„Die Politik wünscht den Ausbau“ steht in der Bauakte

13 gesunde Eschen sollen am Schleischen Ring bei den Sanierungsarbeiten gefällt werden. Das will die Mehrheit der Anlieger verhindern.
13 gesunde Eschen sollen am Schleischen Ring bei den Sanierungsarbeiten gefällt werden. Das will die Mehrheit der Anlieger verhindern.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Anlieger am Schlesischen Ring in Gelsenkirchen-Buer schreiben an Bürgermeister Frank Baranowski. Sie sind gegen die Sanierung ihrer Straße, befürchten, dass Gewerbe verdrängt werden soll, um den Weg frei zu machen für eine reine Wohnbebauung.

Die Anwohner am Schlesischen Ring kämpfen weiter: Gegen die Fällung von „13 gesunden 35 Jahre alte Eschen“ sowie den geplanten Umbau (wir berichteten). In einem weiteren Schreiben an Oberbürgermeister Frank Baranowski erklärt Günter Galland, einer der Sprecher der Interessengemeinschaft Schlesischer Ring, dass ein möglicher Ausbau „eklatant den Wünschen von gut drei Viertel der Anlieger widerspricht“.

Das Gebiet sei charakterisiert auch durch die vorhandenen Gewerbebetriebe. „Die derzeitige Art der Bebauung wünschen wir beizubehalten“, schreibt Galland. Bei dem geplanten Ausbau befürchten die Anwohner einen Verdrängungsmechanismus der Gerwerbetreibenden.

„Temporäres Erscheinungsbild“

In einem Schreiben an die Politiker der Bezirksvertretung hatte Ulrich Roch, Anwohner am Schlesischen Ring und im Immobilienverkauf der GGW tätig, dies bereits formuliert: „Die noch vorhandenen Gewerbebetriebe stellen bereits heute ein temporäres Erscheinungsbild dar, die auch städtebaulich nicht weiter unterstützt werden dürfen“. Zudem soll die Stadtplanung nach Aussage mehrerer Anlieger am 14. Februar 2014 bei der Vorstellung des Leitbildes Innenstadt Buer betont haben, dass die Tankstelle an der Buer-Gladbecker-Straße genau wie die Gewerbebetriebe am Schlesischen Ring sehr störend seien.

„Unter Berücksichtigung der zu erwartenden langen Bauzeit steht in der Tat zu befürchten, dass hier Gewerbebetriebe unter Umständen so weit beeinträchtigt werden, dass ihnen die Existenzgrundlage entzogen wird“, schreibt Galland. Es ergebe sich hier der Verdacht, dass auf diesem Wege, über die Hintertür quasi, die Gewerbebetriebe verdrängt werden sollen, um den Weg frei zu machen für eine reine Wohnbebauung.

Beispiel Diesingweg

Kritisch sehen die Anwohner nach Einsicht in die Bauakte auch den Vermerk „Politik wünscht den Ausbau“. Auf Nachfrage spielt Clemens Wittebur, Sprecher der SPD im Bezirk Nord, das Ereignis herunter. „Ja, als wir über den Ausbau des Rombergskamps diskutierten, hab ich gesagt: Dann lass uns doch gleich den Schlesischen Ring mitmachen“.

Inzwischen sieht der SPD-Mann den Vorschlag der Verwaltung nicht mehr so positiv. Kann sich scheinbar, nachdem ihm der geballte Protest der Anlieger bei der Ortsbegehung am 19. Mai entgegenschlug, auch eine kleinere Lösung vorstellen. Mit Blick auf den Diesingweg, den die Anwohner des Schleischen Rings als Beispiel für eine positive Sanierung benannten, sagt Wittebur: „Es gibt viele vergleichbare Straßen. Wenn Verwaltung nicht darauf eingeht, werde ich Ihnen das um die Ohren hauen“. Schau’n wir mal.