Die Staatszeche
15.04.2010 | 13:47 Uhr 2010-04-15T13:47:00+0200
Mit ihr begann die Epoche der Staatszechen in Buer, aber auch die Wurzeln der Zeche Bergmannsglück, eine der vielen Bergbaubetriebe, an die die Ruhr2010-Aktion „Schacht-zeichen“ im Mai erinnern wird, liegen im Privaten. Und ihre Geschichte reicht weiter zurück, als das Datum des Abteufbeginns - 1902 - vermuten lässt.
Denn schon 1874 wurden dem Kaufmann Johann Stennes die ersten Grubenfelder des späteren Baufeldes Bergmannsglück verliehen. Bereits 1880 kam es zur Gründung des „Steinkohlenbergwerks Bergmannsglück“, das im gleichen Jahr in die neue Gewerkschaft Bergmannsglück eingebracht wurde Dessen Mehrheit erwarb wenig später der Industrielle August Thyssen. Das gesamte Grubenfeld (inklusive des Baufeldes Westerholt) hatte damals einen Wert von rund 6 Mio Goldmark, heißt es in Chroniken.
Um die Jahrhundertwende entwickelte der Preußische Staat Interesse, eigene Gruben zu erwerben - und unterstrich das im März 1902 durch ein entsprechendes Gesetz. Im gleichen Jahr kaufte er die Gewerkschaft Bergmannsglück (eine Folge des staatlichen Bergbau-Engagements - nicht nur in Buer - war übrigens die Gründung einer Königlichen Berginspektion zur Verwaltung der staatlichen Zechen, mit einer Niederlassung ab 1905 in Buer).
Das Leben der Zeche Bergmannsglück begann am 1. September 1903 mit Beginn der Abteufarbeiten an Schacht 1. Sie waren nicht einfach: Starke Wassereinbrüche - bis zu 5000 Liter in der Minute - waren mit den damals zur Verfügung stehenden technischen Mitteln kaum zu bewältigen. Erst nach 18 Monaten und in einer Teufe von 394 Metern stießen die Bergmannsglück- Pioniere auf das Steinkolengebirge. Am 1. Mai 1905 konnten die ersten 45 Kübel Kohle zu Tage gehoben werden.
Im Februar 1904 war bereits mit dem Abteufen von Schacht 2 begonnen worden. Nachdem im Oktober 1905 die Bergmannsglück- Schächte durch den Bau eines Unterfahrungsquerschlages durchschlägig geworden waren, kam die Förderung ab 1906 so richtig in Fahrt: 1907 gewannen 330 Bergleute 45 598 t Kohle, 1910 förderten 3030 Bergleute auf zwei Sohlen (später waren es vier) knapp 800 000 t Kohle. 1912 erreichte das Hasseler Bergwerk die höchste Fördermenge: 1,42 t. 5805 Kumpels zählte die Zeche zu jenem Zeitpunkt.
Anfangs war der Abbau auf Bergmannsglück richtig harte Maloche: Bis 1923 wurde das Schwarze Gold mit der Hacke gewonnen. Erst nach über 20 Jahren wurde die Arbeit Zug um Zug erleichtert, erhielten alle Hauer nach und nach einen Abbauhammer, was die Tagesproduktion deutlich er-höhte. Später kamen als Ge-winnungsmaschinen Kettenschrämmaschinen, noch später Hobel zum Einsatz. Auch beim untertägigen Transport ersetzten Rüttelrutschen, Bänder und elektrische Lokomotiven immer mehr Grubenpferde. Aber noch 1914 waren auf Bergmannsglück 80 Grubenpferde im Einsatz. Auf dem 30 ha großen Gelände waren inzwischen zahlreiche Gebäude entstanden - im Jugendstil: Kaue, Fördermaschinenhäuser, Magazin, Lampenstube, Markenkontrolle oder Schmiede.
Nach dem ersten Weltkrieg sackte die Produktion ab, in den 20er Jahren lag sie nur noch bei der Hälfte. 1940 kam das Bergwerk noch einmal auf eine Jahresfördermenge von 1,2 Mio t. 3060 Beschäftigte zählte die Grube damals. 1945 erlitt das Bergwerk schwere Kriegsschäden. Es wurden nur noch gut 100 000 t gefördert.
Nach Kriegsende gab es für längere Zeit eine Pause. Mitte der 50er Jahre, als die Produktion wieder lief, wurde deutlich, dass die Vorräte des Grubenfeldes, in absehbarer Zeit erschöpft sein würden. Die damalige Eigentümerin, die Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, entschloss sich, die selbstständigen Schachtanlagen Bergmannsglück und Westerholt zu einem Bergwerk zu-sammenzulegen. Ab 1960 wurde die Förderung auf Westerholt konzentriert.
Bergmannsglück war bis 1973 nur noch Seilfahrtsstandort. 1975 wurde die Zeche endgültig stillgelegt, von 1980 bis 1982 die Schächte verfüllt.
17:20
Ort des Geschehens ist nicht in Essen !!!
Gelsenkirchen Bergmannsglückstraße:
Koordinaten für Geotagger oder Google Earth :
51°35`54.65 N 7°02´42.17 E
Glückauf !