Archivare diskutieren: Was geschieht mit Schul-Unterlagen?

Katrin Bürgel, die Leiterin des Stadtarchivs der Stadt Gladbeck: In der Nachbarstadt fand der Kongress statt.
Katrin Bürgel, die Leiterin des Stadtarchivs der Stadt Gladbeck: In der Nachbarstadt fand der Kongress statt.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Rund 200 Fachleute befassen sich beim 67. Westfälischen Archivtag des LWL mit dem Thema „Zwischen Pädagogik und Paragraphen.

Was geschieht eigentlich mit den Unterlagen von Schulen, die geschlossen werden oder fusionieren? Eine Frage, mit der sich nun der 67. Westfälische Archivtag befasste, den der LWL ausrichtet.

Die Antwort von Prof. Stefan Goch vom Institut für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen ist da eindeutig: „Wie jede öffentliche Einrichtung sind Schulen verpflichtet, uns ihre Unterlagen anzubieten. Wir überprüfen dann, was dauerhaft zu erhalten ist aus rechtlichen oder historischen Gründen.“ Letzteres nämlich sei auch wichtig, schließlich handele es sich um das konservierte Gedächtnis einer Schülerschaft einer bestimmten Zeit.

Schulchroniken interessieren

„Uns interessieren vor allem die Schulchroniken. Aber auch Abiturarbeiten spiegeln den Zeitgeist. Daher wird auch hiervon ein repräsentativer Durchschnitt aufgehoben.“ Oftmals verbleiben Akten so lange es möglich ist in den schuleigenen Registraturen. So etwa ist es in Hassel, wo die Hauptschule ausläuft.

„Die Akten bleiben selbstverständlich im Haus und wenn jemand Einsicht nehmen möchte, ist das möglich“, so Ulrich Möller von der Hauptschule Eppmannsweg. Und da die Sekundarschule Hassel den Staffelstab von der Hauptschule übernimmt, wird sie sich auch um die Akten weiter kümmern. Eine Aufgabe übrigens, die noch lange bleibt. Denn auch im digitalen Zeitalter wird in Schulen noch viel auf Papier geschrieben.

200 Fachleute aus ganz Deutschland

Mit diesem Problemfeld befassten sich jetzt rund 200 Fachleute aus ganz Deutschland beim 67. Westfälischen Archivtag, den der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ausrichtet. Ort der Tagung mit der Überschrift „Zwischen Pädagogik und Paragraphen“ war erstmals Gladbeck.

Dass dieses Thema keineswegs ein Luxusproblem ist, sondern buchstäblich jeden berührt, macht Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL Archivamtes, an einem Beispiel deutlich: Jemand braucht von seiner ehemaligen Schule, die mittlerweile geschlossen ist, eine Zweitabschrift seines Abschlusszeugnisses. Wenn er Pech hat, ist das im Schredder gelandet. Dabei müssten Zeugnisse grundsätzlich 50 Jahre behalten werden. Alte Akten sind der neuen Schule zur Aufbewahrung zu übergeben oder vom zuständigen Archiv in Auswahl zu übernehmen, wenn sie in den Schulen nicht mehr gebraucht werden.

Historischen Quellen von morgen

Aber was aus dem Wust von Papier wird (dauerhaft) gesichert, landet in einem Archiv? Und wie wird in Zeiten elektronischer Daten Material bewahrt? Experten richten den Blick darauf, ob Material später Fragen zu unserem Schulwesen beantworten kann. „Mit der archivischen Übernahme von Unterlagen wird eine wichtige Basis geschaffen, damit werden die historischen Quellen von morgen in den Archiven gebildet“, so Michael Pavlicic, stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe. Dafür wollen die Experten „das Bewusstsein schärfen“.