Auch nach 100 Jahren ist St. Josef noch sangeslustig

Der Kirchenchor St. Josef feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.
Der Kirchenchor St. Josef feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Chor der Scholvener Gemeinde feiert in diesem Jahr Jubiläum und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Gegründet als Männerschola konnte der Chor während der Kriegswirren doch nur durch viele singende Frauen fortbestehen.

„Der Winter ist vergangen, ich seh des Maien Schein, ich seh die Blümlein prangen, des ist mein Herz erfreut.“ Das Lied des Kirchenchores St. Josef scheint wie für diesen Frühlingstag gemacht. Durch das Fenster erreichen noch die letzten Strahlen der Sonne die Sänger, die freudig an ihr Probenwerk gehen.

Denn in diesem Jahr steht dem Chor Besonderes bevor: Er feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Tatsächlich bedeutet das, der Chor wurde im Ersten Weltkrieg gegründet. „Da gab es hier in Scholven noch die Notkirche“, weiß Lydia Krawert. „Damals fanden sich ein paar Jungen und Männer zusammen. Zunächst gab es einen Knabenchor und eine Männerschola.“ Schon bald aber wurden Frauen aufgenommen. Und die sorgten zwischenzeitlich für das Fortbestehen des Chores. „Im Zweiten Weltkrieg war der Chor zwischenzeitlich ein Damenchor.“ Die meisten Männer waren ja an der Front.

In der Hauptsache geistliche Literatur

Während der vergangenen einhundert Jahre gestaltete und prägte der Chor von St. Josef das Geschehen in der Gemeinde. Nahezu immer lag der Schwerpunkt der Literatur auf geistlichen Kompositionen. Mit einer Ausnahme: „In den 90er Jahren haben wir auch weltliche Stücke gesungen“, erinnert sich Lydia Krawert. Heute ist das wieder in den Hintergrund gerückt. Manchmal allerdings stehen doch weltliche Lieder auf dem Programm, wenn man Aktionen durchführt, die etwas Geld in die Chorkasse spülen sollen. An einen musikalischen Höhepunkt erinnert sich Lydia Krawert besonders gut. „Wir haben mal eine Uraufführung gesungen. Das war die Messe in C vom buerschen Komponisten Alfred Berchhorn.“

„Ich geh, ein Mai zu hauen, hin durch das grüne Gras, schenk meinem Buhl die Treue, die mir die liebste war.“ Echte Frühlingsgefühle werden hier besungen. Immer unter der Leitung von Angelika Bickel, die spürbar das Beste aus ihrem Chor herausholen will. „Bitte nicht Winta wie Vatta“, mahnt sie eine korrekte Aussprache an. Und weiter: „Die rechte Seite ist schneller – dabei kommt es nicht darauf an, wer als erster fertig ist.“

Noch 24 Sänger gehören zum Chor

Unter den singenden Damen sitzt auch Anneliese Grosch. Als 14-jähriges Mädchen trat sie 1939 in einen Chor in Hassel ein, kam 1954 zum Kirchenchor von St. Josef. Sie weiß noch genau, wie es damals in allen Chören war. „Als ich anfing, waren alle Männer eingezogen.“ Da mussten eben die Damen ran. Das Singen blieb die Leidenschaft der 90-Jährigen, trotz Hausfrauen- und Mutterpflichten. „Ich hatte das Glück, dass meine Mutter auf die Kinder aufpassen konnte. Mein Mann sang auch hier im Chor. So was kann man nur durchhalten, wenn man das zusammen macht. Wenn nicht beide Partner an einem Strang ziehen, geht das nicht.“

Anneliese Grosch sang auch weiter, nachdem sie ihren Mann verloren hatte. „Ich hab das immer gern gemacht. Ich kann mich nicht verabschieden“, lacht sie. Auch darüber, dass schnell die anderen bekunden, man brauche sie auch dringend. Denn wie so oft hat auch der Kirchenchor St. Josef Personal verloren. Aktuell sind noch 24 Sänger an Bord. Für die Festprogramme zum Jubiläum setzt man daher auch auf Projektsänger.

Chorleiterin Angelika Bickel achtet auf Details

Noch immer feilt Angelika Bickel am Frühlingslied. „Die Auftakte nicht so schwer nehmen. Die Betonung ist immer auf der Eins, nicht auf der Vier im vorherigen Takt. Das ist nur der Auftakt.“ Ihre Kritik trägt schnell Früchte. Beim dritten, vierten Durchgang klingt das beschwingte Lied so gut, dass man gleich mitsummen möchte.