Boden schwankte wie ein Schiff

Am 10. März flogen die Alliierten den wohl letzten schweren Angriff auf das Hydrierwerk in Scholven. „Es war so furchtbar wie noch nie. Die Bomben prasselten 44 Minuten auf Scholven, Bülse und Bergmannsglück hernieder. Der Boden schwankte wie ein Schiff auf See”, schrieben die Dernbacher Schwestern, die Dienst im St.-Marien-Hospital taten, in ihr Tagebuch.Die Alliierten hatten zu diesem Zeitpunkt längst am Niederrhein den Fluss überschritten und standen westlich von Dorsten und Hünxe. Gleichzeitig setzten amerikanische und britische Luftlandedivisionen im Gebiet des Hünxer Waldes großen Truppen- und Waffenkontingente ab.

Trotz dieser ausweglosen Lage trommelten die NS-Parteifunktionäre mit Durchhalteparolen auf die Bevölkerung ein. Noch am 14. März 1945 wurde ein druckfrisches Flugblatt in Buer verteilt. „Wir haben die besseren Nerven und deshalb werden wir siegen!”, versuchten die Nazis den Bueranern noch den Endsieg einzureden. Die Menschen wurden massiv eingeschüchtert: „Wer die weiße Fahne hinaushängt, wird erschossen”, drohten die Nazi-Bonzen, die sich wenig später aus dem Staub machten.