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Auf eigenen Füßen

16.08.2011 | 18:34 Uhr
Auf eigenen Füßen
Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer.  Der 59-Jährige ist Vorsitzender des Heimbeirates von St. Rafael in Horst, Tierpfleger auf Hof Holz und Mitglied des Schalke-Fanclubs „Die wilden Rafaellos“.

Als Franz-Joachim John (59) auf die Welt kam und Komplikationen bei der Geburt zu einer geistigen Behinderung führten, war für seine Eltern klar, dass sie ihren Sohn so gut wie möglich zur Selbstständigkeit erziehen wollten. Kochen, Wäsche waschen, bügeln: Trotz dieser und anderer Aufgaben, die er im elterlichen Haushalt übernahm, musste er feststellen: „Bei Mama kriegt man ja alles abgenommen.“ Im Oktober 1988 setzte er seinen Wunsch, sein eigenes Leben zu meistern, in die Tat um: Er zog in ein Wohnheim ein. Eine Entscheidung, die der „behütete Junge“ (John über John) nicht bereute. Im Gegenteil: 2005 wechselte er in eine Außenwohngruppe des Caritas-Hauses St. Rafael in Horst, die ihm noch mehr Selbstständigkeit ermöglicht. Während seiner Tätigkeit in der Werkstatt für Behinderte hatte er davon erfahren. Sofort stand für ihn fest: „Da will ich rein!“

Zur Arbeit gehen, den Alltag meistern, Einkäufe erledigen, Freizeit gestalten: Das alles gehört zu den Aufgaben, die die vier Männer in der Außenwohngruppe weitestgehend allein bewerkstelligen müssen. Dabei werden sie von Marco Dieckmann unterstützt, der als Alltagsbetreuer Hilfe zur Selbsthilfe anbietet, immer dann, wenn sie benötigt wird.

Nach Jahren der Tätigkeit in der Werkstatt arbeitet John jetzt als Tierpfleger auf Hof Holz. Nach dem Dienst kümmert er sich als Vorsitzender des Heimbeirates um die Bedürfnisse seiner Mitbewohner: mit den Bewohnern sprechen, Einladungen für die nächste Sitzung schreiben und schauen, wie der Wunsch nach einer Sauna für das Haus in die Tat umgesetzt werden kann. Allem Engagement zum Trotz bleibt noch etwas Zeit übrig, den FC Schalke 04 tatkräftig zu unterstützen - als Mitglied des Fanclubs „Die wilden Rafaellos“. Aber Franz-Joachim John beruhigt: „So wild wie es sich anhört, sind wir aber nicht.“

Wolfgang Laufs

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