Am frühen Morgen hörte der Beschuss in Resse auf

Schwer beschädigt wurde die St.-Barbara-Kirche in Erle bei den Bombenangriffen in den letzten Kriegstagen.
Schwer beschädigt wurde die St.-Barbara-Kirche in Erle bei den Bombenangriffen in den letzten Kriegstagen.
Foto: WAZ Archiv
Was wir bereits wissen
Am 31. März endete der 2. Weltkrieg in Resse und Erle im Gelsenkirchener Norden. Amerikanische Truppen rückten am 31. März 1945 mit Panzern und GI’s in Tarn- und Kampfanzügen in die Ortsteile ein. Noch in der Nacht hatte die alliierte Artillerie von Hugo-Ost aus Resse unter Beschuss genommen.

Am 31. März 1945, einen Tag später als in Buer und Horst, ging auch in Resse und Erle der 2. Weltkrieg zu Ende: Amerikanische Truppen rückten am Morgen mit Panzern und GI’s in Tarn- und Kampfanzügen sowie Maschinengewehren im Anschlag in die Ortsteile ein.

Noch in der Nacht hatte die alliierte Artillerie von Hugo-Ost aus Resse unter Beschuss genommen. Für Resses damaligen Pfarrer Clemens Kitten waren es „eiserne Grüße” der Amerikaner, wie er in seiner Chronik festhielt. Zwei Granaten trafen auch noch das St.-Hedwig-Hospital, so Kitten. Bald darauf fiel der elektrische Strom aus, und auch die Wasserversorgung war unterbrochen.

Unheimliche Stille

In der Morgendämmerung hörte der Beschuss auf, „und es trat eine unheimliche Stille ein”, so ein Zeitzeuge. Gegen 10 Uhr an diesem Karsamstag schossen die heranrückenden Panzer noch einmal auf Resse, wo wenig später aus vielen Häusern weiße Betttücher herausgehängt wurden. Die Nazibonzen hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits als Wehrmachtsoffiziere getarnt, ihre Geschäftsstelle im Eckhaus Am Markt selbst verwüstet, Akten und Bücher vernichtet und sich aus dem Staub gemacht.

Noch am Karsamstagmorgen rückten die Alliierten ein. „Eine dichte Kolonne von Panzern rollte langsam über die Hertener Straße heran”, heißt es in einem Augenzeugenbericht. Neben den Panzern gingen Soldaten mit MG’s im Anschlag. Etliche Resser standen mit weißen Taschentüchern am Straßenrand, wurden aber von deutsch sprechenden Soldaten in die Häuser geschickt.

Resse glich einem Heerlager

Jedes Haus wurde durchsucht, in der Hertener Straße 68 eine Ortskommandantur eingerichtet. Am Ostersonntag 1945 glich Resse einem Heerlager.Erle wurde ohne Kampf besetzt, ebenso am Karsamstag, 31. März. Es gab keinen Widerstand mehr, als die Amerikaner mit Panzern über die Heistraße Richtung Süden zogen. Über die Frankampstraße rückte die Infanterie vor.

In Horst, das Karfreitag eingenommen worden war, hörte man am Karsamstag von Ferne Geschützdonner der weiter ziehenden Front. Im Ort selbst war es ungewöhnlich ruhig. „Es war ein ungeheuer befreiendes Gefühl, zu wissen, dass es bei uns keine Luftangriffe mehr gab”, erinnert sich ein Horster.

Militärlastwagen hatten den Amtsplatz besetzt

An vielen Straßenecken patrouillierten Posten mit umgehängten Gewehren. Schwere Militärlastwagen hatten den Amtsplatz besetzt und versperrten fast die ganze Gladbecker Straße. An einigen Stellen standen Artilleriegeschütze, sie feuerten immer wieder in Richtung Süden, wo sich die deutschen Stellungen befanden.

Das Sagen hatte im besetzten Stadtnorden der amerikanische Stadtkommandant Leutnant Schwobeda. Die Besatzungsbehörde setzte in den Stadtteilen noch am Osterwochenende vorübergehend Bürgermeister ein. Sie ordnete an, dass sich alle Männer, die seit Juli 1944 Wehrmacht, SS, SA oder Gestapo angehört hatten, bis zum 2. April im Polizeigebäude gegenüber dem Rathaus zu melden hatten. Unter Führung des Polizeihauptmannes Michel wurde eine Polizei gebildet.