Beckhausener Hauptschüler punkten mit Persönlichkeit

Bleibt hartnäckig: Duygu Güner (18) aus Horst.
Bleibt hartnäckig: Duygu Güner (18) aus Horst.
Foto: Funke Foto Services
Punkten mit Persönlichkeit: So lautet die Maxime der Hauptschülerinnen Duygu Güner und Berna Cufaoglu bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz als (zahn-)medizinische Fachangestellte bzw. Gesundheits- und Krankenpflegerin. Happy-End verzweifelt gesucht.

Gelsenkirchen-Beckhausen..  Jung, dynamisch, teamfähig – es gibt viele Stereotype an der Bewerbungsfront. Sie aber mit Leben zu füllen, ist die große Kunst. Dass sie dafür eine Chance bekommen, darauf hoffen derzeit Duygu Güner (18) und Berna Cufaoglu (17) von der Hauptschule Schwalbenstraße in Beckhausen: Punkten mit Persönlichkeit lautet die Maxime der zwei Zehntklässlerinnen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz als (zahn-)medizinische Fachangestellte bzw. Gesundheits- und Krankenpflegerin. Seit Monaten schon bewerben sie sich – Happy-End verzweifelt gesucht.

Rund 100 Bewerbungen hat Duygu Güner an Arztpraxien im Umkreis von etwa 30 Kilometern verschickt, „leider ohne Erfolg“, so die Horsterin enttäuscht. Zu jammern, ist ihre Sache allerdings nicht. „Ich bin mir sicher, dass der Job als (zahn-)medizinische Fachangestellte für mich der Richtige ist. Also versuche ich es weiter“, bleibt sie hartnäckig, schlechtes Image von Hauptschule hin oder her. Was die Stärken der 18-Jährigen sind? „Ich bin kontaktfreudig und emphatisch, das ist wichtig im Umgang mit Patienten. Außerdem hat mir eine Horster Kardiologie-Praxis, bei der ich ein Praktikum gemacht habe, bescheinigt, feinmotorisch sehr geschickt zu sein und eine schnelle Auffassungsgabe zu haben.“ Ekel angesichts von Blut oder Speichel? Fehlanzeige! „Das macht mir nichts aus, das ist doch natürlich.“

Sieben Mal hat die Horsterin bereits probegearbeitet, in Bochum, Gelsenkirchen, Bottrop und Herne, mit viel Spaß, wie sie betont: „Zahnfüllungen mischen, Infusionen und EKG’s vorzubereiten, das war schon toll“, schwärmt sie und lächelt.

„Klar lese ich aus der Bibel vor“

Berna Cufaoglu verfolgt ihr Ziel ähnlich konsequent: „Ich wäre bereit, im Umkreis von 50 Kilometern einen Job anzunehmen“, sagt die Bueranerin, als sie von ihrem Vorstellungsgespräch in einem christlichen Krankenhaus in Dinslaken erzählt. „Ich hatte viel über die Einrichtung recherchiert, so konnte ich die Fragen gut beantworten. Dass ich muslimischer Herkunft bin, ist für mich kein Problem. Ich würde selbstverständlich einem Patienten aus der Bibel vorlesen. In meiner Familie ist Religiösität Privatsache.“

Bester Praktikumsbericht

Nachdem sie 70 Bewerbungen abgeschickt hat, ist sie zwar enttäuscht, wenn sie wieder eine Absage erhält. Aber aufgeben? Das gilt nicht. „Ich bin engagiert und psychisch belastbar; wenn ich mir etwas vorgenommen habe, ziehe ich das durch“, betont sie (17) und verweist auf ein Lob Außenstehender: 2013 zeichnete der DGB ihren Praktikumsbericht aus einer Apotheke als besten von allen Hauptschülern in Gelsenkirchen aus.