Bäume stehen im Wege
18.01.2008 | 18:05 Uhr 2008-01-18T18:05:00+0100
Für die neue Wohnbebauung an der Christus-König-Kirche in Bergmannsglück sollen 30 Bäume weichen. Auch an der Domplatte warnt der städtische Eigenbetrieb vor dem Verlust eines „prägenden Baumbestands”.
Die Entscheidung, die Christus-König-Kirche in Bergmannsglück aufzugeben, ist längst gefallen. Und längst sind Wohnbaupläne für das Gelände geschmiedet worden. Doch nun sorgt der alte Baumbestand rund um die Kirche für Aufregung.
Die Grünexperten des städtischen Eigenbetriebes Gelsendienste haben im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens ihre Bedenken geäußert, bis auf einen alle 30 Bäume zu fällen. „Das ist alles erhaltenswerter Baumbestand”, so ein Sprecher von Gelsendienste. Besonders wertvoll, weil auch selten, seien acht japanische Schnurbäume, die in den 50er Jahren nach dem Bau der Kirche gepflanzt worden seien und „noch 100 Jahre da stehen könnten”. Diese Formation und Häufung der Schnurbäume sei einmalig für Gelsenkirchen, so Gelsendienste.
Geplant sind auf dem Gelände an der Dorstener Straße vier Mehrfamilienhäuser mit 32 Wohnungen und im hinteren Bereich an Sydow- und Niefeldstraße fünf Doppelhäuser mit zehn Einfamilienhäusern. Architekt ist der Bueraner Christian Schramm, Investoren die Gruppe DSW.
Bis auf ein Baum stehen sie alle dem Bauvorhaben im Wege. Bei einem Ortstermin diese Woche wurde nach einer Lösung gesucht. Die Stadtplaner wollen nach den Einwänden von Gelsendienste nun versuchen, auf deren Vorschlag hin wenigstens zwei Schnurbäume in einem extra auszuweisenden Grünbereich und drei weitere große Bäume an der Sydowstraße zu erhalten.
Letztlich, so erfuhr die WAZ, bleibt die Entscheidung pro oder gegen die Bäume aber eine politische, die im Rat am Ende des Bebauungsplanverfahrens getroffen wird. Die Bedenken von Gelsendienste sollen dabei erfasst werden.
Ähnlich verhält es sich auch an der Domplatte, wo bekanntermaßen ebenso das Architekturbüro Schramm mit den Investoren der DSW Pläne für eine Neubebauung hegen.
Dort droht, so Gelsendienste, ein „Totalverlust” aller zehn Bäume im Grünbereich hinter dem Domcafé, darunter „einzelne, dominante Bäume” wie eine 100 Jahre alte Kastanie, die als Naturdenkmal eingestuft ist. Das sei ein „prägender Baumbestand”, gab auch hier Gelsendienste seine Bedenken zu Protokoll. Allerdings handelt es sich dabei, so hörte die WAZ, ebenso um einen „Abwägungsprozess”, an dessen Ende eine politische Ratsentscheidung stehe.
Baurecht erst nach Bebauungsplanverfahren
Für beide Projekte laufen die dreistufigen Bebauungsplanverfahren. Während dieses Prozesses können „Träger öffentlicher Belange”, aber auch Bürger Bedenken äußern. Ob die Bedenken zu einer Änderung der ursprünglichen Planung führen, entscheidet der Rat. Erst danach besteht Baurecht. Das wird an der Christus-König-Kirche in der 2. Jahreshälfte erwartet, an der Domplatte zum Jahresende. Dann soll an beiden Stellen sofort gebaut werden.
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