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Stalking

Der Schrecken nach dem Ende

23.06.2012 | 11:11 Uhr
Der Schrecken nach dem Ende
Foto: Dirk Bauer

Gelsenkirchen-Buer. Das Wiedersehen nach der Trennung kam unverhofft. Mitten in der buerschen Markthalle kam er auf sie zu und schrie sie an: „Dafür wirst Du bezahlen. Du wirst noch von mir hören!“ Christine T. (Name verändert) war erst einmal geschockt, floh in die Fußgängerzone. Sie hoffte, dass dieser Wutausbruch ein Einzelfall bleiben sollte. Doch sie täuschte sich, in den folgenden Tagen sollte sie eine Erfahrung machen, mit der sonst nur Prominente als Opfer in die Schlagzeilen geraten: Stalking.

Was der Begegnung in der Markthalle folgte, beschreibt Christine als „die Hölle“. Der Speicher ihres Handys, auf das sie aus beruflichen Gründen nicht verzichten kann, füllte sich mit SMS. 20 bis 30 dieser Kurznachrichten liefen in den ersten Tagen täglich bei ihr auf. Und der Inhalt wurde immer bedrohlicher: „Die ganze Stadt wird erfahren, was Du mir angetan hast ... Soll ich erst zu Dir kommen... Gib mir 5000 Euro, oder ich werde den Ruf Deiner Familie in den Schmutz ziehen!“ Dazu häuften sich die Anrufe so, dass für Christine ein Arbeiten nicht mehr möglich war. Sie fühlte sich schlicht hilflos, allein und ausgeliefert und es dauerte eine Zeit, bis sie handeln konnte.

Dabei ist es wichtig, gerade in einer solchen Situation richtig zu reagieren, betont der Gelsenkirchener Rechtsanwalt Jan Czopka, der schon viele Opfer von Nachstellungen, wie Stalking vom Gesetzgeber genannt wird, juristisch betreut hat. „Auch wenn es sich so fühlt, ist ein Stalking-Opfer nicht wehrlos. Es muss nur selbst aktiv werden, um sich der Nachstellungen zu erwehren“, betont der Jurist. Eine Möglichkeit bietet das seit 2001 gültige Gewaltschutzgesetz. Auf dessen Grundlage kann ein Gericht eine einstweilige Anordnung erlassen, die dem „Stalker“ zum Beispiel verbietet, sich dem Opfer bis auf einen genau definierten Abstand zu nähern, Verbindung, auch telefonisch oder elektronisch, zum Opfer aufzunehmen oder gar dessen Wohnung zu betreten. „Diese Anordnung muss man beim Amtsgericht beantragen und je nach Bedrohungslage kann das sehr schnell gehen“, erläutert Jan Czopka. Was dabei besonders wichtig ist: Beweise sichern!

Das bestätigt auch Donald Pawellek von der Opferschutz-Organisation „Weißer Ring“, die allein im Jahr 2011 25 Stalking-Opfer betreut hat: „Auf jeden Fall muss man alle Mails oder SMS sammeln und aufbewahren. Das braucht man, wenn man, was neben der einstweiligen Anordnung auch zu empfehlen ist, bei der Polizei eine Anzeige erstattet. Die Polizei kann schließlich nur einschreiten, wenn ihr der Fall bekannt ist.“ Nicht nur bei solchen Fällen steht das zehnköpfige Team des Weissen Rings in Gelsenkirchen Opfern zur Seite betont Pawellek: „Wir begleiten die Menschen von der Anzeige bis zur möglichen Gerichtsverhandlung, geben Ratschläge zum juristischen Vorgehen, vermitteln konkrete Hilfe und stehen, was besonders wichtig ist, als Gesprächspartner bereit.“ Gespräche zu führen, seine Umwelt zu informieren, sei ein erster Schritt, um aus „der Hölle“ zu entkommen, aber dann sollte man das Gericht und die Polizei mit einbeziehen.

Diesen Weg hat auch Christine gewählt. Nach Tagen, an denen sie mit E-Mails, SMS und Telefonanrufen bombardiert wurde, erstattete sie Anzeige gegen ihren „Ex“.

Solche Fälle landen auf dem Schreibtisch von Jörg Wistuba, Hauptkommissar im Kommissariat für Vorbeugung und Opferschutz, der erklärt, was Täter und Opfer in solchen Fällen erwarten können: „Alle wichtigen Daten werden nach einer Anzeige oder einer einstweiligen Anordnung bei uns gespeichert. Kommt dann ein Notruf, weil der Stalker sein Opfer zum Beispiel verfolgt, sind wir so schnell wie möglich zur Stelle und beenden die Situation. Wir haben auch die Möglichkeit, den Täter zu einem Gefährdungsgespräch aufzusuchen und ihm die juristischen und polizeilichen Folgen seines Handelns zu erklären.“

Manchmal helfe das schon. Bei besonders bedrohlichen Situationen kann die Polizei den Stalker auch in Gewahrsam nehmen. So weit ist es in Christines Fall noch nicht gekommen, sie kann aber mit der Situation schon besser umgehen: „Es hilft, wenn man selbst aktiv wird. Dann hat man des Heft in der Hand und wird nicht von der ganzen Situation beherrscht. Schließlich will das der Täter ja.“

Peter Marnitz



Kommentare
24.06.2012
16:41
Der Schrecken nach dem Ende
von Hometown-Glory | #1

Und, bekommt der Böse Mann jetzt eine Chance für eine Gegendarstellung? Oder, seid ihr alle so Manipulierbar? Die Frage geht übrigens an die WAZ!

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