Akuter Handlungsbedarf
28.11.2007 | 18:28 Uhr 2007-11-28T18:28:00+0100
Zusatzgutachten zur Situation des buerschen Einzelhandels liegt vor. Geschäfte in Buer mussten drastische Umsatzeinbußen hinnehmen. Cima-Experte sieht neben der Domplatte drei weitere „Entwicklungsstandorte”. Analyse war auch Thema im Planungsausschuss.
In der buerschen City besteht, was die Weiterentwicklung des Einzelhandels anbelangt, „dringender Handlungsbedarf”. Das ist das Fazit einer aktuellen Ergänzung der „Cima Stadtmarketing GmbH” zum Einzelhandelsgutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte.
Gutachter Michael Karutz, der eine Zusammenfassung seiner Ergebnisse bei der Bürgeranhörung zur Domplatte vortrug, betont allerdings, dass Buer grundsätzlich ein starker Standort sei und „enorme Chancen” habe, wenn nur entsprechende Kurskorrekturen durchgeführt würden.
Die Alarmzeichen seien deutlich: Trotz eines ungebrochenen Marktpotenzials von rund 220 000 möglichen Kunden im Umkreis von Buer mit einem Marktvolumen von 1 Mrd € sei der Umsatz der 180 Betriebe in der City Buer von 1992 bis heute – trotz des Konsumbooms in den 90er Jahren – um 60 Mio € auf 146 Mio € gesunken. Überproportinal sei der Umsatzverlust im Bereich Bekleidung gewesen (-27,6%). Aber auch im Bereich des täglichen Bedarfs habe Buer einen aussschlaggebenden Kauf- kraftabfluss verzeichnen müssen, so Karutz.
Dass es Potenziale gebe, Umsätze zurückzuholen, sehe man darin, dass die Kaufkraft in Buer grundsätzlich 7 % über der durchschnittlichen bundesdeutschen Kaufkraft liege. In der Gesamtstadt liege sie 6,5 % unter dem Durchschnitt.
Der Gutachten nannte als weitere wichtige Fakten:
Neben einer nachlassenden Kunden- und Kaufkraftbindung weist Buer laut Cima-Gutachter auch einen „nachdrücklichen Verlust an Profilschärfe” auf. Die Qualität des Angebots sank von 2004 bis 2007 im gehobenen Bereich von 43 auf 27 %. Die Ladengestaltung und Warenpräsentatin sank im gleichen Zeitraum im Bereich „modern und zeitgemäß” von 59 auf 44 % der Geschäfte. Im Bereich „topp” von 8 auf 3%.
Karutz plädiert in seinem Gutachten dafür, „Mindernutzungen” von Geschäftsimmobilien zu korrigieren und Kleinteiligkeit aufzuheben. Es fehlten „Magnete” wie etwa am Dom, dessen Lage zu einer C-Lage verkommen sei. Wenn man bedenke, dass ein Vollsortimenter mit 2500 qm Verkaufsfläche im Jahr 11 Mio € Umsatz mache, davon 8 Mio € im Bereich von Lebensmitteln, könne man erkennen, welche Kaufkraft zurück geholt werden könne.
Handlungsbedarf sieht Karutz neben der Domplatte im Bereich Marien-/Blindestraße, in der zentralen Lage der Hochstraße („schwarzer Block” von Karstadt Sport bis Vodafone mit Hinterhof Rochusgasse), Rottmannsiepe und der Bereich des Hinterhofes von Hertie an der Maximilianstraße, „die eigentlich eine Toplage ist.”
Lob gab es auch: Die Hochstraße biete ein durchgängig attraktives Angebotsniveau, die Hagenstraße profiliere sich als „Experimentierfeld für Einsteiger”. Goldbergplatz und Horster Straße entwickelten sich als „Hort der Gastronomie und Kultur”, was es auszubauen gelte, so der Gutachter
Am Mittwoch stellte Karutz dem Stadtplanungsausschuss das Ergänzungsgutachten vor, wo die Ergebnisse von den Fraktionen interessiert zur Kenntnis genommen wurden. Während die CDU sagte, mit der Gründung von Entwicklungsgesellschaften trage man den Gutachter-Forderungen Rechnung, plädierte die SPD für weitere Maßnahmen als „nur” dem Supermarkt-Projekt am Dom. Karnutz betonte nochmals, wie wichtig der Vollsortimenter für die Entwicklung von Buer-Mitte sei und dass aus Gutachtersicht die Domplatte Priorität vor dem Ahag-Gelände genieße.
Das Cima-Gutachten mit allen Einzelheiten können Sie hier im Anhang per Download einsehen.
0mitdiskutieren