Dem Amtsgericht steht der letzte Umzug bevor

Nach 136 Jahren geht die Geschichte des Amtsgerichts Buer in diesem Jahr zu Ende.
Nach 136 Jahren geht die Geschichte des Amtsgerichts Buer in diesem Jahr zu Ende.
Foto: WAZ FotoPool
In der 136-jährigen Geschichtes des Amtsgerichtes Buer musste die Justizbehörde schon mehrfach ihren Standort wechseln - von der Hochstraße über die Westerholter Straße zur Goldbergstraße. In diesem Jahr geht die Geschichte des Amtsgerichtes zu Ende.

Gelsenkirchen-Buer..  2015 ist das Jahr, in dem die Geschichte des Amtsgerichtes in Buer zu Ende gehen wird. Die Justizbehörde, die am 1. Oktober 1897 ihre Arbeit aufnahm, wird Teil des neuen Justizzentrums, das in Ückendorf errichtet und 2016 in Betrieb gehen wird. Ein Blick zurück.

Der Personalrat des Amtsgerichts wagte 1979, als das 100-jährige Bestehen gefeiert wurde, einen Ausblick auf die nächsten 100 Jahre: „Rationalisierung und Automation werden im wesentlichen Dienstbetrieb und Arbeitsabläufe bestimmen. Die damit verbundenen Veränderungen werden nicht nur Auswirkungen auf unsere Arbeitsplätze haben, sondern auch auf jeden, der die Dienstleistungen des Amtsgerichts in Anspruch nimmt. Bürgernähe und Transparenz der öffentlichen Verwaltung drohen verloren zu gehen, und der Kontakt zwischen Bürger und Justiz wird zunehmend erschwert“, heißt es ahnungsvoll in der Festschrift.

In dem eingeschossigen Flachbau mit seinen sechs Sitzungssälen und dem angegliederten Bürohaus mit seinen sechs Etagen an der Goldbergstraße sind heute 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Das Amtsgericht verfügt über 12,5 Richterstellen. Bescheidener fielen dagegen die Anfänge aus. Ein Richter, zwei Bürobeamte, ein Gerichtsvollzieher, ein Kanzleigehilfe und ein Gerichtsdiener, der gleichzeitig auch Dienst als Gefängniswärter und Hauswart versehen musste, waren zuständig für die 10 839 Gerichtseingesessenen, also Einwohner, die der damalige Gerichtsbezirk zählte. Deckungsgleich mit dem Amt Buer, zählten zu diesem Gerichtsbezirk neben Buer auch Erle, Beckhausen, Scholven, Hassel, Resse und Horst sowie Westerholt und Gladbeck dazu.

Ausweichquartier

Bis 1904 war das Amtsgericht im Haus Buer Nr. 126, der heutigen Hochstraße 66, zu finden. Mit der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung und damit auch die Aufgaben des Amtsgerichts, das bald zur Westerholter Straße 8 umzog. Doch schon 1908, als das Gericht bereits über zehn Richter verfügte, begann die Suche nach einem Ausweichquartier. Das Haus an der Westerholter Straße diente insgesamt 69 Jahre der Justiz, Abteilungen der Behörde waren aber auch im freigezogenen Alten Krankenhaus an der Ostseite der Urbanuskirche und – zwischen 1956 und 1968 – in Räumen des früheren Dom-Cafés zu finden.

Stahlskelettbau

1968 nahm das Staatshochbauamt die Planung für den Neubau an der Goldbergstraße auf. So sehr in Buer der Verlust des Amtsgerichts beklagt wird: Den Arbeitsbedingungen in dem Stahlskelettbau wird wohl niemand nachtrauern. Amtsgerichtsdirektor Bernd Wedig: „Im Winter war es in den Räumen kalt, im Sommer so richtig warm.“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE