Das Finale der zwei Riesen
08.08.2008 | 17:31 Uhr 2008-08-08T17:31:00+0200
Die Vorbereitungen für die Sprengung der beiden Scholvener Kühltürme G und H laufen bereits seit über einem halben Jahr. Am Sonntag um 12 Uhr ist es soweit.
Einen Augenblick dauert's nur am Sonntag, wenn die zwei Giganten in Scholven fallen, doch schon seit Dezember laufen bei Eon die Vorbereitungen dazu. Chef des dreiköpfigen Teams ist Martin Nietznik (41), Projektleiter von Eon Engineering. Das Team kümmert seit mehr als einem halben Jahr um alle Details, wenn es um die Sprengung der Kühltürme G und H und den Rückbau des zugehörigen Werksareals geht.
Die beiden 115 Meter hohen Riesen an der nördlichen Kraftwerk-Seite werden Sonntag gegen 12 Uhr gesprengt. Die Kühltürme G und H – sie sind auch ein Stück regionaler Industriegeschichte. Sie gingen 1974 und 1975 in Betrieb – die entsprechenden Kraftwerks-Blöcke wurden nicht mit Kohle, sondern mit Heizöl befeuert. Weil die Brennstoffpreise danach stiegen und stiegen, erreichten die beiden Blöcke nur Laufzeiten von 15 600 bzw. 10 800 Betriebsstunden. Schon 1999 wurden beide Anlagen „dauerkonserviert"; 2001 und 2003 wurden sie stillgelegt.
Und jetzt geht der Rückbau von „Gustav" und „Heinrich" – wie die beiden Giganten auf dem Kraftwerks-Areal genannt werden – in die letzte heiße Phase: Sprengmeister Günter Franke aus Thüringen kennt die Details. Rund 150 Kilogramm Sprengstoff, insgesamt 1050 Bohrungen – im Abstand von 2,5 Sekunden soll den beiden Kraftwerks-Riesen zielgenau die Standkraft geraubt werden.
„Die 2,5 Sekunden Abstand sind nötig, damit die Erschütterungen beim Fall der Kühltürme nicht auf einmal auftreten", sagt Projektleiter Martin Nietznik. Immerhin wiegen die Kühltürme jeweils etwa 11 000 Tonnen. Ihr Durchmesser beträgt am Fuß etwa 96 Meter; an der so genannten Taille 60 Meter und am oberen Rand etwa 65 Meter.
Zum dreiköpfigen Führungsteam in Sachen Kraftwerks-Rückbau zählen auch Bauleiter Dirk Heinrich und Projektleiter Helmut Ballay (Eon Kraftwerke). Das Gesamtvorhaben ist komplex, denn es geht nicht allein darum, die beiden Kühltürme flachzulegen. Auch die jeweils zugehörigen Kessel- und Maschinenhäuser verschwinden. Sieben große Öl-Tanks mit einem Fassungsvermögen bis zu 72 000 Kubikmeter sind bereits beseitigt oder werden derzeit mit Brennern in Platten zerlegt und beispielsweise für die Herstellung neuer Behälter verwendet. Überhaupt spielt der Recycling- und Umweltschutzgedanke laut Martin Nietznik eine wichtige Rolle bei dem Projekt. Alle zu entsorgenden oder wiederverwendbaren Materialien würden vorher ausgebaut.
Sprengung werden Anwohner der nahen Buerelterstraße und der Kirchhellenstraße ihre Häuser verlassen müssen – für sie gibt es einen Extra-Service. Sie können mit einem Shuttle-Bus auf die nahe Halde fahren und die Sprengung von oben beobachten. Diese Möglichkeit gibt's aber nur für die evakuierten Anwohner und für einige geladene Gäste. Allen anderen Interessenten rät Nietznik, das Spektakel besser aus einigen Kilometern Entfernung zu beobachten – denn auch Straßen werden am Sonntag gesperrt.”
Hinweise zu Evakuierungen und Straßensperrungen
Wegen der Kühlturm-Sprengung kommt es am Sonntag ab 9 Uhr zu Straßensperrungen:Vollsperrungen: Buerelterstraße von Nr. 161 bis Kreuzung Kirchhellenstraße; Kirchhellenstraße, zwischen Buereltestraße und Feldhauser Straße; Feldhauser Straße zwischen Kirchhellenstraße und dem Kraftwerkstor Rigips.
