Das Kohlefieber bricht aus
04.06.2007 | 13:46 Uhr 2007-06-04T13:46:40+02001855 wird in Horst zum ersten Mal nach dem Schwarzen Gold gebohrt. Es dauert aber noch bis 1868, bis die Förderung aufgenommen wird. Einst das nördlichste Bergwerk
Der Essener Kaufmann Theodor Wagner ist der erste, der im Januar 1855 nahe am Dorf Horst nach Kohle schürft - in der Mark nahe der Emscher. Das Schwarze Gold - es sollte für das kleine Emscherdorf eine große Zukunft bedeuten.
Gemeinsam mit Wilhelm Bockmann gründet Wagner die "Bohrgesellschaft Carnap", die im Frühjahr 1855 mit Probebohrungen - unweit der dann realisierten Nordstern-Schächte - beginnt. Bereits im Mai 1855 werden sie fündig: "Die Bohrversuche wurden in fieberhafter Weise betrieben, die Kohle wurde von dem Geschworenen als eine sehr gute bezeichnet", melden die Bergbau-Pioniere.
Zur gleichen Zeit haben sich auch drei Horster zusammengetan und ebenso Probebohrungen etwas weiter nordöstlich der "Carnaper"-Bohrstelle beantragt: Wilhelm Hoppe, Hermann Große Lackmann und Johann Timmeskamp. Sie haben die Bohrgesellschaft "Neu Horst" gegründet und werden ebenfalls im Frühsommer 1855 fündig.
Beide Bohrgesellschaften beginnen 1857 (Horst zählt 822 Einwohner) mit dem Abteufen - was ungeahnt zu einer teuren Angelegenheit wird. Denn erstens stoßen die Horster Kohle-Pioniere auf Fließsand - entstanden durch die vielen Nebenarme der Emscher. Und zweitens bereitet das viel zu viele Wasser des Sumpfgebietes große Probleme, so die Heimatkundler Karl Heinz Breil und Reinhold Adam. Als erstes bekommen offenbar Lackmann und Timmeskamp kalte Füße, die ihre Anteile an Hoppe verkaufen. Der wiederum verkauft kurz drauf alles an einen weiteren Anteilseigner der "Carnaper", so dass beide Bergbau-Vorhaben verschmelzen.
Nach Fließsand- und Wasserproblemen sorgt 1860 Geldmangel dafür, dass die Abteufarbeiten von "Blücher I", wie der Schacht an der "Carnaper-Bohrstelle" nun heißt, bei einer Teufe von 91 Metern eingestellt wird. Der Schacht säuft ab. Erst 1865 wird "Blücher I", nachdem Wagner und Konsorten mit neuen Geldgebern die "Essen-Arenberger Bergbaugesellschaft" gründeten, neues Leben eingehaucht. Jetzt geht es auf "Nordstern", wie der Schacht ein Jahr später umbenannt wird, zügig voran: 1867 wird in 228 Meter Teufe die 1., bei 241 Metern die 2. Sohle gesetzt. Über Schacht 1 wird ein Malakowturm errichtet, 83 Mann sind beschäftigt. 1868 schließlich erblickt die erste Horster Kohle das Licht der Welt - 4619 t werden gefördert. 164 Bergleute sind im ersten Förderjahr beschäftigt auf der Horster Zeche, die das nördlichste Bergwerk (daher "Nordstern") ist und das erste ist, das unter einer Teufe von 200 Metern abbaut.
Schon im gleichen Jahr wird die 3. Sohle in einer Teufe von 257 Metern gesetzt, erste Tageseinrichtungen werden sichtbar: Neben dem Malakowturm eine Zwillingsdampffördermaschine, Kesselhaus und Kamin. 1869 beträgt die Förderung zwar schon 12 169 t, als hinderlich für eine stärkere Förderung erweist sich aber die schlechte Verkehrslage der Zeche, weiß Reinhold Adam. Die Kohle muss bislang über Landwege per Pferdefuhrwerke abgesetzt werden. Wichtig ist daher ein Eisenbahnanschluss, der 1870 kommt, nachdem bereits 1847 die Mindener Eisenbahngesellschaft den ersten Zug über Horster Gebiet hatte rollen lassen - aber ohne Haltepunkt, der nächste befand sich in Karnap. Mit Gleisanschluss nimmt die Förderung sprunghaft auf über 53 000 t zu.
Schon ein Jahr zuvor, 1869, war die Zeche Nordstern an eine französische Gesellschaft, die "Societe anonyme des Charbonnage du Nord" verkauft worden. Vier Jahre später kaufen aber eine Reihe von Gewerken aus dem aufblühenden Ruhrgebiet die Zeche zurück und gründen die Aktiengesellschaft Steinkohlenbergwerk Nordstern. Bis 1875 wird die Jahresförderung auf gut 94 000 t hochgeschraubt, die Belegschaft wächst auf knapp 500 Mann.
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