Chemikalien fließen in Gelsenkirchen in 20 Pipelines

Die oberirdische Pipeline, die von unbekannten angesägt wurde, verläuft von Scholven nach Bottrop.
Die oberirdische Pipeline, die von unbekannten angesägt wurde, verläuft von Scholven nach Bottrop.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach dem Sabotageakt in Gladbeck ist der Schaden von BP repariert worden. Die Stahlleitung schlängelt sich von Scholven bis zum Bottroper Hafen. Im Laufe der Woche soll sie wieder in Betrieb genommen werden. Umweltschützer weisen schon lange auf die Gefahren hin

Das hochgiftige Methanol, das am Sonntag vor einer Woche aus einer Pipeline zwischen dem Scholvener Werk und dem Bottroper Hafen auf Gladbecker Stadtgebiet ausgelaufen war, ist laut BP-Konzern beseitigt. Die Untersuchungen wurden am Dienstag abgeschlossen.

Wie berichtet, hatten Unbekannte die Methanol-Pipeline der Raffinerie in Scholven angesägt. „Uns ist ein Schaden im sechststelligen Bereich durch diesen Sabotageakt entstanden“, sagt BP-Sprecherin Stefanie Hansen. Von einem möglichen Täter fehlt noch jede Spur. Über das Motiv rätselt die Kriminalpolizei ebenfalls.

Ein Verbindung zwischen den Werken

Etwa 20 Produktleitungen verlassen die beiden Gelsenkirchener BP-Werke in Scholven und Horst. Sie verbinden einerseits die beiden Werke untereinander, beliefern aber auch die bekannten Petrochemischen Produktionsorte der Region wie der Chemiepark in Marl, Ineos Phenol in Gladbeck-Zweckel sowie die Vertriebshäfen am Kanal in Gelsenkirchen und Bottrop.

Die am vorletzten Sonntag in Gladbeck-Ellinghorst von unbekannten Tätern angesägte Methanolleitung offenbarte die mögliche Gefahr, die von oberirdischen Leitungen ausgeht. Denn diese verläuft auch in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten, Kindergärten oder Schulen.

Betriebserlaubnis bis 2036

Die Leitung wurde, so BP-Sprecherin Stefanie Hansen, in den 70er Jahren gebaut. Sie hat noch eine Betriebsgenehmigung bis 2036. Umweltschützer kritisieren oberirdische Pipelines seit Jahren. „Wir haben alle noch Mal Glück gehabt, dass nicht mehr passiert ist“, sagt Claudia Baitinger vom BUND. Methanol sei explosiv und außerdem seien bereits 30 Milliliter für den Menschen tödlich, wenn man es trinkt. Deshalb sei es fahrlässig, diese Rohre „für solche Irren, die daran herumsägen können,“ zugänglich zu machen. Der BUND fordert, dass solche Pipelines nur noch unter der Erde verlegt werden dürfen.

Was BP mit der Mehrheit der Rohre ja bereits getan hat. Von den 20 Produktleitungen, die die Gelsenkirchener Werke verlassen, läuft nur das eine oberirdisch von Scholven zum Bottroper Hafen.

Gefahrenabwehrplan erstellen

„Für solche Schadensfälle sind die Petrochemischen Unternehmen im Rahmen der rechtlichen Vorgaben verpflichtet, einen Gefahrenabwehrplan zu erstellen und den zuständigen Behörden vorzulegen“, erklärt Klaus Kruse vom Fachbereich Bevölkerungsschutz des Kreises Recklinghausen. Genaue Pläne, auch für die örtlichen Feuerwehren, die dokumentieren, „was wo in den Pipelines transportiert wird“. Absolute Profis seien bei der Schadensbekämpfung die Werksfeuerwehren, die von den örtlichen Kräften unterstützt würden. „Schadensfälle am Pipelinenetz sind äußerst selten“, beruhigt der Gefahrenabwehrexperte. In den 90er Jahren sei mal zwischen Marl und Scholven durch Bergsenkungen eine Leitung gebrochen.