Auf dem Rückzug wurden alle Kanalbrücken gesprengt

Kanal - Fähre in Höhe der Münsterstraße in Erle - Bismarck (1945 - 1950 ) . Kenterung am 07.04.1946 . Eingereichtes Fremdbild Gelsenkirchen - Buer
Kanal - Fähre in Höhe der Münsterstraße in Erle - Bismarck (1945 - 1950 ) . Kenterung am 07.04.1946 . Eingereichtes Fremdbild Gelsenkirchen - Buer
Foto: Fremdbild
Was wir bereits wissen
Vor 70 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende. Im März 1945 mussten die Menschen in Buer und Horst noch schreckliche Kriegstage über sich ergehen lassen. Die Alliierten flogen noch einmal verstärkt Luftangriffe.

Gelsenkirchen-Buer..  Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner erlebte Buer am Gründonnerstag, 29. März, noch einen schweren Bombenangriff. Um 16.30 Uhr luden alliierte Verbände zum letzten Mal ihre tödliche Last über dem Stadtnorden ab. 56 Tote und zahlreiche Zerstörungen waren zu beklagen. Gleichzeitig lagen Buer und Horst an diesem Tag unter Artilleriebeschuss. Durch Granatsplitter wurden fünf Bueraner getötet.

In Scholven drangen an Gründonnerstag die ersten amerikanischen Kämpfer über die Feldhauser Straße ein. Sie stießen noch auf vereinzelten Widerstand. Die letzten Soldaten flohen Richtung Herten. Panzer verwüsteten Gärten und Höfe, während sich die Menschen in den Bunkern und Kellern ängstigten. Auch über die Dorstener Straße rückten die Amerikaner vor. Ihre Geschütze richteten sie auf Buer-Mitte. Auf der Feldhauser Straße wurden sie noch einmal gestoppt: Ein flüchtender Wehrmachtssoldat hatte per Panzerfäuste zwei Panzer vernichtet. An gleicher Stelle errichteten am Abend die Amerikaner schwere Artillerie, die auch gezielt den Turm der St.-Urbanus-Kirche beschoss – weil sie dort Melder vermuteten. Bislang hatten sie den Turm verschont, weil er ihnen Orientierung gab. Opfer des Artilleriefeuers wurde auch die Rathauskuppel, wo anschließend die Flammen loderten.

Von Gladbeck aus drangen die Alliierten über die Heege nach Buer mit Sherman-Panzer vor. Am Straßenrand der Gecksheide hatten sich zwei deutsche Infanteristen eingegraben, mit einem Maschinengewehr und zwei Sturmgewehren wollten sie die Amerikaner aufhalten. Vom Turm der St.-Lamberti-Kirche in Gladbeck aus wurden sie beschossen. Wenige Stunden später waren die amerikanischen Einheiten in die Heege vorgestoßen. Beide deutsche Soldaten hatten sich ergeben.

Von Polsum stadteinwärts

In Hassel drückten am Gründonnerstagabend die Amerikaner von Polsum aus stadteinwärts. Sie wurden von Resten der 116. deutschen Panzerdivision nördlich der Valentinstraße noch einmal aufgehalten.

In Horst schleppten sich die letzten versprengten deutschen Soldaten durch die Buerer Straße Richtung Buer. Auf kleinen Handwagen und in alten Kinderwagen schleppten sie ihre Waffen, Panzerfäuste und Maschinengewehre mit. Auf der Rennbahn und bei Bauer Becks verließen die letzten Flakhelfer ihre Stellungen.

Ohne Verbindung zum Stadtsüden

Die Brücken über den Kanal (nach Gelsenkirchen und Essen) wurden gesprengt. Auch in Erle und Sutum sprengten die zurückweichenden deutschen Soldaten die Brücken über Kanal und Emscher. Die gewaltigen Detonationen in den Abendstunden des 28. März 1945 waren weit zu hören, sie ließen Scheiben an Kirchen und Häusern zersplittern. Die Sprengung war eine sinnlose Tat der zerbrechenden Wehrmacht, letztlich ohne jeden militärischen Erfolg. Buer und Horst aber waren für lange Zeit ohne Verbindung zum Stadtsüden.

In Erle beklagte man mit der Sprengung der Brücke Münsterstraße den Verlust der wichtigen Verbindung nach Bismarck und weiter nach Alt-Gelsenkirchen. Noch Tage litten die Erler unter Artilleriebeschuss von der Südseite. Erst am 7. April sollten die Amerikaner die ganze Kanalzone einnehmen.