Annemarie Kortenbruck: Mutterglück hoch zehn

Zog mit ihrem Mann zehn Kinder groß und engagierte sich nebenbei noch ehrenamtlich – bis heute: Annemarie Kortenbruck (89) aus Resse.
Zog mit ihrem Mann zehn Kinder groß und engagierte sich nebenbei noch ehrenamtlich – bis heute: Annemarie Kortenbruck (89) aus Resse.
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Was wir bereits wissen
Der liebe Gott kann zählen: Erst hieß es, Annemarie Kortenbruck könne gar keinen Nachwuchs bekommen. Eine große Enttäuschung für die Lehrerin, schließlich wünschte sich ihr Mann Werner vier, sie selbst sechs Kinder. Am Ende wurden’s zehn.

Gelsenkirchen-Resse..  Der liebe Gott kann zählen: Erst hieß es, Annemarie Kortenbruck könne gar keinen Nachwuchs bekommen. Eine große Enttäuschung für die Lehrerin, schließlich wünschte sich ihr Mann Werner vier, sie selbst sechs Kinder. Am Ende wurden’s zehn – vier Mädchen, sechs Jungen. „Über Langeweile konnte ich mich nie beklagen“, mag die Resserin (89) aber nicht jammern. Sie lenkt den Blick lieber auf das, was sie sonst noch auf die Beine stellte: eine Hausaufgabenbetreuung in der Grundschule, eine Schulbus-Linie und, bis 2014, zahlreiche Projekte als Caritas-Vorsitzende auf Pfarreiebene.

Verantwortung für eine große Familie zu übernehmen: Das konnte siee als Mädchen im heimischen Solingen schon früh lernen. Gerade 16 war sie, als sie mit dem Rad zum Hamstern für die zwölfköpfige Familie bis hinter Honnef fuhr.

Erste Waschmaschine mit 4. Kind

Nach dem Krieg folgten ihr Studium in Köln und Essen, 1950 das Examen – ihren Werner, ebenfalls angehender Lehrer, hatte sie bereits 1948 kennengelernt –, 1952 dann die Heirat und der Umzug nach Gelsenkirchen, in die Geburtstadt ihres Mannes. „Unsere Mansarde unterm Dach war elf Quadratmeter groß, ohne Licht und Wasser. Erst sechs Wochen vor der Geburt unseres Sohnes konnten wir umziehen. 34 Quadratmeter hatten wir ab dann. Da die Wohnungen immer schnell zu klein wurden, war großes Organisationsgeschick gefordert.“

Wegwerfwindeln, Waschmaschine, Kühlschrank: All das gab’s damals noch nicht. „Die Windeln mussten gekocht und im Zinkwännchen gespült werden. Ganz schön aufwendig war das. Erst als das vierte Kind auf der Welt war, bekamen wir eine halbautomatische Waschmaschine und einen Kühlschrank“, erinnert sie sich.

Mann war große Hilfe

Der Wunsch nach unentgeltlichem Urlaub für die Zeit der Kinderbetreuung, nein, der wurde der Lehrerin nicht erfüllt. „Stattdessen gab es als Abfindung zwei Monatsgehälter à 252 Mark, davon kaufte ich mir eine Nähmaschine, um Kleidung für die Kinder zu nähen. Das hat uns sehr geholfen.“

Eine große Hilfe war aber auch ihr Mann – lange bevor gleichberechtigte Aufgabenverteilung im Haushalt selbstverständlich war. „Die Leute guckten zwar dumm, aber er war sich nie zu schade, den Kinderwagen zu schieben. Er hat auch immer auf dem Markt und beim Metzger eingekauft und später sonntags sogar selbst gekocht.“

Dass der Nachwuchs früh mitanpacken musste, verstand sich von selbst: Schuhe putzen, Essen kochen, Tisch decken. „Alles ging Hand in Hand, dazwischen war Zeit für Gespräche. Es war die einzige Gelegenheit, wo alle beisammen waren.“ Im Rückblick, sagt sie selbstkritisch, seien sie als Eltern doch recht sparsam mit Lob und Zärtlichkeit gewesen, hätten vielleicht mehr Strenge gezeigt als nötig. „Es mussten eben alle ihren Beitrag leisten zur Familie. Ich kannte es ja auch aus meinem eigenen Elternhaus nicht anders.“