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Die Frau des Pfarrers

23.12.2009 | 09:00 Uhr
Die Frau des Pfarrers

Als Sabine Siebold im Studium einen künftigen Pfarrer kennen und lieben lernte, hatte sie ein klares Bild von Leben und Wirken einen Pfarrersfrau. Eines, das dem damaligen Klischee entsprach und eines, das sie nicht ausfüllen wollte.

 „Noch auf meiner Verlobung habe ich gesagt, ich könne mir nicht vorstellen, einen Pfarrer zu heiraten”, lacht die sympathische Frau im Rückblick.

Sabine Siebold studierte zu dieser Zeit Medizin, wurde Fachärztin für Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Weil sie im Raum Bielefeld, der Heimat ihres Mannes Matthias, keine Stelle fand, bewarben sich beide im Ruhrgebiet. Die evangelische Kirchengemeinde Scholven war die erste Stelle des jungen Pfarrers. Und sie wurde für beide zur Heimat. Hier fand sich Sabine Siebold ein in ihre Rolle, die sie zunächst ganz neu definierte. „Ich musste ein bisschen gegen dieses Frau Pastor angehen. Ich habe dann immer gesagt, sie sagen ja auch nicht zu meinem Mann Herr Doktor.”

Schnell aber wurde die moderne Frau ein wichtiger Teil der Gemeinde. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier einem Klischee der Pfarrersfrau entsprechen muss.” Einiges aber änderte sich nicht. Immer noch gehört die Familie im Stadtteil zur Lokalprominenz. „Das erleben wir durchaus. Man wird zum Beispiel zum Schützenfest eingeladen, obwohl man damit das ganze Jahr über nichts zu tun hat.” Doch diese Anerkennung freut Sabine Siebold. „Das ist schön. Und diese Ruhrgebietsmentalität ist ja eher handfest und herzlich - damit können wir gut umgehen.” Und dennoch: Ihr Leben blieb etwas Besonderes. Woran sie täglich merkt, dass sie Pfarrersfrau ist? „Wenn nachts um vier das Telefon klingelt, etwa. Und ansonsten jeden Tag an den Arbeitszeiten meines Mannes.” Sonntags mal ausschlafen und gemeinsam frühstücken, das ist für die Familie mit zwei Kindern nicht häufig möglich. „Manchmal bestehe ich aber darauf, dass wir sonntags nicht in die Kirche gehen”, lacht Sabine Siebold, die selbst sehr gläubig ist.

In die Arbeit ihres Mannes ist sie aber kaum eingebunden. „Ganz selten mal zeigt er mir vor dem Gottesdienst einen Predigtext”, lacht die 42-Jährige. Das ist nicht ohne Grund so. „Wir sind theologisch zu unterschiedlich. Ich würde immer ganz anders predigen. Das christliche Fundament ist bei uns dasselbe, aber dann geht es auseinander. Wir diskutieren viel über dieses Thema.” Beide haben völlig unterschiedliche Herangehensweisen. „Bei meinem Mann hat der Beruf des Pfarrers Familientradition, ich dagegen komme aus einer Agnostiker-Familie.”

Im Engagement sind sich beide aber einig. „Ich mache viel in der Gemeinde”, erklärt die in einem Duisburger Krankenhaus angestellte Ärztin. „Aber nur die Sachen, die ich mir ausgesucht habe, die ich auch machen würde, wenn ich nicht mit einem Pfarrer verheiratet wäre.” Dazu gehören die Mitarbeit im Kindergottesdient, Aktionen zur Freizeitgestaltung und kleine Projekte, wie etwa das Weihnachtsmusical an Heiligabend in der Adventskirche. Dann ist Sabine Siebold in der Kirche vorne mit dabei. Eine Ausnahme. Denn üblicherweise sitzt die Pfarrersfrau im Gottesdienst nicht in der ersten Reihe.

Sie fühlen sich wohl in Scholven, die Siebolds. Sie sind gerne Teil dieser Gemeinde, die Sabine Siebold zwar nicht geheiratet, dafür aber emotional adoptiert hat. Gerne will die Familie in Scholven bleiben. Die erste Pfarrstelle könnte für alle eine Lebensaufgabe werden. Zumindest bis zur Pensionierung von Matthias Siebold. Danach nämlich müssen Geistliche aus ihrem Pfarrhaus ausziehen, Platz machen für den Nachwuchs. Doch darin kann Sabine Siebold auch Vorteile sehen. „Wir leben jetzt mit den Kindern in einem riesigen Haus mit einem großen Grundstück. Und in zwanzig Jahren braucht man das vielleicht nicht mehr.” Daran, die evangelische Gemeinde Scholven zu verlassen, denkt die engagierte Frau nicht. „Man baut ja Beziehungen auf und Freundschaften. Vom Gefühl her bräuchte ich jetzt nicht mehr umziehen.”

Kira Schmidt



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