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Don Alfredo am Ziel

17.06.2008 | 17:38 Uhr
Don Alfredo am Ziel

Das über 120 Jahre alte Schrankenwärterhaus in Beckhausen ist nicht nur gerettet, sondern ist inzwischen auch renoviert und sein Umfeld neu gestaltet worden.

Glücklich und ziemlich zufrieden lehnt er sich ans Geländer vor seinem Denkmal. „Jetzt ist endlich alles fix und fertig”, strahlt Alfred Konter, der „Don Alfredo” Beckhausens, übers ganze Gesicht. 28 Jahre lang hat er gekämpft, unermüdlich, gegen jeden Rat, manchmal gegen jede Vernunft, und hat am Ende doch Recht behalten: „Sein” Bahnwärterhäuschen bleibt erhalten - „für immer und ewig”. Und nicht nur das: Hübsch zurecht gemacht wurde es in den letzten Monaten, das ganze Drumherum aufgepeppt. Ein Industrie-Denkmal, wie es im Buche steht. Alfred Konters Lebenswerk ist vollbracht!

Kumpels beim Plausch im Innern des 9 qm großen Schrankenwärterhäuschens. Fotos: Nils Aders/HG

Zuletzt hat der Regionalverband Ruhr, der das Bahnwärterhäuschen seit geraumer Zeit besitzt (Don Alfredo: „Aber ich hab' die Schlüssel!”), noch 70 000 € in die Gestaltung des Außenbereiches gesteckt. Rundherum wurde alles gepflastert, auf der Trasse der ehemaligen Hugo-Bahn sogar die Schienen in anderen Steinfarben nachempfunden. Im hinteren Teil wurde alles feinsäuberlich eingezäunt, die Freiflächen mit Pionierhölzen und 200 Wildrosen bepflanzt. Fahrradständer und Sitzbänke kamen hinzu.

Vor einiger Zeit hatte das Häuschen schon seine neue blaue Dacheindeckung sowie einen ansehnlichen verzinkten Stahlzaun entlang der Horster Straße erhalten. Innen wie außen wurde es angestrichen. Bei Kleinigkeiten hat „Alfredo”, der inzwischen 79 Jahre alt ist, zuletzt noch selbst Hand angelegt: Im Kohle-denkmal steht eine neue hl. Barbara, auch die Eicheneinfassung für das Denkmal, das an Alex, das letzte buersche Grubenpferd, erinnert, wurde erneuert.

Seit 1880 steht das Bahnwärterhäuschen. Alfred Konter hat hier zehn Jahre selbst gearbeitet - bis September 1988. „Das erste Mal, dass ich das Häuschen gerettet habe, war, als sie die Strecke elekrifizieren und die Schranken mit Kontakten ausstatten wollten.” Da war ihm das Häuschen schon so sehr ans Herz gewachsen, dass er solange auf der Zeche und bei der RAG Druck gemacht hat, bis sie klein bei gaben. „Das war schon ein großer Erfolg damals.” Nicht nur das Häuschen, auch fünf Arbeitsplätze blieben erhalten. Als er in Rente ging, blieb Konter seinem Häuschen treu, das inzwischen zu seinem zweiten Zuhause geworden war. Als im April 2000, als Hugo schloss, der letzte Zug über die Gleise der Hugo-Trasse fuhr, wollten sie dem Häuschen wieder an den Kragen.

Aber nicht mit Alfredo! Der kannte keine Verwandten, sprach überall vor und jeden an, machte über Presse, Funk und Fernsehen Wirbel, so dass am Ende der Regionalverband Ruhr das Denkmal kaufte und damit den Bestand sicherte.

Ein vierköpfiges Team steht „Alfredo” seit langem zur Seite, auch was Pflege und Unterhalt des Denkmals anbelangt. Insgesamt zählt er zehn bis 15  ehemalige Bergleute zu seinem „Sympathisantenkreis”, der sich jeden Samstag (10 bis 13 Uhr) im  und am Häuschen zum Plausch  über Gott und die Welt, insbesondere über Zeche, Bergbau und Bahnwärterhäuschen  trifft. „Und dann reden wir auch mit interessierten Leuten, mit jedem, der vorbei kommt”, gibt sich Konter gastfreundlich.

Künftig soll es am Häuschen eine ADFC-Anlaufstelle bei kleinen Fahrradproblemen geben, die Alfredos Kompagnon Heinz Schwiderski unter seine Fittiche nimmt. Schwiderski ist auch längst zum „Nachfolger” auserkoren. „Don Alfredeo”: „Schließlich werd' ich nächstes Jahr 80!”

Im September soll es noch ein großes Fest am Bahnwärterhäuschen in Beckhausen durch den Regionalverband Ruhr geben, der damit wohl auch seinen neuen Rad- und Wanderweg auf der ehemaligen Hugo-Trasse einweihen will. Alfred Konter erwartet dann noch einmal hohen Besuch am Häuschen. „Don Alfredo” hofft sogar, dann Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sein Schmückkästchen zeigen zu dürfen.

Georg Meinert

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Kommentare
19.06.2008
02:44
Don Alfredo am Ziel
von Inuit | #1

Das ist ja wirklich ein hübscher Bau. Danke Don Alfredo, Herr Konter, für die Rettung des Kleinods.
Wie schön könnte Gelsenkirchen sein, wenn so vieles Ansehnliche nicht bauwütig abgerissen worden wär, z.B. die alte Badeanstalt in der Husemannstrasse, das Rathaus/Polizeipräsidium
am Machensplatz, der alte Hauptbahnhof und und und...Es kann doch nicht alleine sein, dass die damals Verantwortlichen kein Gespür für die Denkmalspflege besassen, wahrscheinlich spielten damals auch Vetternwirtschaft, Korruption bei Bauauftragsvergabe in der Politik eine Rolle.

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