Antreten zum Zählappell (nicht nur) in Buer

Mobile Datenerfassungsgeräte erleichtern den Kaufleuten die Inventur. Sie scannen die Codes und ermitteln so Artikelart, Menge und Einkaufsdatum.
Mobile Datenerfassungsgeräte erleichtern den Kaufleuten die Inventur. Sie scannen die Codes und ermitteln so Artikelart, Menge und Einkaufsdatum.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Antreten zum Zählappell: Diesem Ruf des Gesetzgebers müssen derzeit viele Händler folgen – es ist Inventurzeit. Das Stöhnen bei den befragten Kaufleuten in Gelsenkirchen-Buer hält sich aber in Grenzen. Einigen macht das Zählen gar Spaß.

Gelsenkirchen-Buer..  Geld zählen: Diese abendliche Pflicht erledigen Händler nicht ungern. Aber den gesamten Warenbestand? Es ist Inventurzeit in deutschen Landen, und da schallt ein kollektiver Seufzer durch die Geschäfte, sollte man meinen. In Buer hält der sich aber (bei den befragten) Ladeninhabern in Grenzen. So mancher hat sich schlicht damit arrangiert – und andere finden’s gar richtig spannend, etwa den Bestand an Schlauchschellen, Gläsern und Gartenzaun-Pfostenkappen zu notieren. Ein Bericht vom Zählappell an der Inventurfront.

„Eins, zwei, drei...“ Die Zeiten, in denen Susanne Polte, Inhaberin des Haushalts- und Eisenwaren-Fachgeschäfts Leifeld an der Horster Straße in Buer, ihre 13 000 Artikel von Hand zählen musste, sind vorbei. „Seitdem wir 2002 unsere Warenwirtschaft eingeführt haben, scannen mobile Datenerfassungsgeräte die Codes der einzelnen Artikel ein, erfassen so die Daten und gleichen sie mit dem Sollbestand ab. Ich muss sie dann am Ende auswerten“, sieht die 43-Jährige den Aufwand in Grenzen – auch wenn sie der Inventur erst gerade einen freien Sonntag geopfert hat. „Von 9.30 bis 17.30 Uhr waren wir im Geschäft, den Rest machen wir jetzt bei laufendem Betrieb.“

„Es macht auch Spaß“

Art der Artikel, Menge, Einkaufsdatum und Wert listet das Datenerfassungsgerät für die Geschäftsjahres-Bilanz 2014 auf mit dem Ziel, Abweichungen zwischen dem Ist- und Sollbestand festzustellen. „Manches wird gestohlen oder im Rechner falsch erfasst. Da ist es manchmal schon Detektivarbeit, den Fehler zu finden“, berichtet Susanne Polte und greift in ein Fach mit Drahtseilklemmen und Fußkappen für Stühle. „Solche Klein-Artikel besonders aus dem Eisenwaren-Bereich müssen wir natürlich sehr wohl von Hand zählen. Rund 5000 sind das. Aber mir macht es auch Spaß, in Ecken rumzukramen und Waren wiederzuentdecken. Das hilft mir, einen besseren Überblick zu behalten.“

Früher war der Aufwand größer

Auch ihr Mitarbeiter Sigmund Taube (56) hält den Aufwand mittlerweile für „ok“, kennt er doch noch die Zeiten, als alle Waren auf riesigen Karteikarten erfasst waren „und wir immer zwischen den Karteikästen und den Waren hin- und herlaufen mussten“.

Auch Dorothee Decker, Inhaberin von Lederwaren Droste an der Hochstraße in Buer, sieht die Inventur inzwischen recht gelassen. „Mein Sohn und eine Mitarbeiterin scannen Taschen, Koffer und Schmuck bei laufendem Betrieb. Die Zeiten, als ich das mit meinem Mann zwischen Weihnachten und Neujahr gemacht habe, sind zum Glück vorbei. Heute ist das Ganze auch wegen der Technik nicht mehr so aufwändig.“

Carola Theiß, Inhaberin von Lederwaren Theiß, kann dagegen bereits aufatmen: Sie hat die Inventur – mit Hilfe extra angestellter Aushilfen – schon hinter sich. „Dafür haben wir im letzten Monat das Geschäft einen Tag geschlossen und fünf, sechs Stunden durchgezählt.“ Die Waren – insgesamt mehrere Tausend Taschen, Handtücher und Bettwaren – gut vorzusortieren, sei „die halbe Miete“. Und mit Schnittchen und Kaffee ging’s doppelt flott von der Hand.