren eingestellt wurde, wurde Westerholt die letzte Zeche in der Stadt, die erst 2008 die Pforten schloss und das Kapitel Bergbau beendete.

Die Aktion Schachtzeichen soll an die Geschichte und die Bedeutung der Zechen für die Stadt erinnern. Die Ballone sollen nicht nur auf die alten Schachtstandorte hinweisen, sondern auch Veränderungen und Wandel markieren, die diese alten Industriestandorte in kurzer Zeit nach ihrer Schließung erlebt haben. Die Schachtzeichen-Ballone sind knallgelb, haben einen Durchmesser von 3,70 Meter und schweben bis zu 80 Metern über den Schächten. Sie sind mit gelben Seilen am Boden verzurrt und haben einen rund 15 Meter langen „Anhang“, der wie eine Stecknadel auf den Schacht zeigen wird.

Georg Meinert

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Kommentare
02.03.2010
13:58
Ein Fest in Gelb
von ulisera | #1

Wäre es nicht besser, anstatt dieser kurzzeitigen, albernen Ballonaktion -die Ballons landen anschließend offenbar auf dem Müll- etwas Dauerhaftes einzurichten: Das Doppelgerüst auf Consol in Bismarck wird auf eine merkwürdige Art illuminiert. Gelegentlich hört man Anspielungen auf das Rotlichtmilieu... Vier vandalismussichere Strahler an der Fundamenten des Förderturmes würden diesem entsprechend Geltung verleihen und bei Regen oder Schneefall ergäben sich im Lichtkegel schöne Effekte. Das Gerüst auf Westerholt wurde leider nicht erhalten. Anstelle dieser flüchtigen Ballonaktion, wäre es interessanter im Stadtgebiet bzw.in der Region einzelne Gerüste denkmalwürdig zu erhalten und das eine oder andere als Landmeile bei Nacht anzustrahlen. Oder müssen wir unsere Geschichte leugnen?

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