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Auf eigenen Wegen

26.12.2010 | 14:39 Uhr
Auf eigenen Wegen

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sagt man. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Calder-Frauen eines teilen: die Liebe zur Bühne.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sagt man. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Calder-Frauen eines teilen: die Liebe zur Bühne.

Schon die Großmutter nähte Kostüme, meistens für die kleine Linda, die in der fernen Heimat Südafrika das Ballett für sich entdeckt hatte. Hier streifte sie zum ersten Mal das Tutu über und entwickelte die Vision von einer großen Tanzkarriere. „Mit zehn Jahren habe ich gesagt, ich werde die weltbeste Tänzerin, wartet mal ab“, lacht Linda Calder. Getrieben von so viel Ehrgeiz wollte sie nach Europa. Dahin, wo die Kultur in ihren Augen wichtiger Bestandteil des Lebens war. „Alle wollten nach Europa. Denn hier gibt es die geballte Kunst.“ Über London kam die Ballett-Tänzerin nach Deutschland. Über sechzig Theater gab es damals hier, die eine Tanzbühne hatten. Für Linda Calder war das ein El Dorado, in dem sie ihre Leidenschaft leben konnte. „Meine Liebe zum Tanz war sehr groß. Und sie ist es immer noch. Das Tanzen war mein Leben. Ich war und bin damit sehr glücklich - und ich hatte immer genug zu essen.“ Dafür sorgten die Engagements, die Linda Calder schnell bekam. Obwohl sie mit ihren 1,55 Metern nicht unbedingt Idealmaße mitbrachte. „Ich musste Solistin sein, weil ich so klein war.“

Nach kurzer Station in Würzburg ging die Tänzerin nach Ulm. Dort war Bernd Schindowski stellvertretender Ballettchef. Eine Begegnung, die das Leben der Südafrikanerin prägte. „Zehn Jahre lang war ich seine erste Solotänzerin.“ Erst in Ulm, dann in Gelsenkirchen. Dahin folgte sie dem Choreographen. „Wenn man am Theater ist, ist man nicht an eine Stadt gebunden. Wir sind Zigeuner. Aber das Ruhrgebiet war für mich ein Schock. Ich habe gedacht, hier bleibe ich nicht lange. Und jetzt ist hier mein Leben“, erzählt die 55-Jährige.

In Gelsenkirchen hatte Linda Calder große Rollen. Sie brillierte etwa in „Cinderella“: „Da war ich am besten.“ Mitten in den Proben zu „Romeo und Julia“ wurde die Wahl-Bueranerin schwanger. Die Premiere tanzte sie im sechsten Monat. Noch im Mutterbauch stand Tochter Samira das erste Mal auf der Bühne.

Doch damit war der Lebenslauf nicht vorgegeben. Zwar tanzte die Kleine in der Tanzschule der Mutter, aber schnell stand fest: Das ist nichts für Samira. Mit 15 Jahren ging sie ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus, lernte Schauspiel bei Ulrich Penquitt und hatte in dessen Theatergruppe bald die erste Hauptrolle. „Da haben wir den Faust gespielt. Und ich war das Gretchen.“ Nach dem Abitur wollte Samira Schauspiel studieren. In der Vorbereitungszeit auf die Prüfungen machte sie Praktika, lotete die eigenen Interessen aus und nahm privaten Schauspielunterricht. Unter anderem an der Akademie des Wanne-Eickeler Mondpalastes, wo sie bald ihre erste Rolle angeboten bekam. In den „Kammerspielchen“, der kleinen Bühne des Mondpalastes, war sie im Stück „Frau Pieselowski, Libuda und ich“ zunächst Libuda und jetzt die Emma Montakowski, eine Hauptrolle. Bis Dezember steht Samira Calder sogar auf der Bühne des großen Hauses, hat eine Rolle im Stück „Die Indianer vom Revier“. Und zusätzlich ist sie seit Februar die Assistentin von Intendant Thomas Rech.

Auch wenn für Samira Calder derzeit die Komödie im Vordergrund steht, die Charakterrolle des Gretchens hat sie nicht vergessen. „Es macht sehr viel Spaß, im Mondpalast zu spielen. Ich würde mich aber gerne noch nicht auf ein Genre festlegen und offen bleiben“, meint die 23-Jährige, die mittlerweile ausgezogen ist und in Bochum lebt. „Mit Blick auf das Schauspielhaus“, lacht sie. Jede freie Minute verbringen Mutter und Tochter zusammen, immer wieder arbeiten sie auch gemeinsam oder bewundern nur die Arbeit der anderen. „Ich freue mich, dass Samira auf der Bühne steht“, so die Mutter. „Und ich bin stolz, dass sie ihren eigenen Weg gefunden hat.“

Kira Schmidt

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