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Der Teilzeitvater

14.11.2012 | 10:00 Uhr
Der Teilzeitvater
Wurde als junger Student erstmals Vater: Dr. Gerrit Lautner, Chef der Kinder- und Jugendklinik.Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen-Buer. Wer viel will, muss viel leisten. Berufstätige Mütter wissen ein Lied davon zu singen. Und die Väter? Wie gelingt es ihnen, Kinder und Karriere zu vereinbaren? Die WAZ befragte zum Schluss ihrer Serie einen, der es wissen muss: Dr. Gerrit Lautner (45). Er ist Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendklinik in Buer – und Vater von drei Mädchen und zwei Jungen im Alter zwischen neun und 21 Jahren.

Dass er irgendwann eine Familie gründen wollte: Lautner wusste es schon als Medizin-Student. Dass er bereits mit 24 Jahren Vater werden würde – nicht. „Das Kind war nicht geplant, dann hat sich aber doch alles gut gefügt“, so der Bottroper.

Er stieg nach der Geburt für ein halbes Jahr aus dem Studium aus, um das Baby mit zu betreuen in der kleinen Studentenbude mit Kohleofen. „Zu Partys haben wir das Kind einfach mitgenommen.“

Aber Elternsein ist kein Wunschkonzert: Die von Frauen vielfach gefürchtete Karrieredelle nach der Elternzeit erlebte auch Lautner. „Als ich wegen der Babypause für ein halbes Jahr ausstieg, war keine Rede mehr davon, später an der Uni Karriere zu machen.“

Sein Studium setzte er trotzdem fort, während seine Frau, damals Medizin-Studentin, für ein Jahr keine Seminare mehr besuchte. Dann kümmerte sich eine Tagesmutter ums Kind. „Bei Engpässen haben die Großeltern geholfen. Aber wir wollten es allein schaffen.“

Ziel, selbst Chef zu werden

Als ein Jahr später das zweite Kind geboren wurde, pausierte nur Lautners Frau „für ein, zwei Jahre“, um (viel später) „in Teilzeit“ das Studium zu beenden. Der Vater gab währenddessen Gas, um als Assistenzarzt in Lohn und Brot zu kommen. Ganz klassisch eben in der Rollenverteilung. Und dabei blieb es auch, als die anderen drei Kinder zur Welt kamen und Lautner eine Anstellung im Bottroper Marien-Hospital und 2001 in der Kinder- und Jugendklinik in Buer fand, Schichtdienst inklusive.

„Für mich war es nie eine Option, zu Gunsten der Berufstätigkeit meiner Frau und für die Familie zurückzustecken. Sie hätte sich eine Vollzeittätigkeit auch nie vorstellen können. Außerdem habe ich alles daran gesetzt, irgendwann nicht mehr auf Anweisung arbeiten zu müssen, sondern selbst Chef zu werden“, sagt Lautner.

Das hat geklappt. Nun kann er Anweisungen geben – etwa seiner Sekretärin, dass er nach 16.30 Uhr keine Termine mehr annehmen kann, um pünktlich für einen Waldspaziergang bei seinen Kindern zu sein. „Wenigstens zum Abendessen möchten wir zusammensitzen, um den Tag zu besprechen. Auch auf das Zubettgeh-Ritual mit Vorlesen lege ich Wert.“

Das Gefühl, wegen der Karriere etwas von seinen Kindern verpasst zu haben, hat er nicht. „Meine Frau strukturiert zwar die tägliche Erziehung, ich bin aber noch oft genug da. Erst in den Herbstferien war ich mit den zwei jüngsten für eine Woche im Wohnwagen im Sauerland unterwegs.“

Das andere Extrem – Kinder als Hindernis – hat er ebenfalls nie empfunden. „Ohne Kinder wäre das Leben doch zum Gruseln!“

Christiane Rautenberg



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