Allein unter Frauen
21.02.2012 | 16:48 Uhr 2012-02-21T16:48:00+0100
Gelsenkirchen-Buer. Beim jüngsten Poetry Slam in der Werkstatt an der Hagenstraße gaben vor allem frauen den Ton an.
Die erste Pause des buerschen Poetry Slams ist vorbei. Ruby tritt auf die kleine Bühne in der Werkstatt an der Hagenstraße, zwei Texte hat sie mitgebracht. „Lustig oder wieder deprimierend“, fragt sie ins Publikum. „Lustig“, lechzen die rund 80 Besucher.
Vor der Unterbrechung haben vier Teilnehmerinnen ernste, philosophische und teils dramatische Töne angeschlagen. Slammerin Ann-Kathrin beispielsweise macht das Ende einer langen Freundschaft zu ihrem Thema. Sie arbeitet mit schönen Bildern, allerdings lässt ihr Werk den Zuhörer stellenweise etwas ratlos zurück. „Wir sind zwei“, ist die scheinbar perfekte Pointe, doch das Stück geht weiter.
Sarah, die zweite Kandidatin, steht nicht zum ersten Mal auf der Bühne des Poetry Slams– was ihr anzumerken ist. Welches Wort ist wahrhaftig, fragt sie sich und ihr Publikum. Sie moniert Floskeln und leere Phrasen, indem sie sie geschickt selbst einbaut. „Manchmal ist es besser“, so ihr Fazit, „wenn man gar nichts sagt – und schweigt.“ Das gilt aber nicht für sie, findet das Publikum, und wählt sie ins Halbfinale. Dorthin folgt ihr Slammerin Dunja mit ihrem Gedicht „Großstadtleben“, das die Hektik dieses Lebens abbildet und interessante Gedanken zutage bringt. Allerdings fällt es ab, denn es ist nicht so fein, so elegant konstruiert wie andere Stücke an diesem Abend.
Etwas grob ist auch Zerrins Beitrag, der sich mit dem Thema Suizid beschäftigt. Ein schmaler Grat, denn ihr Anliegen ist dramatisch und bestürzend, zum anderen aber verlangt es sehr viel Feingefühl. Weil sie aber übersteuert, wirkt sie eher wie ein Rufer in der Wüste.
Zurück zu Ruby. „Ob der eigene Beitrag gut ist, merkt man unmittelbar an der Reaktion des Publikums“, erklärt sie während der Pause. „Wenn’s nicht klappt, muss man durchhalten und hoffen, es vielleicht noch herumzureißen.“ Zwar „klappt“ ihr Vortrag, und doch muss sie herumreißen.
Ihre Empörung bezüglich grausiger Anmachsprüche zieht sich, ehe die unerwartete Wendung dies wieder wettmacht. Die zweite Runde ist deutlich besser besetzt, einzig Slammerin Sarah ist auf Augenhöhe mit den zweiten vier Kandidaten. So bekommt das Publikum von Nina auch das lyrisch schönste Werk zu hören. Ihr Gedicht fließt wunderbar daher. Treffenderweise befasst sie sich mit den Gründen, warum sie dichtet – „das ist mein Revier“. Einzig, die unmittelbare Konkurrenz ist zu groß. Vor ihr bringt Felix das Publikum zum Lachen. Vortrag und Inhalt passen wunderbar zusammen: „Unentschlossen“, heißt das Stück, und der Zuhörer bekommt den Eindruck, als ob Felix selbst nicht wisse, warum er hier steht oder ob er auf der Bühne bleiben möchte. Nach Nina spricht Beatrice, deren Aufschrei gegen „Political Correctness“ inhaltlich stark und auf den Punkt gebracht ist. Wenig überraschend genießen Beatrice und Felix schließlich die Zuschauergunst; Beatrice gewinnt und der einzige Mann der Runde muss sich mit Platz zwei begnügen.
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