Beim Circus Wolke kommen kleine Artisten groß raus

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Was wir bereits wissen
Seit 18 Jahren gibt es an der Glück-Auf-Schule das besondere Zirkusprojekt. Ursprünglich richtete es sich an hörgeschädigte Kinder, die ihren Gleichgewichtssinn über die Kunststückchen schulten. Seit einigen Jahren ist das Projekt offen für alle Kinder von drei bis 16 Jahren.

Montags, vier Uhr in Hassel: Die kleinen Artisten des „Circus Wolke“ trainieren in der Turnhalle an der Marler Straße. Die einen laufen kunstvoll auf großen Medizinbällen, die anderen schwingen Tücher durch die Luft. Allesamt zeigen sie gern, was sie hier gelernt haben.

Rita Wahl rief das Projekt vor 18 Jahren ins Leben. Damals unterrichtete sie an der Glück-Auf-Schule für hörgeschädigte Kinder. Auf einer Fortbildung erlebte sie ein Zirkusprojekt von Schülern mit. „Ich dachte gleich, das mache ich auch.“ Ihr war klar, die Kinder profitieren auf mehreren Ebenen. „Gerade die circensischen Künste fördern das Gleichgewichtssystem“, spricht Rita Wahl, die dieses Projekt auch im Ruhestand weiter betreut, aus Erfahrung. „Das fördert die motorische Entwicklung und ich behaupte sogar auch die intellektuelle.“ In jedem Fall ist der „Circus Wolke“ ein Sinnbild dafür geworden, was Kinder trotz einer Beeinträchtigung des Hörvermögens und damit des Gleichgewichtssinns lernen können. Doch damit nicht genug. „Wir haben dann entschieden, dass wir auch integrativ arbeiten wollen.“ Und so treffen heute beim Training Kinder mit ganz unterschiedlichen Stärken und Schwächen aufeinander.

Das Einradfahren hat es Finn besonders angetan. Der Neunjährige hat nach einem Gehirntumor auf einem Auge eine stark eingeschränkte Sehkraft. „Aber im Vergleich zu anderen bin ich noch gut dran“, lacht der kleine Artist, der vor einem Jahr zum Projekt stieß. „Ich bin noch nicht mit den anderen aufgetreten. Ich übe noch das Einradfahren. Aber es geht schon ganz gut.“ Und dann gibt es noch etwas, das hat der junge Mann besonders gern. „Ich finde schön, dass wir nach dem Training gemeinsam ein Spiel spielen“, erzählt er und verrät, was dann ansteht: „Wir spielen großes Krokodil oder manchmal auch Fußball.“

Jonglieren mit Mülltüten

Auch die Kleinsten leisten hier schon Großes. Ein paar Kinder tollen mit aufgeblasenen Mülltüten durch den Raum. Tatsächlich kann man auch mit denen jonglieren. Und das zeigt, Kreativität ist hier Alles. Ständig lässt sich Zirkusdirektorin Rita Wahl neue Nummern einfallen. „Für unsere große Zirkuswoche im Sommer planen wir eine Drachen-Nummer. Denn das Motto lautet dann, Circus Wolke, so bunt wie die Welt.“

An der Seite läuft Melina auf einem großen, gelben Ball. Das klappt schon ganz ohne Hilfestellung und nach nur fünf Monaten, in denen die Achtjährige dabei ist. „Ich fange lieber gleich mit den schwierigen Sachen an“, lacht die junge Dame. „Und ich konnte nur hier üben, weil ich zu Hause nicht so einen großen Ball habe. Tücher habe ich von Frau Wahl mitbekommen. Damit übe ich auch zu Hause. Und Bälle zum Jonglieren habe ich auch.“ Dann will sie schnell wieder auf ihren Ball steigen. Damit ihn kein anderer entführt. Denn die Kleinen sind so ehrgeizig, dass ab und an ein Streit entbrennt, wer wann an welches Gerät darf. Rita Wahl bringt das zum Schmunzeln. Ihrem Konzept nämlich vom spielenden Lernen gibt das Recht.