Die Kohle war schwer zu machen
12.12.2008 | 16:54 Uhr 2008-12-12T16:54:00+0100
Vor gut einhundert Jahren begannen die Abteufarbeiten für die Zeche Westerholt. Damals bewogen die guten Aufschlüsse im Baufeld der Zeche Bergmannsglück, 2,5 Kilometer westlich, den preußischen Staat zu dieser Entscheidung.
Am 8. September stieß man in 397,8 Metern Teufe auf das erste Kohleflöz. Nur zwei Tage später wurde über den Schacht I der erste Kübel Kohle ans Tageslicht befördert. Im Jahr 1909 förderte auch Schacht zwei Kohle.
Die Industrialisierung schritt noch immer voran und wurde zum Energiefresser. Und auch die Kriege taten ihr übriges. Im Jahr 1914 wurde die werkseigene Kokerei fertig gestellt, mit der fast ein halbes Jahrhundert lang auf Westerholt Kokskohle hergestellt wurde, die dringend benötigt wurde von der Stahlindustrie.
Doch es war nicht leicht, das Grubengold dem Berg zu entreißen. „Mein Vater war noch auf Bergmannsglück. Der sagte immer, die Kohle war schwer zu machen, weil die so hart war”, erinnert sich Michael Asmus. Sein berufliches Leben verbrachte er als Schlosser auf der Zeche Westerholt.
Stets wurde nach einer neuen, besseren Abbautechnik gesucht. Denn die Kohle aus dem Polsumer Feld, das seit 1942 erschlossen wurde, war zwar hart – aber gut.
Bereits in den 50er Jahren zeichnete sich ab, dass die gewinnbaren Kohlevorräte der Zeche Bergmannsglück nur noch für weitere fünfzehn Jahre reichen würden. Man musste rechtzeitig an Ersatz denken. Und den sollte das Feld Polsum mit seiner Kohle schaffen. Die Errichtung einer neuen Schachtanlage in Polsum, mit allen dazugehörigen Übertage-Anlagen, war finanziell nicht zu stemmen. Also entschied man sich für eine zentrale Schachtanlage Bergmannsglück/Westerholt unter Einbeziehung der Polsumer Kohlevorkommen. 1960 entstand dieses Verbundbergwerk. Bergmannsglück wurde wenig später stillgelegt.
Mittlerweile war eine immer bessere Technik entwickelt worden, die auch den Bergarbeitern zugute kam. „Im Jahr 1960 wurde etwa eine An- und Abknebelanlage errichtet”, weiß Helmut Striecker, einst Fahrsteiger auf dem Bergwerk Westerholt. „Zum ersten Mal geschah diese Arbeit maschinell und nicht mehr durch die Kumpel, die da ihre Finger ließen.”
Noch mehr Verbesserungen brachten die 70er Jahre. „1970 bekamen die Bergleute zum ersten Mal Arbeitskleidung gestellt, die auch auf der Zeche gewaschen wurde”, so Striecker. Das allerdings nicht immer im Sinne der Arbeiter. „Da gab es immer Theater”, erinnert sich Kunibert Kiene an die Zeit seiner Ausbildung. „Da hat man Größe 60 abgegeben und Größe 52 zurückbekommen.” Wenig später wurde auch Seife, danach Handtücher durch den Betrieb gestellt.
In den 80er Jahren verließen etliche türkische Arbeiter den Pütt gen Heimat. Das Bergwerk bereitete sich vor, die Kumpel anderer, stillgelegter Zechen aufzunehmen. „Westerholt war immer schon ein Bergwerk, wo viele Menschen zusammen kamen”, erinnert sich Striecker, der selbst 1980 von Consol nach Westerholt wechselte. „Und ich bin hier mit offenen Armen aufgenommen worden. Das war hier eine gute Gemeinschaft.”
Die aber wurde bald auf die Probe gestellt. Harte finanzielle Einschnitte mussten die Kumpel nun hinnehmen. „Die Bergmannsprämie fiel für diese Tage weg und vom Lohn bekam man nur 67 Prozent. Das war hart”, so Striecker. Und dazu gingen Gerüchte um, die Anlage würde geschlossen. Das nämlich verkündete regelmäßig das Radio der DDR, welches die Kumpel zuweilen hörten. „Damit haben sie aber immer daneben gelegen”, lacht der frühere Fahrsteiger.
Ein letztes Mal dokumentierte sich Mitte der 90er Jahre die Solidarität der Menschen mit den Bergleuten in Mahnwachen und Lichterketten. „Heute hat die Kohle keine Lobby mehr”, meint Striecker, der nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen befürchtet. „Das Schlimme ist ja auch, wenn früher ein Sohn nicht ganz gescheit war, dann hat der Vater gesehen, dass der auf der Zeche unterkommt. Da hat der dann den Hof gefegt. Heute liegen diese Jungs auf der Straße”, sagt er, und die Männer um ihn herum nicken. „Es wird der Tag kommen, da begreifen wir Deutschen, wie wichtig die Kohle ist. Aber dann haben wir unser letztes Bergwerk gerade zu gemacht.”
16:03
Nationalitäten spielen hier, in Hassel, gar keine Rolle. Darum geht es doch nicht. Die Menschen, die hier wohnen, halten bestimmt etwas von sich - und bleiben!
Ich denke, so schade es ist, der Wandel sollte als Chance verstanden werden.
09:13
Schade um die Zechen, aber Hassel ist so leer und verkommen, weil sich in den Bezirk nur Türken ziehen. Diejenigen, die was auf sich halten ziehen weg. Diese Ghettoisierung ist das wahre Übel von GE siehe Ückendorf, Rotthausen usw....
14:39
Am kommenden Freitag schließen offiziell die Tore auf dem Bergwerk Lippe.Wie oben im Artikel bereits gesagt über 100 Jahre Bergbau im buerschen Norden sind dann Geschichte. Gelsenkirchen ist dann bergbaufreie Stadt. 20ig Jahre wird die Stadt brauchen um sich von diesen Wirtschaftskraftverlusten zu erholen, wenn man sich an der Nachbarstadt Essen orientiert.Der Stadtteil Hassel, der ja eigentlich nur durch die damals staatlichen Zechen entstanden ist wird wieder schrumpfen. 1961 hatte Hassel 21.340 Einwohner 2007 - 15433 Einwohner. Also 5907 Einwohner weniger. Man sieht es auch wenn mann durch den Ortsteil fährt. Viele Wohnungen stehen bereits leer.Man kann es nur begrüßen das Politiker aus den Montanstädten sich zusammenschließen und gemeinsam Lösungswege suchen nicht nur kurzfristig sondern langfristig für die Zukunft sorgen. Wir Bürger sind natürlich mit im Boot nicht nur zu kontrollieren sondern soweit es geht mitzugestalten.