Auf Spurensuche
03.04.2008 | 16:19 Uhr 2008-04-03T16:19:00+0200
Von Haus aus ist Dirk Burgdorf eigentlich diplomierter Betriebswirt und hat mit Geschichte – zumindest beruflich – nicht so schrecklich viel zu tun. Bei seinen zahlreichen Anstellungen in der ganzen Welt hat er schon so einiges gemacht.
tiefgefrorene Lebensmittel in Asien verkauft oder auch in Osteuropa mit Mobiltelefonen gehandelt. Dabei lebte er unter anderem auch schon in Berlin und Moskau.
„Wenn ich irgendwo bin, versuche ich immer, mich mit der Geschichte des Landes und der Region auseinanderzusetzen”, sagt der US-Amerikaner. „Ich besorge mir sämtliche Bücher, die ich in die Finger bekomme, lese alles durch, und hake das Ganze dann als gelernt ab.”
Bei seinem Aufenthalt in Moskau stieß er dabei allerdings an eine Grenze. Über eine Kesselschlacht im russischen Ort Cholm im Frühjahr 1942 gab es so gut wie keine Informationen, schon gar keine wissenschaftlichen. „Das hat meine Neugierde geweckt”, blickt der 49-Jährige zurück. Und so machte sich der Amerikaner an die Arbeit, recherierte selbst nach. „Ich habe bestimmt über 10 000 Suchbriefe per Post und E-Mail verschickt, um Kontakt zu Zeitzeugen beziehungsweise deren Nachkommen zu bekommen. Mit zwischen 200 und 300 Familien stehe ich mittlerweile im Kontakt.”
Darunter auch mit der von Klaus Wälken, Bäckermeister aus Horst, desse Vater Alfons im Zweiten Weltkrieg als Mitglied eines Reservepolizeibatallions im Einsatz war. „Zu solchen Einheiten wurden damals ganz normale Arbeiter und Handwerker eingezogen, die dann in Deutschland sowie in den besetzten Gebieten die öffentliche Ordnung sichern sollten”, erläutert Burgdorf.
Aus den Erinnerungen an die Erzählungen des Vaters („Wir haben eigentlich immer sehr offen über die Zeit im Krieg gesprochen” – Klaus Wälken) sowie Schriftstücke aus der Feder Alfons Wälkens konnte Burgdorf einige wichtige wie erschütternde Erkenntnisse ziehen. So findet sich unter einem langen Brief an die Familie während der Belagerung von Cholm eine Notiz des Horsters: „An diesem 12. Februar 1942 fielen allein aus Horst . . .” Es folgen sieben Namen.
Die Väter von Willi Schwerz aus Gladbeck und Willi Schembries aus Dinslaken gehörten ebenfalls zu denjenigen, die die Belagerung nicht überlebten. „Damals war ich zwei Jahre alt und habe dementsprechend keine Erinnerung mehr an meinen Vater”, so Willi Schembries. „Mein Vater wurde als vermisst gemeldet, wir wussten nicht mal ob, und wo er gefallen war.”
Dank der Recherchen von Dirk Burgdorf ließ sich dies zumindestest mit einiger Sicherheit klären: Bis auf einige Meter genau könne man die Stelle festlegen, an der Ernst Schembries gefallen ist.
Burgdorf geht es bei seiner Arbeit allerdings nicht um die deutsche Sicht, geschweigedenn eine Verherrlichung der Wehrmacht. „Ich will alle Seiten zeigen: Die der deutschen Soldaten, der mit eingeschlossenen Zivilbevölkerung und auch der angreifenden russischen Armee.”
Deshalb war Burgdorf auch schon mehrfach in Cholm. Zu einer der letzten Exkursionen nahm er auch Schembries und Schwerz mit, die beide beeindruck wie ergriffen waren von der Situation vor Ort. „Meine Mutter hatte schon mehrfach versucht, über den Verband für Kriegsgräberfürsorge nach Cholm zu reisen, was fürher aufgrund der politischen Situation in Russland nicht möglich war”, so Schwerz.
Besonders beeindruckte die Besucher die Haltung der Zivilbevölkerung, die den Krieg zum Teil miterlebt hatten. Schwerz: „Es gab überhaupt keinen Groll geschweige denn Aggressionen gegen uns Deutsche. Stattdessen konnte man sehr offen mit den Menschen dort über das Erlebte reden. Mit der Deutschlehrerin der örtlichen Schule stehe ich immer noch in Kontakt.”
14:05
Ich denke, Greueltaten sind sicher auf beiden Seiten geschehen, Wir dürfen (als Deutsche) nicht vergesen, dass dieser Krieg von Deutschland ausging! Aber es gab auch menschenwürdiges Miteinander (habe diesbezüglich Briefe von meinem Vater), es hing, wie immer, viel von dem Einzelnen ab. Jeder trug auch eine Teilverantwortung, davon spreche ich niemanden los. Und wenn es zeitweilig nur Sympathie mit dem braunen Regim war (darum schweigt wohl auch die Generation der Beteiligten). Heute sollte das entsetzliche Gechehen klug machen und uns verbinden, die Geschichte aufzuarbeiten, damit sie sich nicht wiederholt. denn, - Fanatiker und Idioten gibt es immer und überall.
Ich freue mich über die internationale Zusammenarbeit und Unterstützung, die wir bei der Suche nach Vermißtenschicksalen erfahren. Diese Suche verbindet die Menschen, der Einzelne bekommt ein Gesicht. Ein Kampf kann nicht mehr anonym geführt werden
15:38
Sehr geehrter Herr Jordan,
ich habe zufällig den Bericht des Herrn Burgdorf gelesen, auf den Sie so aggressiv reagieren. Mein Vater fiel ganz in der Nähe von Cholm 1941 (bevor es diesen Kessel gab) durch einen sowjetischen Scharfschützen, er war Sanitätssoldat und trug die Sanitätsarmbinde. Bei meinen Nachfroschungen zu den konkreten Kampfum-ständen seines Todestages, stieß ich in einem Archiv auf einen Kampfbericht in dem es heißt : Unsere verwundeten Kameraden (die wiedergefunden wurden K.S.) wurden viehisch umgebracht. Weitere Nachforschungen ergaben, dass diese Verwundeten meist durch Augen ausstechen, Zunge abschneiden, Kehle durchschneiden u.a. Grausamkeiten umgebracht wurden. Tausende noch lebende Heimkehrer können Ihnen so etwas bestätigen.
Noch Fragen ?
Übrigens : i c h habe genau so wenig Groll wie die russsichen Menschen die ich dort wiederholt traf und ich freue mich, dass ausgerehcnet ein Amerikaner so viel für die Verständigung der ehemaligen Kriegsgegner tut.
09:58
Die Angehörigen der Polizeibatallione haben abertausende Morde in besetzten Gebieten begangen. Dazu gehören auch die Männer des Polizeibatallions 65. Zitat aus dem Waz-Artikel:
„Zu solchen Einheiten wurden damals ganz normale Arbeiter und Handwerker eingezogen, die dann in Deutschland sowie in den besetzten Gebieten die öffentliche Ordnung sichern sollten”.
Vom Massenmord der Polizeibatallione ist keine Rede - eine absolut beschämende Sichtweise.
23:12
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