Teilsperrungen: Sperrung für den KfZ-Verkehr mit Ausnahme der Anwohner: Buerelterstraße, ab Einmündung Schwedenstraße Richtung Norden; Scholver Straße, ab Feldhauser Str. (Gladbeck); Sperrung für den KfZ-Verkehr (ohne Ausnahme): Bellendorfsweg zwischen Feldhauser Straße und Einfahrt BP; Fünfhäuserweg, Kreuzung Feldhauser-/Kirchhellenstraße; Oberscholvener Str., Einmündung Kirchhellenstraße.
Sperrung für den KfZ-Verkehr (mit Ausnahme der Anwohner und Pkw Rigips): Feldhauser Straße zwischen Nienkampstraße und dem Kraftwerkstor Rigips. Die Zufahrten von der Reubekampstraße, Emmyweg und Berkelstraße zur Feldhauser Straße werden ebenfalls gesperrt. Umleitungen werden ausgeschildert.
Wegen der Kühlturm-Spregungen in Scholven kommt es zu Evakuierungen (ab 9 Uhr, Räumung bis 10 Uhr). Die Stadt weist auf folgende Anordungen zur Evakuierung hin: Betroffen sind im Westbereich die Buerelterstraße, Haus-Nr. 161- 193; im Nordbereich die Kirchhellenstraße Haus-Nr. 182 - 214
Das THW wird mit Lautsprecherwagen nochmals auf die Evakuierung aufmerksam machen. Für die Anwohner steht ein Zelt auf der Bergehalde östlich des Kraftwerkes zur Verfügung. Für die Fahrt dorthin müssen die Shuttle-Busse genutzt werden. Dazu wird an der Alexander-von-Humboldtstraße eine Haltestelle eingerichtet.
Die Halde wird durch einen Wachdienst beaufsichtigt. Das Betreten ist außerhalb des Bustransfers verboten. Da die Besucherzahl durch den Eigentümer der Halde begrenzt wurde, kann dieser Bereich nur den Evakuierten zugänglich gemacht werden. Dazu gibt es einen vorher zugestellten Berechtigungsschein.
Mit der Evakuierung müssen gleichzeitig alle Fahrzeuge aus dem öffentlichen Verkehrsraum gestellt werden. Fahrzeuge auf privaten Grundstücken, auch in Garagen, sind nach Möglichkeit ebenfalls zu entfernen. E.ON bietet Ausweichparkplätze an der Alexander-von-Humboldtstraße 1 (ehemals VEBA ÖL Hauptverwaltung) an.
Anwohner, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht in der Lage sind, die Wohnung selbstständig zu verlassen, können sich an die folgende Organisationen wenden: DRK Bereitschaftsdienst: Telefon 98383-0; Eon Engineering, Dirk Heinrich: Telefon 1771243.
Vor und nach der Sprengung gibt es Sprengsignale: Sechs Minuten vor der Spregung: 1 langer Signalstoß - Achtung (in Deckung gehen)!; drei Minuten vor der Sprengung: 2 kurze Signalstöße - Achtung, es wird gezündet! Kurz nach der Sprengung: 3 kurze Signalstöße - Sprengung ist beendet!
Nach erfolgter Sprengung können die Sperr- und Evakuierungsmaßnahmen nicht sofort aufgehoben werden. Unter Umständen könne es dauern, heißt es. Anwohner sollten auf Maßnahmen der Polizei und auf Lautsprecherdurchsagen achten.
Auswirkungen auf die Vestische
Wegen der Sprengung zweier der Eon-Kühltürme und der damit verbundenen Straßensperrungen kann am Sonntag der Linienverkehr der Vestischen nicht wie gewohnt stattfinden. Der TaxiBus 247 muss, so teilt das Unternehmen mit, umgeleitet werden und kann die Haltestellen „Buerelter Straße” und „Breiker Höhe” bis ca 14 Uhr nicht anfahren.
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